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Erkelenz
Bürger besorgt: Bringt eine neue Bahnunterführung mehr Verkehr?

Erkelenz: Bürger besorgt: Bringt eine neue Bahnunterführung mehr Verkehr?
FOTO: Laaser, Jürgen (jl)
Erkelenz. In einer Bürgerversammlung stellte die Stadt die Vorplanung für eine neue Unterführung zur Anton-Raky-Allee hin vor. Von Andreas Speen

Die Anwohner der Anton-Raky-Allee, Neusser Straße und des Wockerather Wegs sorgen sich, weil sie mehr Autos und Lastwagen auf ihren Straßen befürchten, wenn die Eisenbahnbrücke an der Mühlenstraße gegen eine neue, nach Südwesten verlagerte Unterführung ersetzt wird. Das wurde bei einer Bürgerversammlung deutlich, zu der Politik und Stadt eingeladen hatten. Mit der neuen Unterführung werde, neben der an der Kölner Straße, ein zweites großes Einfalltor in die Innenstadt geschaffen. Außerdem, so die Sorge von Anwohnern, könnte die Unterführung für sie mehr Lärm bedeuten, wenn Pkw und Lkw in der Senke gasgeben müssen.

Die Deutsche Bahn muss dringend die über 100 Jahre alte Bahnunterführung an der Mühlenstraße sanieren. Sie würde dort allerdings nur das alte gegen ein neues Brückenbauwerk tauschen. Weder würde die Straße dadurch breiter, noch die Durchfahrthöhe an heutige Normen angepasst. Die Stadt Erkelenz hatte deshalb schon vor Jahren die Idee, gemeinsam mit der Bahn drei weitere Problemstellen im Umfeld zu beheben, indem eine neue, für Fahrzeuge, Fußgänger und Radfahrer optimierte Unterführung errichtet wird.

Die würde erst weiter südwestlich am Wockerather Weg ansetzen und hinter der Mühlenstraße an die Anton-Raky-Allee angebunden. Die für den Begegnungsverkehr problematische S-Kurve auf der Anton-Raky-Allee würde damit nicht mehr vom Durchgangsverkehr, sondern nur noch von Anliegern genutzt. Die Mühlenstraße verlöre ihren Reiz als Durchfahrtstraße, die sie eigentlich nicht ist. Und der unansehnliche, deshalb wenig genutzte Fußgängertunnel zwischen Neusser und Mühlenstraße könnte aufgegeben werden.

Plan ist, die alte Bahnunterführung an der Mühlenstraße aufzugeben (l.) und eine neue Verbindung zur Anton-Raky-Allee zu schaffen. FOTO: JL (Archiv)/Grafik Stadt Erkelenz

Kosten soll das Gesamtvorhaben rund 5,2 Millionen Euro. Anliegerbeiträge entstehen keine. 800.000 Euro würde die Deutsche Bahn tragen, 4,4 Millionen Euro die Stadt Erkelenz. Bei den bisherigen Vorplanungen hatte sie gehofft, vom Land mit 2,85 Millionen Euro unterstützt zu werden, was laut Technischem Dezernenten Ansgar Lurweg derzeit jedoch eine Seltenheit wäre. Bei der Bürgerversammlung konnte er darüber nun erfreut berichten: "Man hat uns gesagt, dass wir mit einer Förderung rechnen dürfen."

Baustart könnte 2018 sein, Fertigstellung frühestens 2020. In der Bauphase könnte die alte Bahnunterführung für den Verkehr geöffnet bleiben, was bei einer Sanierung für rund eineinhalb Jahre nicht der Fall wäre.

Die Ratsvertreter von SPD und Grünen, Dieter Spalink und Beate Schirrmeister-Heinen, machten in der Bürgerversammlung deutlich, dass ihre Fraktionen sich mit dem Projekt nicht anfreunden können. Das Geld sei anderswo besser eingesetzt (Grüne), und das Vorhaben sei nicht in ein gesamtstädtisches Verkehrskonzept eingebunden (SPD), das dringend erforderlich sei, wo CDU, FDP und Freie-Wähler/UWG doch auch an benachbarten Stellen die Verkehrssituation ändern wollten (Einbahnstraßenregelung Kölner Straße, Umfeld des Stadtparks). Auf Nachfrage von Anwohnern, wie die Alternativen von SPD und Grünen aussehen, erklärte Schirrmeister-Heinen: "Die Bahn soll ihr Projekt machen, wir halten unser Geld für andere Projekte." Und Spalink sagte, dass sich seine Fraktion die Frage nach Alternativen ebenfalls stelle, mit den Überlegungen aber noch nicht am Ende sei. Dass die Entscheidung allerdings bald gefällt werden muss, hatte Bürgermeister Peter Jansen verdeutlicht. Ansonsten könne Erkelenz nicht mit einer Landesförderung rechnen, und allein sei das Bauvorhaben wiederum nicht zu realisieren.

Klaus Steingießer (CDU), Christopher Moll (FW/UWG) und Werner Krahe (FDP) sicherten den Anwohnern zu, bei den Verkehrsströmen vorsichtig, vielleicht den Schwerlastverkehr von vornherein ausschließend planen zu wollen. Es handele sich bei der Bürgerversammlung am Donnerstag auch nicht um die letzte, sondern um den Beginn der Bürgerbeteiligung.

Quelle: RP
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