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Erkelenz
Dorflinde: Letztes Wahrzeichen ist gefallen

Erkelenz. In Borschemich (alt) fällten die Borschemicher ihre mehr als 300 Jahre alte Dorflinde. Von Anke Backhaus

Mit Borschemich (alt) untrennbar verbunden waren drei Wahrzeichen: Haus Paland, die katholische Kirche St. Martinus und die mehr als 300 Jahre alte Dorflinde. Nachdem im Dezember Haus Paland für den Braunkohlentagebau Garzweiler II weichen musste, folgte kürzlich der Abriss der Martinuskirche - am Samstag fiel schließlich auch die Linde.

"Mit dem heutigen Tag ist das Kapitel Alt-Borschemich beendet. Die Erinnerungen daran kann uns niemand nehmen, sie haben einen festen Platz in unseren Herzen", sagte Hans-Jürgen Goebels, der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft. "Lasst uns alle nach vorne blicken, denn unsere Zukunft liegt in Neu-Borschemich", fügte er hinzu. Während die Häuser des Ortes, Haus Paland und die Martinuskirche nach und nach von RWE Power abgerissen worden sind und noch werden, ließen die Borschemicher dies bei ihrer uralten Dorflinde nicht zu. Hans-Willi Schulte, der Brudermeister der St. Martinus-Schützenbruderschaft, hatte die Idee, die Linde durch die Borschemicher selbst fachgerecht zu fällen. Schulte: "Das ist eine leidige Aktivität. Unsere Linde war fest verwurzelt im Heimatboden."

Während der Lindenbaum zunächst entastet wurde, erinnerten sich die Borschemicher, die in großer Zahl in ihren alten Heimatort zurückgekehrt waren, an alte Geschichten. "Am Fronleichnamstag stand an der Linde ein Wegekreuz. St. Martin fand dort auch immer die Mantelteilung statt", sagten die Borschemicher. Sie erinnerten sich auch an einen kleinen Skandal, als nämlich die Linde in den 1980er Jahren gekappt wurde und nur der mächtige Stamm übriggeblieben war. "Das hat für riesige Diskussionen gesorgt. Aber wie wir alle sehen, hatte sich der Baum ja erholt", so die Borschemicher. Vor etwa 30 Jahren hatte Josef Boss übrigens eine neue Linde gepflanzt - mit Blick auf die Umsiedlung, um eben diesen neuen Baum mit an den neuen Standort des Dorfes mitnehmen zu können. Doch das Vorhaben konnte nicht in die Tat umgesetzt werden. Weder für den jungen, noch für den uralten Lindenbaum gab es eine Garantie, dass sie nach der Entnahme an einem neuen Standort zur gewohnten Pracht zurückfinden würden. Die Konsequenz war so, die Bäume zu fällen. Schon in der Vergangenheit hat Heidi Korsten aus dem Holz der alten Linde hübsche Bastelarbeiten für die Seniorennachmittage im Advent hergestellt, so dass die Borschemicher einen Teil des Baums bekommen durften.

Viele Anwesende hatten Kameras dabei, um letzte Fotos und Videos der Linde aufzunehmen. Für jeden gab es dann noch heiße Suppe. Viele betonten, nun zum letzten Mal in dem alten Ort gewesen zu sein. Jetzt, da das letzte Wahrzeichen verschwunden ist, ist die Geschichte des Altortes beendet.

Quelle: RP
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