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Kerken
Das neue Gesicht der Via Stenden

Kerken: Das neue Gesicht der Via Stenden
Claudia Burghans aus Straelen leitet seit wenigen Wochen für das Deutsche Rote Kreuz die Via Stenden. FOTO: seybert
Kerken. Claudia Burghans leitet jetzt die Zentrale Unterbringungseinrichtung der Bezirksregierung Arnsberg in der Gemeinde Kerken. Damit ist die Straelenerin Chefin von etwa 40 Mitarbeitern. Baugenehmigung fehlt. Von Stefan Kriegel

Etwa 40 Mitarbeiter, in nächster Zeit sollen zehn bis 20 hinzukommen, 430 Schutzbefohlene, im Endeffekt nach Beendigung der Ausbauphase könnten es 450 werden. Alleine diese Zahlen machen deutlich, dass Claudia Burghans ein großes mittelständisches Unternehmen führt. Seit wenigen Wochen leitet sie für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) die Zentrale Unterbringungs-Einrichtung (ZUE) Via Stenden.

Seit Herbst des vergangenen Jahres ist bekannt, dass das ehemalige Tagungs-Hotel der Landes-SPD für Flüchtlinge und Asylbewerber genutzt werden soll (die RP berichtete mehrfach). Durch geschicktes Einbinden der Bevölkerung entstand kein großer Widerstand.

Damals wurde klar, dass die Bezirksregierung Arnsberg für die Flüchtlinge in NRW verantwortlich ist und die Trägerschaft in die bewährten Hände des DRK übergeben wird. Über eine Zeitungsanzeige kam die gebürtige Straelenerin an ihre neue Aufgabe.

"Mein Wohnort in der Blumenstadt und damit die Nähe zu Stenden hat mir bei meiner Bewerbung auf diese Stelle, sehr geholfen", berichtet die 50-jährige Mutter von zwei Kindern. Dem Niederrhein war die aktive Tennis-Spielerin lange verbunden. Nach der Grundschule in Straelen "baute" sie ihr Abitur in Geldern, begann anschließend ihre Ausbildung bei der Stadt Straelen. Es folgte das Studium an der Fachhochschule Köln mit dem Abschluss zur Diplom-Betriebswirtin. Anschließend arbeitete die Straelenerin mehrere Jahre bei der Telekom in der Direktion Düsseldorf, von wo aus sie bundesweit agierte.

Jetzt kümmert sich Claudia Burghans um die Flüchtlinge in der Via Stenden. Gerade in der Aufbauphase der Unterbringungs-Einrichtung häufen sich die Probleme. "Unser Bauantrag liegt immer noch bei der Genehmigungsbehörde, dem Kreis Kleve. So lange die Genehmigung nicht vorliegt, kommen wir nicht so richtig weiter", nennt die neue Leiterin ein Beispiel. Als sie ihren neuen Job in Stenden antrat, waren einige Gebäudeteile noch gar nicht komplett umgebaut. "Das Dach des ehemaligen Schwimmbads, das als Spielzimmer genutzt werden sollte, war undicht, so dass das Spielzimmer zwischenzeitlich verlegt werden musste", erklärt die begeisterte Krimi-Leserin, die mit ihrer Familie gerne in Südtirol wandern geht oder mit dem Auto Süd-England besucht.

Doch mit der Zeit entwickelt sich die Unterbringungs-Einrichtung. Wenn alles fertig ist, werden dort 450 Menschen Platz finden. Sie werden betreut von derzeit 40 Mitarbeitern, im Endeffekt sollen es bis zu 60 sein. Dazu gehören unter anderem Hauswirtschaft/Reinigung, Küche, sozialer Dienst oder Sicherheitsdienst. Für verwaltungstechnische Dinge, die die Flüchtlinge direkt betreffen, ist Markus Jansen von der Bezirksregierung Arnsberg zuständig. Er sorgt auch dafür, dass die Bewohner mit Bussen zu den zuständigen Behörden gebracht werden, zum Beispiel zur Zentralen Ausländer-Behörde (ZAB) oder zum Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Deshalb stehen auch permanent Busse auf einem Extraparkplatz vor der Via Stenden.

"Die Flüchtlinge leben im Durchschnitt sechs bis 14 Tage hier bei uns", berichtet Claudia Burghans. Trotz der kurzen Aufenthaltszeit möchte sie mit Ehrenamtlichen noch einiges auf die Beine stellen. Zwei Mitarbeiter mit Migrationshintergrund organisieren derzeit mit dem Küchenchef ein Grillfest. Eine Nähstube und ein Sportraum sind im Aufbau. Sportaktivitäten sind in Vorbereitung, wenn das Außengelände endlich genehmigt ist.

Und es wird ein Zahnpflegeseminar geben. "Auch wenn die Bewohner hier nur kurzfristig leben, möchten wir ihnen mit zwei Lehrern die Möglichkeit geben, etwas Deutsch zu lernen", wirft Claudia Burghans einen Blick auf die aktuellen Aktivitäten, die in ihrer Aufzählung nicht komplett sind. Zum Abschluss hat sie noch eine Bitte: Dringend werden noch Männerkleidung der Größen S/M, Koffer, Trollies und Rucksäcke als Spenden gesucht.

Quelle: RP
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