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Handball
Als die Augen zu funkeln begannen

Handball: Als die Augen zu funkeln begannen
Entschlossenheit als Familientradition: Benedikt Liedtke (rechts) steuerte gegen die HSG Siebengebirge sechs Treffer zum 35:33-Erfolg seiner Mannschaft bei. Im Übrigen trägt auch er wie sein Bruder Christopher, der einige Jahre lang bei den Aldekerker Männern erfolgreich Regie geführt hatte, die Nummer 18 auf seinem Trikot. FOTO: Heinz Spütz
Aldekerk. Handball-Nordrhein: Die Männer des TV Aldekerk sorgten ein weiteres Mal für Spannung. Nach schwacher erster Halbzeit drehte das Sommer-Team etwa ab der 40. Minute auf und bezwang die HSG Siebengebirge mit 35:33 (15:18). Von Reinhard Pösel

Die Männer-Handballer des TV Aldekerk errangen am Samstagabend in der Vogteihalle gegen den letztjährigen Mittelrhein-Meister HSG Siebengebirge den zweiten Sieg in der aktuellen Saison. Zur Halbzeit lag die Mannschaft von ATV-Trainer Matthias Sommer nach einer desolaten Abwehrleistung mit 15:18 hinten, startete dann jedoch ab der 40. Spielminute eine Aufholjagd, ging auf der Zielgeraden des Spiels ein erstes Mal an diesem Abend in Führung und gewann schließlich mit 35:33.

Gegen einen physisch starken Gegner, der in der Vogteihalle mit einer schwer erschütterbaren 6:0-Deckung begann und im Angriff eine klare Idee von Handball verfolgte, bekamen die Aldekerker insbesondere am eigenen Kreis überhaupt keinen Zugriff auf das Spiel. Im Rückraum ließ die HSG Siebengebirge, die östlich von Bonn zuhause ist, den Ball so lange zirkulieren, bis sich einer ihrer Spieler ein Herz fasste, zum Sprungwurf ansetzte oder aber die häufig scheunentor-großen Löcher in der Aldekerker Abwehr zum Torerfolg nutzte. Die dritte Variante der Gäste, ihr Torkonto in schöner Regelmäßigkeit aufzustocken, resultierte aus den Passfehlern der Aldekerker Angreifer, die sie mit schnellen Gegenstößen ein um das andere Mal bestraften. Aldekerks Keeper Christian Thommessen, der im ersten Durchgang das Tor der Gastgeber hütete, konnte einem bei der unzureichenden Leistung seiner Vorderleute nur leid tun.

ATV-Rechtsaußen Thomas Plhak konnte nach dem Spiel auch nicht für Aufklärung sorgen, weshalb seine Mannschaft ein weiteres Mal in dieser Saison in den ersten 30 Minuten äußerst schwach aufspielte und weit hinter ihren Möglichkeiten blieb. Bereits während der ersten Auszeit nach einen guten Viertelstunde nahm sich ATV-Coach Matthias Sommer seine Männer verbal zur Brust. In der Kabine soll zur Halbzeitpause die Ansprache an die Aldekerker Spieler dann noch um einige Phonstärken lauter gewesen sein. "Und das mit Recht", konstatierte Phlak.

Nach dem Wiederbeginn schienen die Gäste da weiter zu machen, wo sie vor dem Seitenwechsel aufgehört hatten. In gleicher Weise traf das auf die Aldekerker zu, die es jetzt mit Florian Lindenau im Kasten probierten. Nach 35 Minuten war der 15:18-Pausenstand auf einen Fünf-Tore-Rückstand (18:23) angewachsen. Nur die größten Optimisten gaben noch einen Pfifferling auf die Heimmannschaft. Doch wie schon in Rheinhausen und jüngst in Essen bewiesen die Aldekerker Moral, wollten vor heimischem Publikum nicht ein weiteres Mal untergehen.

Von einer auf die andere Minute ging ein Ruck durch die Aldekerker Reihen. In der Abwehr wurde jetzt zugepackt, Bälle wurden erobert, und Keeper Lindenau nahm den Gästen einige Würfe weg. Und auf der gegenüberliegenden Seite landete der Ball immer regelmäßiger im Kasten. Zwischendurch mussten die Aldekerker Zeitstrafen wegstecken, weshalb die Aufholjagd phasenweise ins Stocken geriet. Doch je mehr der Vorsprung der Gäste, denen die aggressivere Deckung überhaupt nicht behagte, schrumpfte, desto entschlossener und selbstbewusster wurden die Aldekerker. "Da konnte man bei allen ein Funkeln in den Augen sehen", wollte Plhak, der wie seine Mitspieler in dieser Phase der Partie den immer stärker werdenden Rückhalt des Publikums genoss, ausgemacht haben. "Den mussten wir uns erst verdienen, was aber auch okay ist", sagte Plhak.

Als sieben Minuten vor Schluss nach einer Balleroberung der ATV-Defensive Janis Kempmann zum 29:29-Ausgleich ins verlassene Gästetor traf, stand die Halle Kopf. Zwei Minuten später lag der ATV durch Thomas Jentjens mit 31:30 ein erstes Mal an diesem Abend vorne. Dem Angriff ging ein von Jonas Mumme geblockter Ball voraus. Mittlerweile stand Janik Schoemackers im Aldekerker Tor und schien seinen persönlichen Erfolgsfaden aus der vergangenen Woche, als er in Essen mit feinen Reaktionen zum Rückhalt seiner Mannschaft wurde, wieder aufzunehmen. Gleich mit den ersten Aktionen nahm er den Gästen drei Würfe weg, die im Gegenzug zu Aldekerker Toren führten. Benedikt Liedtke, Fabian Schwartz und Tobias Reich durften sich unter ohren-betäubendem Jubel auf der Tribüne als Torschützen feieren lassen. 90 Sekunden vor dem Abpfiff zweier umsichtig und unauffällig pfeifenden Schiedsrichtern hatte sich der ATV auf 34:30 davon gemacht. Uneinholbar für die HSG Siebengebirge, die das Ergebnis am Ende nur noch auf 33:35 stellen konnte.

So anerkennenswert die furiose Aufholjagd der Heimmannschaft auch war, sie darf nicht den Blick darüber verstellen, dass die Leistung deren Abwehr mehr als eine halbe Stunde lang keinem Viertliga-Format entsprach.

Quelle: RP
 
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