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Grevenbroich
Abgasbelastung in Kapellen ist zu hoch

Grevenbroich: Abgasbelastung in Kapellen ist zu hoch
Rund 10.000 Fahrzeuge rollen täglich über die Talstraße in Kapellen und verpesten die Luft mit ihren Abgasen. FOTO: dpa
Grevenbroich. Eine Messung an der Talstraße zeigt, dass die Belastung der Atemluft mit Stickstoffdioxid dort so hoch ist wie an Düsseldorfer Hauptstraßen. Von Tim Kronner

Felder und Wiesen - so sieht es rund um Kapellen aus. Der 6600-Seelen-Stadtteil von Grevenbroich ist weit davon entfernt, eine Großstadt zu sein. Und doch gibt es eine Straße, die der Landeshauptstadt Düsseldorf in nichts nachsteht - und zwar im negativen Sinne. Denn über die Talstraße, die mitten durch Kapellen führt, rollen täglich tausende Autos und Lkw. Die Folge: Lärmbelästigung und verschmutzte Luft für die Anwohner. Jetzt hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) vor Ort nachgemessen und das bestätigt, was viele Kapellener schon seit langem denken. "Die Stickoxidbelastung an der Talstraße ist eindeutig zu hoch", sagt Leo Krüll, Pressesprecher der Bürgerinitiative "Pro Ortsumfahrung" (Pro O), die sich für eine Entlastungsstrecke einsetzt.

Das Ergebnis der Messung: Die Belastung der Atemluft mit Stickstoffdioxid (NO2) liegt auf der Talstraße nach den aktuellen Messungen bei 32,1 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter. Sie erreicht damit nahezu das Niveau großer Hauptverkehrsstraßen in Düsseldorf wie zum Beispiel der Kaiserswertherstraße (32,6) oder der Münsterstraße (33,2). "Die gesundheitsgefährdenden Auswirkungen des enorm hohen Verkehrsaufkommens von werktäglich 10.000 Fahrzeugen pro Tag wurden damit jetzt erstmals offiziell festgestellt", klagt Krüll.

Los ging die Messaktion mit dem Titel "Decke auf, wo Atmen krank macht" schon im Februar. Da begann die DUH damit, einen Monat lang an 559 Orten in Deutschland die Stickstoffdioxidbelastung zu messen. Ein Kapellener hatte sich um die Teilnahme beworben und den Zuschlag erhalten. Am 1. Februar wurde ein sogenannter Passivsammler an der Talstraße angebracht. Dabei handelt es sich um ein kleines Röhrchen, in dem sich eine chemische Substanz befindet, die die Messkomponente (in diesem Fall Stickstoffdioxid) bindet. Nach vier Wochen wurden die Röhrchen verschlossen und an die DUH zurückgesandt. Die Auswertung erfolgte in einem Schweizer Labor.

In diesem Bereich der Talstraße wurde das Stickoxid gemessen. FOTO: MR

Zur Einordnung: Nach aktuellen Studien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) "müssen gesundheitsrelevante Wirkungen von NO2 ab einer langfristigen durchschnittlichen Exposition von 20 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter kalkuliert werden". "Das Ergebnis an der Talstraße liegt deutlich darüber", stellt Krüll fest. In der "Verordnung über Luftqualitätsstandards und Emissionshöchstmengen" ist ein Jahresgrenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel festgelegt, der seit 2010 einzuhalten ist. Diesen unterschreitet die aktuelle Messung in Kapellen zwar, aber "aufgrund des starken Kälteeinbruchs während der Hälfte des Messzeitraums liegt der von den Passivsammlern ermittelte Wert aber um etwa zehn Prozent unter dem tatsächlichen Wert", sagt Krüll. Er und die Bürgerinitiative fordern deshalb: "Jetzt sind Politik und Verwaltung gefordert, die Belastungen für die Anwohner zu verringern."

Quelle: NGZ
 
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