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Grevenbroich
Die letzten Zeugen der Brikettfabriken

Grevenbroich: Die letzten Zeugen der Brikettfabriken
In den 40er Jahren entwarf der Kölner Architekt Theo Wilkens den Neurather "Nassdienst". 1951 ging die Halle in Betrieb. Sie existiert heute noch. FOTO: Archiv Zenker
Grevenbroich. Heimatforscher Peter Zenker hat sich auf die Spuren der Neurather Brikettfabriken begeben. Obwohl die Produktion schon 1968 eingestellt wurde, finden sich heute noch imposante Gebäude, die an diese Industrieepoche erinnern. Von Wiljo Piel

Bis vor 47 Jahren wurden in Neurath noch Briketts im großen Stil gepresst. Nachdem 1968 die letzten "Klütten" das Band verließen, verschwanden die beiden Fabriken aus dem Ortsbild: Auf dem Gelände der Brikettfabrik Neurath entstand ein Braunkohlekraftwerk, auf dem Areal der Fabrik "Prinzessin Viktoria" wurde ein Wellenbad errichtet, das zurzeit in einen Freizeitpark für Kinder umgewandelt wird. Heimatforscher Peter Zenker hat sich auf die letzten Spuren der alten Produktionsstätten gemacht - und er hat noch imposante Gebäude entdeckt, die an die Industrieepoche in Neurath erinnern.

Zenker, der heute in Siegburg lebt, ist in Neurath aufgewachsen. Er studierte Bergbau und promovierte in diesem Fach zum Dr.-Ingenieur. Seit jeher ist er eng mit den Menschen und der Region verbunden. "Aus dieser innigen Beziehung heraus, habe ich die letzten Zeitzeugen der Brikett-Ära untersucht", erklärt der 75-Jährige. Seine Forschungsergebnisse veröffentlicht er jetzt auf seiner Seite www.peter-zenker.de, die sich zu einem Online-Geschichtsbuch über die Braunkohle-Region entwickelt hat.

Sein sicherlich imposantestes "Fundstück" ist der Nassdienst, der von dem Kölner Architekten Theo Wilkens geplant und 1951 in Betrieb genommen wurde. "In dieser 83 Meter langen, 22 Meter breiten und 20 Meter hohen Halle, die früher am Rande des Tagebaus lag, wurde die feuchte Braunkohle für die Brikettierung in den beiden Fabriken aufbereitet", erklärt Peter Zenker. In dem gigantischen Gebäude waren Brecher, Siebe und Bahnanlagen im Einsatz - heute steht die Halle größtenteils leer. "Damit werden ihre Ausmaße erst richtig wahrnehmbar", sagt Zenker.

Ganz in der Nähe steht ein ähnlich großes Gebäude: die 105 Meter lange und 60 Meter breite Hauptwerkstatt aus den 30er Jahren, in der alle im Bergwerksbetrieb anfallenden Arbeiten erledigt wurden - etwa Wartungen, Instandhaltungen oder Reparaturen an Maschinen. Peter Zenker hat das Innere und Äußere der Halle fotografisch festgehalten - aus gutem Grund: "Zurzeit laufen Vorbereitungen, die ehemalige Hauptwerkstatt und den Nassdienst abzureißen." Dies gelte auch für den alten Lokschuppen von 1925, in dem die ersten kleinen elektrischen Lokomotiven untergestellt wurden, die im Tagebau zum Einsatz kamen.

Auf seiner "Forschungsreise" durch Neurath hat Peter Zenker auch das alte Wiegehaus gegenüber dem Kraftwerk besucht, vor dem ab Anfang der 1950er Jahre die mit Briketts beladenen Lastwagen gewogen worden. Und er erinnert zudem an die Direktorenvilla, die gleich neben der Brikettfabrik "Prinzessin Viktoria" von der 1910 gegründeten "Gemeinnützigen Baugesellschaft" errichtet wurde. Das repräsentative Gebäude steht heute an der Glück-Auf-Straße.

Nicht zuletzt wirft Peter Zenker einen Blick auf das alte, längst abgerissene Kasino, das an der Straße "Am Dornbusch" stand. Ursprünglich eine Kantine, war es später Treffpunkt für die Angestellten des Unternehmens. Teile der gediegenen Inneneinrichtung hat Peter Zenker im Foyer der Hauptverwaltung des Tagebaus Garzweiler in Frimmersdorf wiederentdeckt: Die alte Clubgarnitur aus Leder tut dort auch heute noch gute Dienste.

Quelle: NGZ
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