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Grevenbroich
Erasmus-Abiturienten nach 50 Jahren wieder in "ihrer" Schule

Grevenbroich. Es hat sich einiges verändert, allein schon räumlich: Das fiel den ehemaligen Schülern des Erasmus-Gymnasiums sofort auf. "Beim Reinkommen ins Gebäude riecht es heute auch nicht mehr so nach warmem Kakao wie früher", erzählte Marta Kramer. Sie zählt zu den zehn Ehemaligen, die jetzt zum ersten Mal nach 50 Jahren wieder die Schule besuchten, an der sie Anfang Mai 1967 ihr Abitur gemacht haben. Für Schulleiter Michael Jung, der seit 2001 an der Spitze des Gymnasiums steht, ein außergewöhnlicher Besuch: Er freute sich, die Gruppe der Abi-Jubilare durch "seine" Schule führen zu können und ihnen zu zeigen, was sich alles verändert hat.

Tatsächlich erkannten die zehn Ex-Schüler einige Gebäudeteile wieder. "Die Aula sieht immer noch so aus wie früher", sagte etwa Christa Morawietz und staunte. Sie hatte für das Treffen extra eine 300 Kilometer weite Anreise aus Heidelberg auf sich genommen. Sie erzählte: "Die letzten Monate in der Schule haben uns alle zusammengeschweißt. Wir haben all die Jahre Kontakt gehalten, uns aber nie in der Schule getroffen." Für alle ein Höhepunkt: Michael Jung teilte die Abiturklausuren der zehn ehemaligen Oberprima-Schüler aus. Alle waren 1967 in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch schriftlich geprüft worden. "Das Kurssystem, wie wir es heute kennen, ist ersts päter eingeführt worden", sagte der Schulleiter. Rolf Heimann, heute 68 Jahre alt, warf als erster einen Blick in die Klausuren. Sein Notendurchschnitt komme etwa einer "drei plus" nahe, aber in Englisch war der spätere Englischlehrer schon damals "sehr gut", was ihm die Noten in der Klausur bescheinigen, die er aufgrund der Schrift sofort als seine erkannte - auch nach 50 Jahren. "Die Klausuren muss ich mir zuhause mal in Ruhe ansehen", sagte er und erinnerte sich: "In Englisch mussten wir in der Prüfung die Nacherzählung einer Kurzgeschichte schreiben."

Bei dem Treffen sprudelten nur so die Anekdötchen aus der Vergangenheit: die Eigenarten der Lehrer, kuriose Prüfungssituationen und Stinkbomben, die einst ins Treppenhaus geworfen wurden. "Wir wurden damals auch mündlich geprüft. Allerdings wusste niemand von uns, ob er wirklich - und wenn ja - in welchem Fach drankommen würde", erzählte Wilfried Faßbender. Ähnliches berichtete auch Schulleiter Jung, der selbst vor rund 45 Jahren Abi gemacht hat. Ein markanter Unterschied zwischen den Abiturienten von damals und denen von heute: 1967 haben sie erst nach ihren bestandenen Prüfungen gefeiert. Heute lassen es die angehenden Abiturienten bereits davor ordentlich krachen. Erstaunlich: Fünf der zehn Abitur-Jubilare sind später selbst Lehrer geworden.

(cka)
 
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