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Grevenbroich
Pianistin spielt "Klassik in der Kneipe"

Grevenbroich: Pianistin spielt "Klassik in der Kneipe"
Eugenia Smirnova (l.) und Evgeniya Dushina an der Theke der Gaststätte "Zum Kanönchen". Die Pianistin und die Sopranistin geben morgen Abend ein gemeinsames Kneipen-Konzert - mit russischen Romanzen und Opernmelodien. FOTO: A. Tinter
Grevenbroich. Als Solistin und Kammermusikerin ist Eugenia Smirnova weltweit unterwegs. Jetzt hat sie zusätzlich die Neurather Gaststätte "Zum Kanönchen" übernommen. Dort veranstaltet die gebürtige Russin künftig auch klassische Konzerte. Von Wiljo Piel

Das Haus an der Gürather Straße 16 hat sie gekauft. Inklusive der Kneipe, die im Erdgeschoss liegt. Doch Wirtin werden, das möchte Emilia Smirnova nicht. Sie ist schließlich eine bekannte Konzertpianistin, die sich auf den großen, internationalen Bühnen zu Hause fühlt - und das soll auch so bleiben. Andererseits kommt für die gebürtige Russin aber auch eine Schließung des "Kanönchens" nicht in Frage. "Das Gasthaus hat Tradition und ist eng mit Neurath verbunden", sagt die Künstlerin. Und da ist sie auf eine Idee gekommen: Die Kneipe wird zum Kultur-Tempel - und morgen wird Premiere gefeiert.

Ab 18 Uhr lädt Eugenia Smirnova zu einem Konzert ein, in dem sie selbst die in Wien engagierte Sopranistin Evgeniya Dushina auf dem Klavier begleiten wird. Russische Romanzen stehen auf dem Programm, im zweiten Teil werden bekannte Opernarien dargeboten. Die Künstlerinnen sind eng befreundet, sie haben ihre Ausbildung am Tschaikowski-Konservatorium in Moskau genossen und vor zwei Jahren gemeinsame Konzerte in den Opern in Hanoi und Saigon gegeben - ein eingespieltes Team also.

Klassik in der Kneipe, das kann funktionieren, glaubt die 1979 geborene Künstlerin: "Wir haben außer der Reihe schon zwei Probekonzerte gegeben - für Zuhörer, die sonst mit dieser Art von Musik nichts zu tun haben", schildert Eugenia Smirnova: "Und da sind am Ende sogar Freudentränen geflossen." Und ein wenig Tradition hätten solche Konzerte auch: Denn kein geringerer als der bekannte Komponist Franz Liszt (1811-1886) habe sich einst regelmäßig in einer Bonner Gaststätte ans Klavier gesetzt und für ganz normale Leute gespielt. Ähnlich soll das künftig auch an der Gürather Straße in Neurath ablaufen.

"Ich möchte aber unsere Gäste nicht nur für klassische Musik begeistern", sagt die Pianistin. Es sollen künftig an jedem ersten Freitag im Monat auch andere Genres im "Kanönchen" bedient werden - etwa Rock, Pop und Jazz. Den Anfang macht am 5. Mai das Grevenbroicher Trio "Gentle Sounds in Black and White", das Songs aus den 70er und 80er Jahren spielen und eigene Kompositionen vorstellen wird. "Nach und nach werden wir ein eigenes Band-Equipment anschaffen, so dass sich Musiker hier auch einmal zu Sessions treffen können", schildert Eugenia Smirnova. Die Pianistin geht fest davon aus, dass die Grevenbroicher Kulturszene mit einem solchen Angebot bereichert wird.

Durchgehende offen sein wird das "Kanönchen" künftig aber nicht mehr. "Nur an den Montagen wird geöffnet", sagt Smirnova. Denn dieser Tag habe sich schon seit langem unter dem Stammgästen etabliert, am Wochenanfang sei es voll in der Kneipe mit den vielen Schalke-Schals über dem Tresen. Und damit sich die Neurather nicht umgewöhnen müssen, übernimmt die ehemalige Wirtin Gabriele Schiffer an diesem Tag die Regie hinter der Theke. "Darüber bin ich sehr froh", meint die Künstlerin, die auch an den Schützenfesttagen das "Kanönchen" öffnen will, damit sich die Züge treffen können.

Jetzt stehen aber erst einmal die Vorbereitungen für das Konzert am Samstagabend auf dem Programm, bei dem die beiden Künstlerinnen "höchste Qualität" bieten können. Wer dabei sein möchte: Eintrittskarten (20 Euro) können noch unter 02181 80160 reserviert werden.

Quelle: NGZ
 
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