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Grevenbroich
Zwei Zelte für Flüchtlinge zerschnitten

Grevenbroich: Zwei Zelte für Flüchtlinge zerschnitten
Rund 30 Schnitte weisen die Dachplanen von zwei der vier Hallen auf. FOTO: Berns, Lothar (lber)
Grevenbroich. Der Staatsschutz ermittelt in Grevenbroich: Unbekannte haben die Dachplanen von zwei Leichtbauhallen, in die bald 160 Flüchtlinge einziehen sollen, demoliert. Die Polizei schließt einen fremdenfeindlichen Hintergrund nicht aus. Von Carsten Sommerfeld

Bis zu zwei Meter lange Schnitte klaffen in den Dachplanen von zwei der vier Leichtbauhallen, die derzeit für die neue Flüchtlingsunterkunft am Hagelkreuz errichtet werden. Laut Polizei müssen die Täter in der Nacht zum Samstag auf das Gelände gelangt sein. "Vor dem Hintergrund, dass die Hallen als Flüchtlingsunterkunft dienen sollen, wurde der Staatsschutz Düsseldorf eingeschaltet", heißt es bei der Polizei in Neuss. "Ein fremdenfeindlicher Hintergrund wird nicht ausgeschlossen. Die Ermittlungen stehen ganz am Anfang", erklärte Polizeisprecher Andreas Czogalla in Düseldorf. Der Staatsschutz ermittelt, wenn der Verdacht auf politisch motivierte Kriminalität besteht.

"Ich war fassungslos, als ich davon erfuhr", sagte gestern Bürgermeister Klaus Krützen. "Ich bin mir sicher, dass es sich um eine fremdenfeindliche Tat handelt. Jeder weiß, dass dort Asylbewerber einziehen sollen." Die Stadt habe nun Security mit Kontrollen beauftragt.

Unternehmer Hans-Georg-Späth errichtet die Leichtbauhallen für die Stadt und ist über die Tat entsetzt. Er setzt eine Belohnung für Hinweise, die zur Ermittlung der Täter führen, aus. Der Sachschaden liege im fünfstelligen Bereich. FOTO: L ber

In vier Wochen soll die aus vier Hallen bestehende Flüchtlings-Unterkunft auf der großen Wiese am Hagelkreuz bezugsfertig sein. Sie wird Platz für 160 Asylbewerber bieten. Hans-Georg-Späth von "Zelte und Hallen Späth", der die Hallen im Auftrag der Stadt errichtet, ist entsetzt. "Ich möchte wissen, wer das gemacht hat." Der Noithausener Unternehmer will 5000 Euro Belohnung für Hinweise aussetzen, die zur Ermittlung der Täter führen.

Am Samstag kurz vor acht Uhr hatte Späth einen Anruf seiner Mitarbeiter erhalten. "Am Freitag hatten wir bis 19 Uhr alle Hallen mit Planen versehen. Am nächsten Morgen wollten meine Mitarbeiter ein Fahrzeug abholen und entdeckten den Schaden. Die Planen waren gerade zwölf Stunden montiert, vermutlich sind wir bei der Arbeit beobachtet worden", so Späth.

Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen

Der finanzielle Schaden liege "im fünfstelligen Bereich". Mehr als 30 Schnitte weisen die weißen Planen auf, an manchen Stellen hängen beschädigte Stücke am 3,50 bis 4,50 Meter hohen Dach herunter. "Es könnte sein, dass die Täter ein Messer auf eine Stange gesteckt und die Dächer aufgeschlitzt haben. Eine Leiter oder ähnliches hatten wir nicht dort gelassen", erläutert Spät. "Die Planen sind Schrott, sie müssen erneuert werden." Was den 53-Jährigen wütend macht: "Ich weiß nicht, ob die Tat einen fremdenfeindlichen Hintergrund hat. Aber es ist auf jeden Fall eine Unverschämtheit. Die Stadt bemüht sich, neue Unterkünfte zu bauen und Turnhallen wieder für deren eigentlichen Zweck frei zu bekommen, und dann wird das sabotiert." Ob der Zeitplan fürs "Flüchtlingsdorf" gehalten werden kann, weiß Späth noch nicht. "Ich muss mich am Montag erkundigen, wie lang die Lieferzeiten für die Planen sind."

Quelle: NGZ
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