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Hilden
Caterer betreibt Mensa im Schulzentrum

Hilden: Caterer betreibt Mensa im Schulzentrum
Carsten Windmann in seiner Küche: "Die Mensa soll cooler werden. Einmal im Monat werden wir eine Kitchen-Party anbieten." FOTO: Staschik
Hilden. Carsten Windmann liefert täglich 5000 Essen an Kitas und Schulen. Im Redaktionsgespräch berichtet er, warum Mensen "uncool" sind. Von Christoph Schmidt

Die Hersteller von Gemeinschaftsverpflegung haben in diesen Tagen keinen leichten Stand. Die RTL-Sendung "Team Wallraff" über angebliche Praktiken der Wuppertaler Firma Vitesca - das Unternehmen kontert auf seiner Internetseite mit "saubere Fakten gegen schmutzige Vorwürfe" - hat viele Kunden verunsichert. Das bekommt auch Carsten Windmann zu spüren. Der Hildener Caterer beliefert täglich Kitas, Offene Ganztags- und weiterführende Schulen im Kreis Mettmann und in Düsseldorf mit rund 5000 Mahlzeiten.

Eltern haben hohe Ansprüche an das Essen für ihre Kinder, die Bereitschaft dafür Geld auszugeben sei jedoch relativ gering, beschreibt Windmann das Problem: "Bei unserem Qualitätsstandard müssen wir mindestens zwei Euro für ein Essen verlangen. Der Wareneinsatz beträgt 40 Prozent." Jugendliche sind eine besonders schwierige Kundschaft, weiß Windmann - nicht nur als Vater eines 18-jährigen Sohnes und einer zwölfjährigen Tochter: "Essen in der Mensa ist uncool." Deshalb versorgten sich viele Schüler in der Mittagspause lieber im Schnellrestaurant, beim Discounter oder in der Bäckerei nebenan. Da wird die Übernahme der Schulmensen des Evangelischen Schulzentrums Hilden und des Konrad-Adenauer-Gymnasiums Langenfeld nach den Sommerferien zu einer doppelten Herausforderung. Gilt es doch, nicht nur besonders kritische Kunden zu gewinnen, sondern auch noch schwarze Zahlen zu schreiben. Aktuell versuchten viele Schulen, ihre Mensen abzugeben. "Ich war zweimal in der Boni-Mensa", erzählt Windmann: "Das Essen für vier Euro war topp." Trotzdem schrieb die Mensa rote Zahlen. Die Rheinische Landeskirche gibt die Mensa aus "rein wirtschaftlichen Gründen" ab, bestätigt Sprecher Jens Peter Iven: "Das hat die Synode so beschlossen. Das ist kein ungewöhnlicher Vorgang und hat nichts mit der Qualität des Essens zu tun." Windmann will aus der Bonni-Mensa ein "Aushängeschild" machen: "Die Mensa soll cooler werden. Einmal im Monat werden wir eine Kitchen-Party anbieten."

Das Unternehmen ist erst vor zwei Jahren in das Gewerbegebiet Nord am Autobahnkreuz Hilden gezogen - und muss schon um 500 Quadratmeter erweitern. Der 46-Jährige Koch will den "Cook and Chill"-Bereich (Kochen und Kühlen) ausbauen: "Heute setzen wir tiefgefrorenes Biogemüse ein, demnächst frisches." Windmann empfiehlt seinen Kunden (nach Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsforschung) einmal Fisch, zweimal Vegetarisch und zweimal Fleisch in der Woche. Schwein und Pommes gibt's gar nicht: wegen muslimischer Kunden und weil Pommes matschig werden. Die beliebtesten Essen der Kinder und Jugendlichen seien Pizza, Pasta, Kaiserschmarrn oder Milchreis mit Kirschen. Für die Kitas und Schulen sei Letzteres aber kein Hauptgericht. Windmann: "Ich als Koch finde ein süßes Hauptgericht okay - aber nicht jeden Tag."

Quelle: RP
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