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Hückelhoven
Wenn der beste Freund geht

Hückelhoven: Wenn der beste Freund geht
Buchautorin Karin Bomke aus Hückelhoven-Millich hat viele Interviews mit Betroffenen geführt und ihre Gesprächspartner frei erzählen lassen. FOTO: J. Laaser
Hückelhoven. In einer Studie geht Karin Bomke der Frage nach, was mit den zurückbleibenden Menschen passiert, wenn der Hund gestorben ist. Von Daniela Giess

"Wenn der beste Freund geht" - so hat die Millicher Autorin Karin Bomke ihr Erstlingswerk genannt, das am 30. September im Berliner LIT-Verlag, dem einzigen inhabergeführten deutschen Wissenschaftsverlag, erschienen ist.

Die Soziologin, die zurzeit an der Universität in Hagen promoviert, hat zuvor mit zahlreichen Veröffentlichungen in Fachzeitschriften auf sich aufmerksam gemacht. Psychologische und medizinische Themen gehörten dabei zu ihren Fachgebieten. Karin Bomke hat festgestellt, dass die Beziehung zwischen Mensch und Hund eine ganz besondere ist. Ihre Hündin Nancy verstarb im Mai 2012, nachdem bei der betagten Hundedame eine schwere Herzerkrankung festgestellt wurde, der eventuell sogar ein Infarkt vorausgegangen war.

Zuvor hatte Nancy ihr Zuhause verloren, die Seniorin, bei der sie gelebt hatte, war gestorben. Über die MDR-Fernsehsendung "Tierisch tierisch" erfuhr Karin Bomke von Nancys Schicksal, beschloss, der schwer kranken Hündin einen schönen Lebensabend zu ermöglichen - so zog Nancy aus Mecklenburg-Vorpommern nach Millich. Ein schlimmes Herz- und Krebsleiden verkürzte die gemeinsame Zeit jedoch auf wenige Monate. Die aus Wegberg stammende Autorin, die das Cornelius-Burgh-Gymnasium in Erkelenz besucht hat, weiß um die besonderen Fähigkeiten und Eigenschaften, die bei Mensch und Hund aufeinandertreffen. "Man entdeckt zusammen die Welt und eignet sie sich gemeinsam an." Auf diese Weise entstehe eine enge emotionale und soziale Bindung zwischen Vierbeiner und Zweibeiner.

Der Tod des Hundes beende diese Beziehung gewaltsam. Insbesondere in der Trauer und dem dazugehörigen rituellen Handeln zeige sich die Qualität der Beziehung. "Das ist nicht anders als beim Verlust eines vertrauten Menschen", hat Karin Bomke festgestellt. "Rituale und Symbolik unterscheiden sich nicht." Bei Nancy hätten die Organe versagt, "nachdem sie sich erst zu erholen schien, und jede Hilfe kam zu spät".

In ihrer wissenschaftlichen Studie geht Bomke unter anderem der Frage nach, was mit den zurückbleibenden Menschen passiert, nachdem der Hund gestorben ist. Viele Interviews mit Betroffenen hat sie geführt, dabei die narrative Methode angewandt, indem sie ihre Gesprächspartner frei erzählen ließ. Rituale wie beim Verlust eines geliebten Menschen seien wichtig, hat sie erkannt. Karin Bomke, die vier Monate an ihrem Buch gearbeitet hat, spricht von einer "Freundschaft auf Augenhöhe" und führt Beispiele aus anderen Ländern an, in denen Mensch und Hund in einem gemeinsamen Grab bestattet wurden und es einen regelrechten Markt für Tier-Grabmale gebe.

Oft sei die Trauer um den Hund hierzulande jedoch ein Tabu. Schwierig werde es, wenn Außenstehende verächtlich und mit Unverständnis auf die Trauerbewältigung reagierten, weil sie selbst keine Erfahrung damit hätten, mit einem Hund zusammenzuleben.

Quelle: RP
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