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Rückblende Hückeswagen Vor 50 Jahren
Die Deutsche Bank eröffnet Filiale

Rückblende Hückeswagen Vor 50 Jahren: Die Deutsche Bank eröffnet Filiale
FOTO: Archiv Bangert
Hückeswagen. Eine schmucke Anzeige vom 4. August 1967 verkündet eine Botschaft: Die Deutsche Bank, so der Text, wird am selbigen Tag eine Filiale am Wilhelmplatz eröffnen. Dem einen oder anderen Hückeswagener Passanten wird es damals nicht verborgen geblieben sein, denn im Gebäude Islandstraße 19 (heute Hausnummer 79) links neben dem Lebensmittelgeschäft Adolph Schürmann (heute Tedi und Parfümerie Flohr) konnten sie doch Tage zuvor bereits Bautätigkeit beobachten. Großen Leuchtbuchstaben strahlten für alle weithin sichtbar den Firmennamen aus. Das Geldinstitut versprach einen "umfassenden Kundendienst für private und geschäftliche Geldangelegenheiten".

Auch der Hinweis, dass es bereits 780 Geschäftsstellen im Bundesgebiet gebe, durfte nicht fehlen und war auch nicht zufällig. "Die Zeit seit 1957 ist eine Phase rascher, oft stürmischer geschäftlicher Expansion", heißt es in einem Standardwerk zur Geschichte der Deutschen Bank, die in Konkurrenz zur Dresdner Bank und Commerzbank stand. Zwar entwickelte man im Laufe der Entstehungsgeschichte das Selbstverständnis, Partner von großen Unternehmen und Konzernen zu sein, allerdings wuchs in den 1970er-Jahren auch der Mittelstand. Bei den Privatkunden sammelte sich immer mehr Geld - alleine zwischen 1950 und 1960 stieg das verfügbare Einkommen in den Privathaushalten um das Dreifache. So kam es, dass im Mai 1959 auf Initiative dreier Vorstände der sogenannte Persönliche Klein-Kredit (PKK) eingeführt wurde. Ab sofort war also nicht nur Sparen angesagt, es sollte auch mittels Kredite konsumiert werden, im kleineren wie im größeren Stil. Etwa ein Jahr nach der Eröffnung der Filiale am Wilhelmplatz führte die Deutsche Bank ab September 1968 auch ein "Persönliches Hypotheken-Darlehen" (PHD) ein.

Die palastähnlichen Hallen der Bank in den Hauptzentralen mit ihren hohen Tresen waren jedoch für derartige Geschäfte ungeeignet, und die Bank begann, deutschlandweit ein Filialnetz aufzubauen, wo sich auch der "kleine Mann" willkommen fühlte. Bis 1976 wuchs das Filialnetz auf 1132 Geschäftsstellen.

Die Hückeswagener Filiale, die zu Beginn unter der Leitung von Dr. Hans-Werner Ast stand, blieb bis 1986 an der Islandstraße, dann zog sie ins Gebäude Bahnhofstraße 16-18 um. Anfang der 2010er-Jahre war die Ära des "umfassenden Kundendienstes für private und geschäftliche Geldangelegenheiten" der Deutschen Bank in der Schloss-Stadt allerdings vorbei. Was geblieben ist, sind der Geldautomat und das leuchtende Firmenemblem an der Außenfassade. Und was blieb noch? Das Bild in den Köpfen der Hückeswagener mit dem umstrittenen Siegeszeichen des ehemaligen Chefs Josef Ackermann, der beim Mannesmann-Prozess im Jahr 2004 mit Zeige- und Mittelfinger ein "V" für "Victory" formte. Ob das im Sinne der angestellten Männer und Frauen der Filiale Wilhelmplatz gewesen wäre? NORBERT BANGERT

Quelle: RP
 
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