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Hückeswagen
Einmal liberal, immer liberal - Welp wird 80

Hückeswagen: Einmal liberal, immer liberal - Welp wird 80
Neben Jörg von Polheim, der immerhin fast zwei Jahre Bundestagsabgeordneter war, ist Gerhard Welp der wohl bekannteste Liberale in Hückeswagen. FOTO: Stephan Singer
Hückeswagen. Er hat die FDP in Hückeswagen über die Jahrzehnte hinweg geprägt wie kein Anderer: Gerhard Welp. Am Sonntag feiert der Ehrenvorsitzende der örtlichen Liberalen seinen 80. Geburtstag. Von Brigitte Neuschäfer

Spätherbst 1966 in Westdeutschland: Kurt Georg Kiesinger, der Kanzlerkandidat von CDU und CSU, führt Gespräche mit Erich Mende, dem Parteivorsitzenden der FDP, über eine Neuauflage der Koalition. Sie scheitern. Die FDP erklärt sich daraufhin zu einer Koalition mit der SPD bereit, auch daraus wird nichts. Und damit ändert sich die parlamentarisch-politische Konstellation grundlegend. Es kommt zur ersten Großen Koalition von Union und SPD, 47 FDP-Abgeordnete bilden die Mini-Opposition im Bundestag, der dominiert wird von den 447 Mandatsträgern der Regierungsparteien. Parallel dazu bildet sich aus der Studentenbewegung heraus die Außerparlamentarische Opposition.

In dieser bewegten Zeit entscheidet sich in Remscheid ein junger Mann, politisch Farbe zu bekennen - für die kleine Oppositionspartei im Bundestag: Gerhard Welp, 30 Jahre alt, tritt 1967 in die FDP ein. Ein Jahr später zieht er mit seiner Frau Elke nach Hückeswagen. In der damals noch sogenannten Runkel-Siedlung wachsen die beiden Söhne und die Tochter heran. Welp bleibt (passives) Mitglied der FDP in Remscheid, geht er doch davon aus, dass Hückeswagen im Zuge der kommunalen Neuordnung zum Stadtteil von Großremscheid werden wird.

Es kam anders, Hückeswagen wurde zur Kommune im Oberbergischen Kreis - und Gerhard Welp 1975 zum Mitglied der FDP am Ort. Das war dann zugleich das Ende einer politischen "Karteileiche": Noch im selben Jahr wurde der Diplom-Ingenieur zum Ortsvorsitzenden gewählt. Das sei kaum mit Arbeit verbunden, hatten die damals in der Partei Verantwortlichen wie Willi Hager versichert. Heute, mehr als 40 Jahre später, schmunzelt Welp darüber. "Das bisschen politische Arbeit" hat den Mann, der morgen seinen 80. Geburtstag feiert, immerhin mehr als die Hälfte seines Lebens und bis heute begleitet. Auch als Ehrenvorsitzender der FDP in Hückeswagen sitzt er weiterhin für die Partei im Planungsausschuss (seit 2004), im Kreisvorstand ist er zuständig für die Pressearbeit.

"Das bisschen Arbeit" bedeutet auch: insgesamt 25 Jahre Vorsitz der Ortspartei, 15 Jahre Mitgliedschaft im Stadtrat, davon zehn Jahre als Fraktionsvorsitzender, zehn Jahre Abgeordneter im Kreistag, viele Jahre Mitarbeit im Kreisvorstand. Parallel dazu setzte sich Welp für "seine" Siedlung Kleineichen ein. Die Nachbarn honorierten es: 1979 holte Welp als bislang einziger Hückeswagener FDP-Kandidat in seinem Wohn- und Wahlbezirk ein Direktmandat für den Stadtrat.

Gerhard Welp hat die FDP der Schloss-Stadt in den zurückliegenden vier Jahrzehnten geprägt wie kein Anderer. Was war die treibende Kraft für ein politisches Engagement, das so viele Jahre überdauert - und so viele Veränderungen innerhalb der FDP? Welp muss nicht lange nachdenken: "Der liberale Grundgedanke trägt. Das bedeutet für mich Toleranz und Weltoffenheit, Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Menschen und auch anderen Kulturen." Die politischen "Wendemanöver" auf Bundesebene haben den persönlich eher sozial-liberal verankerten Freidemokraten manchmal aufgeregt, nie aber zweifeln lassen: "Eine so kleine Partei wie die FDP kann es sich nicht leisten, sich dem demokratischen Wechsel zu verschließen."

Auch darüber sind im Hause Welp viele und lange Diskussionen geführt worden. Bevorzugte Gesprächspartnerin ist Elke Welp, seit 52 Jahren die Frau an seiner Seite und selbst Mitglied der FDP. Sie kann sich einen Ehemann "im politischen Ruhestand" nicht vorstellen. Aber auch keinen, der sich nur auf die Politik fokussiert. Die Gefahr sieht Gerhard Welp für sich selbst allerdings nicht. Schließlich hat er noch andere Ehrenämter in der Hückeswagener Hospizgruppe und in der Initiative für die Schlosskonzerte. Auch zum Lesen und für die Modellbahnanlage ist immer noch Zeit.

Das soll über den 80. Geburtstag hinaus bleiben, wünscht sich Welp. Getreu seinem Lebensmotto: "Ich will jeden Tag so gestalten, wie ich selbst es möchte - und hoffe, dass ich das noch lange kann."

Quelle: RP
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