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Hückeswagen
Rotmilan muss Ortsumgehung weichen

Hückeswagen: Rotmilan muss Ortsumgehung weichen
FOTO: Photographer: Axel Sand
Hückeswagen. Die äußere Ortsumgehung wird vom Bund zwar weiterhin in der Kategorie "vordringlicher Bedarf" eingestuft. Doch bis zu einem möglichen ersten Spatenstich werden noch etliche Monate, wenn nicht sogar Jahre vergehen. Von Stephan Büllesbach

Er ist schon eine imposante Erscheinung, der Rotmilan. Immerhin hat der Milvus milvus eine Spannweite von bis zu 1,75 Meter, und an seinem gegabelten Schwanz ist er leicht zu erkennen. Doch sein Bestand geht zurück. Weltweit gibt es nach Schätzungen von Experten nur noch 22.000 Brutpaare, die Hälfte davon leben in Deutschland. Das Bergische gehört zu den bundesweit elf Regionen, in denen eine Projektstelle eingerichtet wurde, um die Bestände zu kontrollieren. Und nun macht dieser Greifvogel Probleme für den Bau der äußeren Ortsumgehung. Denn auch wenn die beiden oberbergischen Bundestagsabgeordneten Michaela Engelmeier (SPD) und Klaus-Peter Flosbach (CDU) am Mittwoch freudig mitteilten, dass Hückeswagen seine seit mehr als 40 Jahren geplante Ortsumgehung bekommt (die BM berichtete gestern), werden noch viele Autos über die Kreisstraße 5 fahren. Auf deren Trasse zwischen Westhoferhöhe und Kobeshofen soll einmal die B 237n verlaufen.

Der Landesbetrieb StraßenNRW hat alle Einwendungen zu den Plänen an die Bezirksregierung Köln weitergeleitet. Darunter sind etwa Bedenken wegen Zuwegungen und zum Naturschutz. Die Bezirksregierung als Anhörungs- und Planfeststellungsbehörde muss die Stellungnahmen des Landesbetriebs nun an die Betroffenen zustellen. Das ist aber noch nicht geschehen, teilte gestern Peter Felsenheim, Projektleiter Planung bei der Gummersbacher Niederlassung des Landesbetriebs, auf Anfrage unserer Redaktion mit. "Die Bezirksregierung wartet noch auf die Klärung eines Falls", sagte Felsenheim.

Noch schlängelt sich die Kreisstraße 5 von Westhoferhöhe an Röttgen, Grünestraße (Foto), Altenholte und Posthäuschen vorbei bis Kobeshofen. Auf dieser Trasse soll einmal die äußere Ortsumgehung (B 237n) gebaut werden. FOTO: Büllesbach

Dabei geht es um den Rotmilan. Brütet doch ein Paar in der Nähe der Trasse. "Wir müssen dafür ein anderes Waldstück im selben Landschaftsbereich ausweisen", erläuterte der Projektleiter. Immerhin hat der Landesbetrieb schon eine Stelle im Auge, wo das Greifvogelpaar nach einer Umsiedelung brüten könnte. Die entsprechenden Gutachten seien beauftragt. Sobald diese fertig seien, könnten die Gespräche mit dem Grundstückseigentümer starten.

Am Mittwoch hatte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt in Berlin den Arbeitsentwurf des neuen Bundesverkehrswegeplans 2030 vorgestellt. Die oberbergischen Bundestagsabgeordneten Michaela Engelmeier und Klaus-Peter Flosbach teilten daraufhin erfreut mit, dass die "Ortsumgehung Hückeswagen kommt". Schließlich sei sie in der Kategorie "vordringlicher Bedarf" eingestuft. Das bedeute, dass die Baumaßnahme eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit habe, bis zum Jahr 2030 realisiert zu werden.

"Mit der guten Bewertung der Ortsumgehung Hückeswagen im Bundesverkehrswegeplan wurde ein wichtiges Etappenziel erreicht", betonte Engelmeier. "Wir werden uns im Deutschen Bundestag gemeinsam dafür einsetzen, dass wir die entsprechenden Ausbaugesetze noch in diesem Jahr verabschieden können." Und Flosbach unterstrich: "Wenn es uns gelingt, zügig Baurecht herzustellen und die Finanzierung sicherzustellen, rückt der Baubeginn in greifbare Nähe."

Das würde Bauamtsleiter Andreas Schröder freuen. Doch einen konkreten Termin für den ersten Spatenstich sieht er auch weiterhin nicht. Sein Kommentar: "Wir waren noch nie so nahe dran, wie heute - aber das sage ich bereits seit zehn Jahren." Im Grunde genommen sei die Einstufung der Ortsumgehung in die Kategorie "vordringlicher Bedarf" nichts Neues. Es sei aber immerhin ein positives Signal. Schröder: "Für uns ist die Ortsumgehung wichtig, keine Frage."

Über einen Baustart kann Peter Felsenheim nur spekulieren. Sollten die Gespräche wegen der Rotmilan-Umsiedelung schnell zu einem positiven Abschluss kommen und noch für dieses Jahr der Erörterungstermin mit denjenigen, die Einwände haben, terminiert werden, könnte vielleicht sogar noch in 2016 der Beschluss gefasst werden, die äußere Ortsumgehung zu bauen. Bis dann aber der erste Bagger fährt, dürfte es mindestens 2018 werden. Und bis die Trasse fertiggestellt sind, wird es weitere zwei bis drei Jahre dauern.

Quelle: RP
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