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Lkw-Fahrer eingeklemmt
Feuerwehr klagt über Gaffer bei A46-Unfall in Jüchen

A46: Schwerer LKW-Unfall in Jüchen
Der völlig zerstörte Unfall-LKW. FOTO: Feuerwehr Jüchen
Jüchen. Schwer verletzt worden ist am Mittwochnachmittag der Fahrer eines 40-Tonner-Sattelschleppers auf der Autobahn 46 bei Jüchen. Er war am Ende eines Staus in Höhe der Ausfahrt Jüchen auf einen anderen Lkw aufgefahren. Polizei und Feuerwehr beklagten Gaffer. Von Gundhild Tillmanns

Gewissenlose Gaffer und dreiste Autofahrer, die den Rettungsweg versperrten, haben die Bergungsarbeiten der Freiwilligen Feuerwehr Jüchen bei dem schweren Verkehrsunfall am Mittwoch auf der A 46 erheblich behindert: "Für die Autofahrer auf der Gegenfahrbahn war der Unfall wie ein Spektakel. Es sah alles wie ein Schlachtfeld aus. Die haben mit ihren Handys gefilmt und fotografiert", berichtete Feuerwehrchef Heinz-Dieter Abels in seiner Nachlese zu dem Einsatz.

Die Feuerwehr musste den Fahrer aus seiner Kabine bergen. FOTO: Lothar Berns

Zum Glück habe die Polizei reagiert und viele Autokennzeichen aufgeschrieben, hat er beobachtet, bevor die von ihm bestellten Sichtschutzwände von Straßen.NRW am Unfallort angeliefert und aufgebaut werden konnten.

Autofahrer behindern Rettungsgasse

Doch Abels und seine Leute hatten große Mühe, die Schwerverletzten überhaupt zu erreichen: "Ich habe die Autofahrer permanent über Lautsprecher aufgefordert, eine Rettungsgasse zu bilden. Als endlich eine Gasse frei war, hat ein Autofahrer sogar darin gedreht. Der kam uns plötzlich entgegen, um die Ausfahrt Jüchen zu erreichen", wundert sich Abels über eine solche Dreistigkeit und sagt: "Solch ein Verhalten kostet wertvolle, möglicherweise sogar lebenswichtige Rettungszeit." Und Abels beklagt weiter: "Als die Rettungsgasse endlich frei gekämpft und auch der erste Notarztwagen durch war, da haben die Autofahrer wieder aufgeschlossen und die Gasse erneut dichtgemacht."

Auf ihrer Homepage hat die Feuerwehr Jüchen gestern Morgen deshalb das Lehrvideo des ADAC verlinkt, in dem das vorschriftsmäßige Bilden einer Rettungsgasse demonstriert wird. Eine vergleichbar schwere Einsatzbehinderung habe es bisher nur am Ostersonntag vor zwei Jahren bei einem Unfall, ebenfalls auf der A 46, kurz vor dem Kreuz Wanlo gegeben: "Da sind einige von uns nur zu Fuß bis zum Einsatzort gelangt", erinnert sich der Feuerwehrchef.

Psychologische Hilfe für Unfallhelfer

Bei dem Unfall am Mittwoch war, wie berichtet, ein 48-jähriger Lkw-Fahrer aus Mühlheim mit seinem 40-Tonner-Sattelschlepper ungebremst auf das Stauende aufgefahren und hatte zwei weitere Lkw ineinandergeschoben. Die zuständige Polizei Düsseldorf bezifferte den Sachschaden gestern mit rund 360.000 Euro. Die völlig zerstörte Sattelzugmaschine des Mülheimers wurde zur Beweissicherung sichergestellt. Die A 46 war für die gesamte Zeit der Bergung in Richtung Brilon gesperrt. Der Verkehr wurde über die Anschlussstelle Jüchen abgeleitet. Die größte Stauausdehnung betrug etwa sieben Kilometer.

Noch bis 22.40 Uhr war ein Fahrstreifen zur Beseitigung der Ölspuren gesperrt. Alleine zwei Stunden hatte die Bergung des eingeklemmten 48-Jährigen in Anspruch genommen, wobei Abels seine Leute alle 20 Minuten auswechseln musste. Das schwül-heiße Wetter habe an den Kräften gezehrt, sagte er.

Aber auch psychisch sei der Einsatz für die 50 beteiligten Feuerwehleute sehr anstrengend gewesen: Zwei PSU-Helfer (Psychosoziale Unterstützung für Einsatzkräfte) haben laut Abels am Unfallort die Einsatzkräfte im Blick behalten: "Und wir haben uns anschließend alle auf der Wache noch mal eine Stunde mit vier PSU-Helfern zusammengesetzt", sagt er.

Für den Löschzug Hochneukirch, der am meisten in das Einsatzgeschehen involviert gewesen sei, gebe es noch eine weitergehende Nachsorge durch das PSU-Team