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Jüchen
Bürger wollen "Krawall" machen gegen Lärm auf B 59

Jüchen. Nachtfahrverbot für Lkw und Tempo 30 für die Ortsdurchfahrt wollen Jüchener mit einer Bürgerinitiative durchsetzen. Von Gundhild Tillmanns

Hochgeladen und emotional ging es bei der Bürgerversammlung zum Thema B 59 zu. Einige Anwohner der Ortsdurchfahrt entpuppten sich gar als "Wutbürger" und forderten die Jüchener auf, "endlich Krawall zu machen" gegen krank machenden Verkehrs-Lärm sogar in den Nachstunden und an den Wochenenden, gegen Raser, die die Kinder gefährden und schließlich auch gegen die Wertminderung ihrer Immobilien. Die ständigen Erschütterungen durch vorbeifahrende Lkw schädigten die alte Bausubstanz, beklagten Anwohner.

CDU-Ortsverbandsvorsitzende Sandra Lohr hatte zur offenen Mitglieder- und Bürgerversammlung eingeladen, die erwartungsgemäß gut besucht war. Sie hatte zuvor den auch für Jüchen zuständigen CDU-Landtagsabgeordneten Lutz Lienenkämper angeschrieben und ihm das für die B 59 bereits angefertigte Lärmschutzgutachten geschickt. Lienenkämper, der bekanntlich selbst von 2009 bis 2010 NRW-Verkehrsminister war, rät den Jüchenern, ihre Forderungen eines Nachtfahrverbotes für Lkw und zur Einrichtung einer Tempo 30-Zone auf der B 59 an den NRW-Verkehrsminister zu adressieren. Darum will sich Sandra Lohr kümmern. Sie forderte die empörten Bürger aber auch auf, zweigleisig zu fahren und eine offizielle Bürgerinitiative B 59 zu gründen. Der CDU-Ortsverband werde sich auch gerne an die Spitze einer Bürgerinitiative stellen.

Bürgermeister Harald Zillikens konnte den Anwohnern aber wenig Hoffnung auf eine sofortige Verbesserung machen, wie sie teilweise laut und emotional gefordert wurde. "Uns sind die Hände gebunden, wir haben gesetzlich keine Möglichkeiten und auch keine Zuständigkeit für diese Bundesstraße", wiederholte Zillikens mehrfach. Ankündigen konnte der Bürgermeister aber, dass die neun Kanalschachtabdeckungen in der Ortsdurchfahrt vom 14. bis 22. Juni mit sieben Tages- und zwei Nachtbaustellen angehoben werden: Damit falle dann das von Anwohnern immer wieder beklagte Klappergeräusch bei Lkw-Durchfahrten schon mal weg. Außerdem werde Straßen.NRW bei der ab 2017 geplanten Sanierung der B 59 einen sogenannten lärmoptimierten Asphalt verwenden, der eine Geräuschminderung um zwei Dezibel bringen soll. Seine große Hoffnung setzt Zillikens aber in den Bau der Landstraße 354n und der damit verbundenen Anbindung in Kelzenberg an die erweiterte Autobahn 44. "Dann müssen die Lastwagen auch nicht mehr durch Jüchen fahren", meinte Zillikens. In diesem Fall bestehe die Möglichkeit, die B 59 in eine Kommunalstraße umzuwandeln und damit auch verkehrsberuhigende Veränderungen vorzunehmen, die dann aber von den Anwohnern gezahlt werden müssten.

Auf einem Teilbereich der B 59 ist allerdings bereits Tempo 30 verfügt: "Da hält sich aber niemand dran", monierten etliche Redner und forderten vermehrte Polizeikontrollen. Einige Bürger forderten Zillikens auch auf, mit RWE Power zu vereinbaren, dass die Kieslaster von und zur Grube nicht mehr durch Jüchen fahren sollten. Er habe zwar in diese Richtung auch mit Speditionsfirmen gesprochen, sagte Zillikens, fügte aber hinzu: "Ich kann niemanden zwingen, einen bestimmten, anderen Weg zu fahren, wenn eine Straße da ist."

Quelle: NGZ
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