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Jüchen
Ein Stück Asien in Hochneukirch

Jüchen: Ein Stück Asien in Hochneukirch
Varadan Pathmanathan und Priester Saba Balabaskaran (M.) in dem vor fünf Monaten eröffneten, farbenprächtigen Hindu-Tempel. FOTO: L. Berns
Jüchen. Jeden Tag herrscht in der neuen Tempelanlage an der Hochstraße reger Betrieb: An besonderen Tagen kommen bis zu 60 Gläubige, um dort zu beten. Auch viele jüngere Mitglieder der hinduistischen Gemeinde leben dort ihren Glauben. Von Christian Kandzorra

Ein bisschen Asien mitten in Hochneukirch: Fünf Monate nach der Eröffnung des neuen Hindu-Tempels in einem ehemaligen Supermarkt an der Hochstraße ist der Betrieb in der Glaubensstätte gut angelaufen. Pro Tag kommen bis zu 60 Gläubige in die Tempelanlage, um dort zu beten. "An Wochenenden kommen viele Menschen auch von weiter her, um bei den Gottesdiensten dabei zu sein", erzählt Anusya Pathmanathan. Sie ist die Tochter von Varadan Pathmanathan, der als Vorsitzender an der Spitze des eigens gegründeten Vereins steht, der den Tempel gebaut hat und ihn unterhält. Sie sagt: "In den vergangenen Wochen waren auch viele Menschen aus Hochneukirch hier, um sich einen Eindruck zu machen. Unsere Türen stehen für jeden offen."

Die hinduistische Gemeinde Jüchen, die sich "Sri Navsakthi Vinayagar Alayam" nennt und derzeit rund 50 Mitglieder zählt, hatte bis Juli für sieben Monate Hunderte Stunden Arbeit in die Tempelanlage gesteckt und den rund 85.000 Euro teuren Umbau des leerstehenden Gebäudes überwiegend durch Spenden finanziert. Jetzt finden dort täglich Gottesdienste statt, meist beginnen sie um 18.30 Uhr und dauern eine halbe Stunde, an Freitagen drei Stunden. "Der Freitag ist für uns so wie der Sonntag für Christen. Deshalb findet an Freitagen ein größerer Gottesdienst statt", erklärt Anusya Pathmanathan.

Für diejenigen, die zum ersten Mal den Tempel betreten, dürfte es ein außergewöhnliches Ambiente sein: Der gesamte Raum ist bunt gestaltet, an insgesamt zehn verschiedenen "Stationen" im Tempel beten die Gläubigen Götter an - im Mittelpunkt des Hindu-Tempels steht jedoch der Elefantengott "Ganesha", der im Hochneukircher Tempel als eine Art "Hauptgott" gilt. Interessant: Im Tempel ist stets ein Priester anwesend, der auch bei den Gottesdiensten predigt. Anders als in einer christlichen Kirche gibt es im Hindu-Tempel allerdings keine Sitzbänke - die Gläubigen folgen dem Priester durch die Tempelanlage, die inzwischen auch als eine Begegnungsstätte fungiert. "Die jüngeren Mitglieder der Gemeinde haben hier schon Theaterstücke aufgeführt. Außerdem erhalten sie im Tempel an bestimmten Tagen Keyboardunterricht", erzählt Pathmanathan, die der Generation angehört, für die der Tempel errichtet wurde: Denn den älteren Vereinsmitgliedern ist es wichtig, den Glauben an ihre Kinder weiterzugeben.

Zu denen, die ab und zu den Hindu-Tempel besuchen, zählt Karl-Heinz Ehms. Der Lokalpolitiker hatte sich im Vorfeld für die tamilische Gemeinde eingesetzt und Fragen zum Umbau der Immobilie mit geklärt. "Wir pflegen sehr gute Kontakte, viele Vereinsmitglieder kenne ich schon mehr als zehn Jahre", sagt Ehms. Als "Frau der ersten Stunde" könnte man Hildegard Kux bezeichnen: Sie hatte den tamilisch-deutschen Freundeskreis in Hochneukirch gegründet und kümmert sich seit 33 Jahren um die Menschen, die einst nach Deutschland gekommen waren, um Schutz zu suchen. Für sie ist es auch nicht mehr ungewohnt, in den Tempel zu gehen. "Mich fasziniert das Ambiente, vor allem die leuchtenden Farben", sagt Kux. Das Miteinander funktioniere sehr gut. "Für die Gläubigen ist der Tempel ein Stück Heimat, wo sie sich gut aufgehoben fühlen."

Quelle: NGZ
 
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