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Jüchen
Wohnraum für 800 Flüchtlinge gesucht

Jüchen: Wohnraum für 800 Flüchtlinge gesucht
Auch Flüchtlinge mit einer Dolmetscherin besuchten die in Haus Katz. NGZ-Fotos (2): Lothar Berns FOTO: Bürgerinformation
Jüchen. Die Landesunterkunft steht jetzt zwar leer. Die Gemeinde Jüchen geht aber davon aus, bis zum Jahresende etwa 800 Flüchtlinge mit Wohnraum versorgen zu müssen. Der Bürgermeister appelliert an Vermieter, sich dringend zu melden. Von Gundhild Tillmanns

Konstruktiv und sachlich ging es bei der Bürgerversammlung zur aktuellen Flüchtlingssituation zu, die Bürgermeister Harald Zillikens am Mittwochabend leitete. Mehr als 100 interessierte Bürger, darunter auch einige Flüchtlinge, sowie Vertreter der Parteien, der Kirchen und Hilfsorganisatoren, die in Jüchen und Hochneukirch die Flüchtlinge engmaschig betreuen, waren ins Haus Katz gekommen. Kritische Töne wurden nur einmal ganz kurz angeschlagen, als eine Bürgerin nachfragte, wer denn die Kosten für die Flüchtlinge zu tragen habe? "Der Steuerzahler", antwortete Zillikens und reklamierte die bislang unbefriedigende Rückvergütung von Bund und Land. Viele Kosten blieben nach wie vor an der Kommune hängen, gab er zu.

So muss Jüchen, um auf neue Zuweisungen gerüstet zu sein, für 2,6 Millionen Euro eine zusätzliche Unterkunft bauen, wie Harald Zillikens ausführte. Dabei sei die Prognose überaus schwierig, wie viele weitere Flüchtlinge in diesem Jahr in Jüchen zu erwarten seien. Deshalb arbeite man mit einem Planwert von etwa 800 Flüchtlingen. Will heißen: "Wir brauchen dringend zusätzlichen Wohnraum auf dem freien Markt", betonte der Bürgermeister und appellierte, freie Mietwohnungen bei der Gemeindeverwaltung zu melden: "Wir sehen uns alle Angebote an", sicherte Zillikens zu.

Bürgermeister Harald Zillikens informierte über die Flüchtlingssituation. FOTO: Berns, Lothar (lber)

Einig waren sich die Teilnehmer der lebhaften Fragerunde, die sich an Zillikens Eingangsinformationen anschloss: "Integration funktioniert nur, wenn die Flüchtlinge möglichst schnell Deutsch lernen." Die Gemeinde Jüchen wartet aber nicht ab, bis Flüchtlinge das lange und mühselige Anerkennungsverfahren hinter sich gebracht und dann erst einen Anspruch auf einen offiziellen Integrations-Deutschkursus haben. Eine Vielzahl von Deutschkursen wird bereits in Jüchen und Hochneukirch von Ehrenamtler angeboten.

Neben den aktuell 350 bis auf Weiteres fest in Jüchen lebenden Flüchtlingen soll auch die Landesunterkunft in einem ehemaligen Supermarkt an der Odenkirchener Straße weiter beibehalten werden, kündigte Zillikens an. Es lebten zwar nur noch vier Personen dort, und die Unterkunft werde bald leer stehen. Die Gemeinde lasse aber auch die Verträge mit der Caritas und der evangelischen Kirchengemeinde Kelzenberg für diese Unterkunft weiterlaufen. Denn es könne durchaus sein, dass sie als "Puffer" benötigt werde, wenn für Neuzuweisungen nicht sofort eine dauerhafte Unterkunft bereitstehe. Die Notunterkunft bleibe aber auch künftig nur eine vorübergehende Lösung: "Wir müssten ansonsten einen sechsstelligen Betrag in den weiteren Umbau investieren, für Fenster, Brandschutz und Sanitäranlagen", verdeutlichte Zillikens.

Die Tatsache, dass die Landes-Notunterkunft, in der bis zu 150 Menschen bis zu maximal 14 Tagen untergebracht waren, nun leer steht, sei der Übererfüllung der Quote geschuldet: "Die Gemeinde Jüchen hat mehr als 100 Prozent ihrer Aufnahmequote erfüllt. Großstädte wie Mönchengladbach oder Düsseldorf haben nur 60 Prozent erfüllt, deshalb weist das Land nun zunächst diesen Städten mehr Flüchtlinge zu als bisher."

Von einer dauerhaften Entspannung bei den Festzuweisungen geht Zillikens aber nicht aus. Dennoch hoffe er: "Bisher haben wir es vermeiden können, Sportstätten für Flüchtlinge in Anspruch zu nehmen. Ich hoffe, dass wir es auch künftig nicht brauchen, zusichern kann ich es aber nicht", machte der Bürgermeister deutlich.

Quelle: NGZ
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