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Kaarst
Auf dem Weg an die Rathausspitze - als erste Frau

Bürgermeisterwahl 2015 in Kaarst: Das sind die Kandidaten
Bürgermeisterwahl 2015 in Kaarst: Das sind die Kandidaten FOTO: Berns, Lothar
Kaarst. Für die CDU will Ulrike Nienhaus am 13. September die Bürgermeisterwahl gewinnen. Ideen für "ihre" Stadt hat die 59-Jährig viele. Von Julia Hagenacker

Wenn Ulrike Nienhaus dieser Tage in Kaarst auf der Straße steht, dann spielt sich ganz häufig diese Szene ab: Irgendjemand radelt vorbei, guckt, guckt noch mal - und grüßt. So wie an diesem Nachmittag an der Bushaltestelle vorm Rathaus in Kaarst. Weil die Bürgermeisterkandidatin der CDU in den vergangenen Wochen viel unterwegs war und an jeder großen Kreuzung von Plakaten lächelt, haben jetzt viele Menschen das Gefühl: "Die kenn' ich doch!" "Ich werde tatsächlich ganz häufig angesprochen", sagt die 59-Jährige, während sie mit der NGZ in die "860" einsteigt. "Und ich höre immer wieder: ,Toll, dass es diesmal eine Frau machen will."

Mit dem Bus fahren wir einmal quer durch die Stadt: von der City über Holzbüttgen und Vorst bis nach Büttgen und wieder zurück. Abfahrt Rathaus. Dort zieht es Ulrike Nienhaus hin - als Nachfolgerin von Franz-Josef Moormann und als erste Bürgermeisterin der Stadt. "Ich glaube, dass Frauen anders führen als Männer", sagt sie. "Chefinnen setzen ihre Kräfte anders ein."

Bei der Bezirksregierung Düsseldorf leitet die promovierte Geologin, die nach ihrem Studium zwei Jahre lang auf einer Baustelle im Irak arbeitete und anschließend an der Technischen Universität in Aachen "Verwaltung" kennen und schätzen lernte, eine von fünf Abteilungen direkt "unter" der Regierungspräsidentin. "Was Verwaltung und Führung betrifft", sagt Nienhaus, "bringe ich viel Erfahrung mit. Kommunalpolitisches Engagement in erster Reihe - vor Ort in Kaarst - war bisher wegen meiner Arbeit bei der Bezirksregierung nicht möglich. Das heißt aber nicht, dass ich nicht ,im Thema' bin."

Ideen für "ihre" Stadt hat die begeisterte Radfahrerin nämlich viele. Beispiel: die Entwicklung der Kaarster Innenstadt. "Da ist für mich einfach der Gesamtblick wichtig", sagt Nienhaus. "Im ersten Schritt ist es sinnvoll, alles auf den Tisch zu bringen, um dann zu sehen, was wir wirklich brauchen. Radwege gehören für mich auf jeden Fall dazu . Ich will, dass die Kaarster gut und sicher zum Zentrum kommen." Zu Fuß, per Fahrrad oder mit dem Auto.

Auch das Thema "Parken", sagt die Bürgermeisterkandidatin, sei deshalb eines, das diskutiert werden muss: "Tiefgaragen sehe ich immer als ein wenig problematisch an. Ich bin mehr für oberirdisches Parken, weil das ein größeres Gefühl der Sicherheit vermittelt. Davon unabhängig, denke ich, brauchen wir Aufenthaltsbereiche, in denen sich Menschen jeden Alters treffen und aufhalten können - ohne Verzehrzwang: Begegnungsräume, möglichst mit Grün."

Der Bus hält in Vorst. Dort wohnt Ulrike Nienhaus, seit sie Mitte der 1980er Jahre mit ihrem Mann aus Bagdad heimgekehrt ist. "Was ich mir hier noch wünschen würde, wäre eine grundsätzlich bessere Verbindung zwischen den Ortsteilen", sagt sie. "Es gibt eben Bereiche, die nicht optimal an den ÖPNV angebunden sind." An dieser Stelle ist seit langem das Thema "Bürgerbus" im Gespräch. "In anderen Kommunen gibt es aber auch noch ein anderes Modell: ein ,Bürgertaxi'", sagt Nienhaus. "Das hat den Vorteil, das es keine Kollision mit den öffentlichen Verkehrsbetrieben gibt. Solche Modelle möchte ich weiterverfolgen."

Überhaupt - Verkehr und Mobilität sind in Kaarst ein Dauerbrennerthema. Die "860" holpert über den "Rottes". Die Frage, wie sich die Situation auf der auch von vielen Lkw befahrenen Straße verbessern lässt, ist eine, die die Bürgermeisterkandidatin sehr bald anpacken will.

Nächster Stop: Büttgen. "Kaiser's" schließt die zweite Filiale. Nördlich der Bahn fehlt ab kommendem Jahr ein Nahversorger. Das jetzige Gelände der Feuerwehr an der Driescher Straße wäre ein möglicher Standort, sagt Ulrike Nienhaus. Vor 2018 sei ein Neubau aber nicht realistisch. "Was das Zeitfenster angeht, ist es erstrebenswerter, einen Supermarkt oder Discounter am jetzigen Standort an der Luisenstraße zu etablieren. Und für das Gelände der alten Feuerwache müssen wir auch sehen, wie sich der Bedarf an beispielsweise betreutem Wohnen entwickelt. Die Nutzung neben dem Aldegundisheim und dem Kindergarten musst in jedem Fall angepasst sein." Ein Supermarkt, sagt Nienhaus, wäre eine Option. "Aber reines Gewerbe sehe ich dort nicht."

Wohnen im Alter, demografische Wandel - auch das sind Themen, mit denen sich eine mögliche künftige Bürgermeisterin beschäftigen muss. In Büttgen ist die hausärztliche Versorgung ein Problem. "Ich denke dass das, was in Vorst mit dem Ärztehaus geschaffen wurde, ein Anreiz für Mediziner sein kann, sich in Kaarst und den Ortteilen niederzulassen", sagt Nienhaus. "Mein Ziel wäre es, so etwas auch im Bereich des Rathausplatzes zu etablieren. Die Stadt muss dabei als Moderator fungieren." Gleichzeitig könne ein Ärztehaus auch als Frequenzbringer für den Einzelhandel dienen. Und eine Drogerie unter'm Rathaus? "Das", sagt Ulrike Nienhaus, "ist eine spannende Idee."

Quelle: NGZ
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