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Kreis Viersen
Aufstieg in Elite der Energie-Forschung

Kreis Viersen. Die Hochschule Niederrhein ist in den "Forschungsverbund AG Turbo" aufgenommen worden. Der Verband entwickelt moderne Turbinentechnik - ein wesentlicher Baustein der Energiewende. Von Jens Voss

Es hört sich wenig sexy an, ist aber ein Aufstieg in ein erlesenes Technikprojekt: Das Institut für Modellbildung und Hochleistungsrechnen (IMH) der Hochschule Niederrhein (HN) ist in den Forschungsverbund AG Turbo aufgenommen worden. Professor Dirk Roos und sein Promovend Kevin Cremanns werden in den kommenden drei Jahren dabei helfen, neue Wasserdampf- und Gasturbinen fit für die Energiewende zu machen. Es ist das zweite hochkarätige, in Krefeld beheimatete Forschungsengagement, mit dem die Zukunft der Energieversorgung neu gestaltet werden soll: Krefeld nimmt unter Federführung der SWK seit 2014 an einer landesweiten Modellstudie zum Thema dezentrale Energieversorgung teil.

Die Aufnahme in die AG Turbo ist seit der Gründung der AG vor 25 Jahren nur wenigen gelungen. Zudem ist die Krefelder Hochschule die erste Fachhochschule, die in den Bund aus Universitäten und Großunternehmen aufgenommen wurde. "Die Vorbehalte waren zunächst sehr groß", sagt Roos.

Was den Verbund am Ende überzeugte, war - Leistung. Die Krefelder haben das Verfahren, Turbinen effizienter zu machen, dramatisch verbessert. "Komplexe mathematische Optimierungsmethoden helfen Herstellern von Gas- und Dampfturbinen dabei, die Produkte effizienter, leistungsstärker und sicherer zu machen", erklärt die Hochschule dazu. Das Besondere: Die in Krefeld entwickelten Modellrechnungen für Turbinen berücksichtigen bis zu 500 Parameter - "üblich war bisher, nur einige wenige Parameter zu betrachten und zu verbessern", erklärt Roos, der am Fachbereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik Computersimulation lehrt. Zugleich ist der Vorgang ein Musterbeispiel, wie eine Doktorarbeit zu angewandter Forschung wird: Die Promotion von Kevin Cremanns trägt zur Hälfte die Siemens AG, die in Mülheim Turbinen herstellt. Die andere Hälfte kommt über die AG Turbo vom Bundeswirtschaftsministerium. Die Turbinentechnik wird wesentlicher Baustein der Energieversorgung bleiben. Fachleute gehen davon aus, dass die Zukunft in dezentraler Stromversorgung und damit in kleinen Kraftwerken liegt. Damit werden nicht mehr nur Riesenturbinen für Großkraftwerke, sondern kleine und mittelgroße Turbinen gebraucht. Sie können schneller hoch- und wieder heruntergefahren werden. "Das belastet das Material erheblich. Unsere mathematischen Methoden werden dabei helfen, sie darauf auszurichten und zu berechnen, welche Auswirkungen kleinste Ungenauigkeiten haben", sagt Roos, der seit 2011 in Krefeld lehrt. Die Turbinen werden so immer effizienter. Die RWTH Aachen unterstützt das Projekt.

Die Krefelder Stadtwerke begrüßen die Aufnahme der HN in die AG Turbo, zumal sich auch die Stadtwerke bei der Energieforschung engagieren: über das an der HN angesiedelte "SWK Energieforschungszentrum E2". "Wenn unser Forschungszentrum irgendwann einmal von der AG Turbo profitieren kann - umso besser", sagte gestern eine SWK-Sprecherin auf Anfrage.

Unabhängig davon nehmen die Stadtwerke an einem NRW-weiten Versuch teil, in dem Verfahren zur Optimierung von Mini-Kraftwerken untersucht werden. Im Krefelder Modell steuert ein "Virtuelles Stadtkraftwerk" Mini-Kraftwerke. Ziel ist es, Strom präzise abzurufen, wenn er gebraucht wird, wenn also zu wenig Strom aus erneuerbarer Energie ins Netz fließt. Diese Steuerung macht jene Mini-Kraftwerke rentabel. Langfristig könnte so die Energielücke geschlossen werden, wenn kein Wind bläst und keine Sonne scheint, wenn also keine erneuerbare Energie zur Verfügung steht.

Quelle: RP
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