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Kevelaer
Traveller-Camp aufgelöst

Irish Travellers verlassen Kevelaer
Kevelaer. Als ein massives Polizeiaufgebot am Europaplatz vorfuhr, reisten die irischen Wanderarbeiter aus Kevelaer ab. Von Sebastian Latzel

So ein Polizeiaufgebot hat Kevelaer vermutlich zuletzt beim Besuch von Papst Johannes Paul gehabt. Gleich zwei Hundertschaften sind gekommen, um damit deutlich zu machen, dass Kevelaer es mit dem Ultimatum ernst meint. Punkt 12 Uhr soll der Europalatz am Bahnhof geräumt sein. Das haben die irischen Traveller von der Stadt auch schriftlich bekommen.

Irish Travellers ziehen im Sommer 2017 durch die Region FOTO: gerhard berger

Am Abend vorher waren sie, wie berichtet, aus Düsseldorf nach Kevelaer gekommen. Sie seien quasi von der Polizei an den Niederrhein eskortiert worden, heißt es. Hier ließen sie sich am Europaplatz direkt am Bahnhof nieder. Fast 150 Gespanne zählte die Polizei. Nach einer Lagebesprechung kam man überein, den Reisenden die Übernachtung auf dem Gelände zu ermöglichen. "Das Problem wäre in der Nacht gar nicht zu lösen gewesen", sagt Bürgermeister Dominik Pichler. Allerdings verständigte das Ordnungsamt die Gaststätten in der City, die daraufhin fast alle schlossen. Lediglich der Handelshof soll noch geöffnet gewesen sein. Die Nacht sei ziemlich ruhig gewesen, so die Polizei. Es gab lediglich einen größeren Vorfall, als die Beamten einen jungen Mann mit seinem Wagen stoppten und zum Alkoholtest baten. Daraufhin habe sich die Situation hochgeschaukelt, so Polizeisprecher Achim Jaspers. Etwa 50 Wanderarbeiter rotteten sich zusammen, um ihrem Kollegen zur Hilfe zu eilen. Die Polizei forderte Unterstützung aus der Umgebung an, zahlreiche Streifenwagen aus den Nachbarkreisen kamen daraufhin zum Europaplatz. Schließlich beruhigte sich die Lage. Der Verdacht auf Alkohol am Steuer habe sich nicht bestätigt, heißt es.

Jetzt wenige Stunden nach diesem Vorfall ist die Zahl der Polizeiwagen in Kevelaer deutlich gestiegen. Mannschaftswagen versammeln sich zunächst am Parkplatz an der Hüls. Die ersten Wanderarbeiter, die unter dem Begriff "Tinker" bekannt sind, haben die Wohnwagen bereits wieder an ihre Oberklassewagen gehängt und machen sich auf den Weg. Als um 11.30 Uhr die ersten Autos der Polizei vorfahren und auch Abschleppwagen auftauchen, die das Ordnungsamt bestellt hat, kommt richtig Bewegung in das Camperlager. "Der Anblick der Polizei hat die Bereitschaft zum Aufbruch sichtbar erhöht", sagt der Bürgermeister. Alles läuft friedlich ab. Die sonst Fremden gegenüber eher verschlossenen Traveller sind heute ungewöhnlich offen. Er wolle jetzt erst nach Frankreich und dann zurück nach England, erzählt einer. Ob er wegen des Ärgers hier fahre? "Nein, nein", versichert er. Die Leute in Kevelaer seien alle lovely ("nett") gewesen.

Die Irish Travellers am Neusser Kirmesplatz FOTO: Lothar Berns

Eine Frau in einem anderen Wagen weiß noch gar nicht, wohin die Reise geht. Sie fahre nur hinterher, das Ziel bestimme der Boss, sagt sie. Der freilich ist auf dem sich leerenden Gelände nicht aufzutreiben. Um 12.05 ist der Parkplatz komplett leer. Richtung Hessen seien die Landarbeiter unterwegs, so die Stadtverwaltung. Daher waren auch schon Beamte aus Frankfurt in Kevelaer, um die Wagen quasi in den Süden zu begleiten.

Die Verantwortlichen der Stadt ziehen ein positives Fazit: "Es hat sich gezeigt, dass das, was in Düsseldorf möglich ist, auch in Kevelaer möglich ist", sagt Ordnungsamtsleiter Ludger Holla. Die Zusammenarbeit mit der Polizei habe bestens funktioniert. Die Stadt informierte auch die Ordnungsämter der Umgebung. Daraufhin wurden zur Sicherheit die bekannten Traveller-Parkplätze in Weeze an der Autobahn, in Walbeck am Freibad sowie in Wachtendonk blockiert.

Fotos: Zu Gast bei Irish Travellers in den Rheinwiesen FOTO: Hans-Juergen Bauer
Quelle: RP
 
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