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Kleve/Emmerich
Betrug: Da musste sogar der Täter lachen

Kleve/Emmerich: Betrug: Da musste sogar der Täter lachen
"Ich rufe aus den USA an." Karin Schlundt aus Emmerich erlebte einen dreisten Betrugsversuch per Telefon. In einem anderen Fall konnte sich der Täter sogar das Lachen nicht mehr verkneifen. FOTO: Markus van Offern
Kleve/Emmerich. Unbekannte versuchen per Telefonanruf, Zugriff auf Computer zu bekommen. Polizei warnt vor neuer Masche. Von Christian Hagemann

Karin Schlundt kann es immer noch nicht richtig glauben. Ein Unbekannter hat versucht, ihren Computer zu Hause zu hacken. Und das auf eine so dreiste Art und Weise, dass die Emmericherin immer noch perplex ist.

An einem Abend in dieser Woche meldete sich ein Mann bei ihr und ihrem Lebensgefährten per Telefon. Auf Englisch stellte er sich als Mister Wilson von der Firma Microsoft aus den USA vor. Die Angelegenheit sei "urgent", also sehr dringlich. Sie müsse ihren Computer starten und mit ihm einige Schritte auf dem Rechner unternehmen. Denn der Computer habe Warnmeldungen in die Firmenzentrale in den USA geschickt, weil es mehrere Hackerangriffe auf den Rechner gebe.

Die Emmericherin war völlig überrascht - und misstrauisch. Sie fragte ihren Lebensgefährten, was er denke. Ihm kam die Sache ebenfalls sehr merkwürdig vor, schließlich war der Rechner einen ganzen Tag lang überhaupt nicht in Betrieb gewesen. Zudem, so die Überlegung der Beiden, macht es ja eigentlich keinen Sinn, wenn sich Microsoft aus den USA bei einem angeblichen Rechnerproblem meldet. Schließlich hat das Unternehmen ja auch in Deutschland einen Sitz. Dessen Telefonservice war zu diesem Zeitpunkt übrigens nicht mehr besetzt.

Und noch etwas machte stutzig: Auf dem Telefondisplay der Familie erschien die Nummer des Anrufers mit einer Vielzahl von Nullen vorneweg, so dass überhaupt nicht nachzuvollziehen war, woher der Anruf tatsächlich stammte. Das Paar tat das einzig Richtige: Es schaltete den Rechner nicht an und überließ dem Unbekannten keinen Zugriff, sondern fragte stattdessen nach seiner Telefonnummer. Man werde dann gleich zurückrufen.

Der Unbekannte erklärte darauf hin, dass das Paar die Sache wohl nicht richtig verstehe. Es sei tatsächlich sehr dringend. Aber dennoch gab er eine Telefonnummer durch, während im Hintergrund Stimmen zu hören waren, als ob der Mann tatsächlich in einem Call-Center arbeitet. Was das Paar danach nicht überraschte: Natürlich war es nicht die richtige Nummer, die der Mann durchgab. Es handelte sich vielmehr um den Telefonanschluss von Fedex in den USA. Das ist ein Paketdienst. "Für mich zeigt das, dass der Mann mit allen Wasser gewaschen war. Das war mit Sicherheit nicht sein erster Anruf dieser Art", sagt Karin Schlundt.

Das Paar schaltete sofort die Emmericher Polizei ein, die eine Verbindung zum Landeskriminalamt herstellte. Und siehe da: Die Familie wäre beinahe Opfer einer neuen Betrugsmasche geworden. Die Täter versuchen, auf diese Weise Zugriff zum Rechner ihrer Opfer zu bekommen, um ihn zu manipulieren. Das Ziel sind natürlich Daten und Geld der Opfer. Oder sie unternehmen einige Bearbeitungsschritte am Rechner und stellen dann eine hohe Rechnung aus, weil sie ja angeblich einen Schaden behoben haben.

Die Polizei hat der Familie geraten, solche Anrufe zu ignorieren und keinesfalls zurückzurufen. Ein Rückruf erleichtert den Gangstern nämlich das Schreiben einer Fantasie-Rechnung.

Man kann es natürlich auch so machen wie der Mann aus Kleve, der der RP seine Geschichte erzählte. Auch er bekam vor wenigen Tagen so einen Anruf, konnte sich aber schon bald das Lachen nicht mehr verkneifen. Er hat nämlich einen Computer von Apple - und der hat ja mit Microsoft nichts zu tun. Das Verrückte: Auch der Täter musste angesichts dieser Panne lachen - und legte nach einem freundlichen Abschiedsgruß auf.

Quelle: RP
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