| 00.00 Uhr

Kleve
Das Leben in Trümmern beim Literaturherbst im Museum

Kleve. Es gibt die Menschen, die auf dem Berg leben, und diejenigen unterhalb desselben. Auf dem Berg stehen die Villen der Reichen, Manager und Pharmaunternehmer, und unten leben die anderen. Dies ist die Welt, in die die flämische Autorin Saskia de Coster ihre Leser führt und durch realistische und unbestechliche Beobachtungsgabe fesselt. Sie eröffnete die vierte Auflage der Literaturherbst-Reihe im Museum Kurhaus mit einer Lesung aus ihrem Roman "Wir und ich". Von Antje Thimm

Ludger Kazmierczak, Niederlande-Korrespondent des WDR, und die Buchhandlung Hintzen organisierten erstmals 2007 den deutsch-niederländischen Literaturherbst. "Wir und ich" ist die Geschichte der Familie Vandersanden mit dem erfolgreichen Pharmamanager Stefaan, seiner Ehefrau Mieke, Tochter Sarah und Stefaans Mutter Melanie. In ihrem Bestreben, sich "auf dem Berg" ganz und gar zu verschanzen vor den Zudringlichkeiten der profanen Gesellschaft "da unten", entwickeln sich Frustrationen, die neurotische Ausmaße erreichen.

Die zahlreichen Gäste in der Wandelhalle des Museums hörten nicht nur Auszüge aus dem Roman, in dem schonungslos hinter die Fassade der Vornehmen und Reichen geschaut wird, sondern die Autorin erzählte im Gespräch mit Moderator Kazmierczak auch über sich selbst.

"Das eigene Buch in deutscher Sprache zu lesen, ist sehr eigenartig und auch überraschend", betont de Coster. Sie freue sich über die positive Resonanz in Deutschland. Tatsächlich hat ihre Lesung in Deutsch mit flämischem Akzent ein ganz besonderes Flair, zwingt auch nicht zuletzt wegen des starken Widerhalls der Räumlichkeit zu konzentriertem Zuhören. Auf die Frage, ob es autobiografische Anklänge in der Geschichte gibt, antwortet die Autorin freimütig und erzählt, auch sie habe, wie die Sarah des Romans, versucht, sich von Familienzwängen zu lösen. Sie habe aber gespürt, dass Familie immer im Kopf bleibe. "Ganz frei sind wir nie", sagt de Coster, man sollte sich der Fremdbestimmung bewußt sein. Auf Wunsch niederländischer Zuhörer las die Autorin eine Passage in Niederländisch. Die nachbarschaftlichen Beziehungen kamen ebenso zum Ausdruck am Büchertisch, wo die Gäste flämische und deutsche Literatur kaufen konnten. "Das ist unser kleiner Grenzverkehr", sagt Sigrun Hintzen, die den Büchertisch zusammen mit einer Buchhandlung aus Nimwegen organisierte.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kleve: Das Leben in Trümmern beim Literaturherbst im Museum


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.