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Kleve
Flüchtlinge nach fünf Wochen registriert

Kleve: Flüchtlinge nach fünf Wochen registriert
Die Turnhalle des Konrad-Adenauer-Gymnasiums Anfang August, bevor die Flüchtlinge dort eingezogen sind. Das Fotografieren dort haben Verantwortliche der Stadt nach dem Einzug der Flüchtlinge verboten. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Für die Bewohner der Notunterkunft in der Sporthalle des Konrad-Adenauer-Gymnasiums hat nach fünf Wochen das Asylbewerberverfahren begonnen. Einige dürfen heute schon weiterreisen. 300 neue Flüchtlinge am Montag erwartet. Von Ludwig Krause

Schon am Donnerstag war die Aufregung der Flüchtlinge in Kleves Notunterkunft deutlich zu spüren. Noch mehr als sonst telefonierten sie mit ihren Verwandten. Die Steckdosen: dauerbelegt. Der Grund für die aufgewühlte Stimmung erreichte gestern Morgen in Form von 15 Polizisten der Bereitschaftspolizei das Konrad-Adenauer-Gymnasium. Die Beamten übernahmen die Registrierung der Flüchtlinge in der Notunterkunft - damit beginnt für sie offiziell das Asylbewerberverfahren. Der erste Schritt aus der Notunterkunft heraus in ein neues Leben.

"Das ist ein Pilotprojekt. Normalerweise müssen die Flüchtlinge dafür erst in eine Erstaufnahmestelle gebracht werden", sagt Einrichtungsleiter Axel Schmieding vom Internationalen Bund. Weil derzeit aber alle Stellen an ihren Belastungsgrenzen arbeiten, wird dieser Zwischenschritt gespart. Die Flüchtlinge werden direkt in der Notunterkunft registriert.

Einige Bewohner befinden sich erst seit der vergangenen Woche in Kleve. 55 Flüchtlinge wurden bereits in andere Kommunen gebracht, die dadurch frei werdenden Kapazitäten gleich wieder durch die selbe Anzahl an Flüchtlingen ersetzt. Die meisten Bewohner leben aber schon seit dem 7. August in der Sporthalle des Konrad-Adenauer-Gymnasiums. Einer von ihnen ist der 23-jährige Mahmud aus Syrien. Er sei zusammen mit seiner Familie aus seinem Heimatort etwa drei Stunden von Kobane entfernt geflohen, wie er berichtet. "Ich sollte kämpfen und töten. Das wollte ich aber nicht. Ich will leben", sagt er. Geflohen sei dann vor allem: "Dem Krieg, dem Morden, der Gewalt." Schlepper hätten ihn und seine Familie mit einem Boot nach Griechenland gebracht, von dort aus weiter in die Türkei. Während Mahmud es nach Deutschland geschafft hab, blieb die Familie in der Türkei zurück. Darunter befinde sich auch seine Frau - sie sei schwanger, wie der Syrer erzählt. Auch Mahmud hofft, dass es für ihn mit der Registrierung weitergeht. "Wir machen hier den Tag über fast nichts. Ein bisschen Deutsch lernen, die Zeit totschlagen. Dabei wollen wir etwas tun, arbeiten gehen", sagt er. Nichtregistrierte Flüchtlinge haben auf dem normalen Arbeitsmarkt keine Chance, dürfen lediglich ihr Taschengeld aufbessern.

"Alle, die sich Freitag in der Notunterkunft befinden, werden auch registriert", sagt Axel Schmieding. Dafür werden sie nacheinander in Pagodenzelte gebracht, die extra auf dem abgezäunten Teil des KAG-Schulhofs aufgebaut wurden. Die Polizisten nehmen die Namen der Flüchtlinge auf, schießen Fotos und pflegen die Flüchtlinge ins Registrierungssystem ein. Fingerabdrücke werden laut Schmieding nicht genommen. Ein Dutzend Dolmetscher ist im Einsatz, 21 Nationen sind in der Unterkunft vertreten.

Für einige Bewohner geht es heute bereits weiter. Für sie ist irgendwo in Deutschland eine Aufnahmestelle gefunden worden. Mit einem Bus werden sie zum Bahnhof gebracht, von dort aus treten sie eigenständig ihre Reise an. "Sie haben ihre Bahntickets und die genaue Adresse ihres Ziels von der Polizei erhalten", sagt Einrichtungsleiter Axel Schmieding vom Internationalen Bund.

Die Organisation kümmert sich um die Leitung der Notunterkunft in Kleve, arbeitet dabei eng mit der Stadt zusammen. "Wir haben nicht die Möglichkeit, so viel Personal dafür zur Verfügung zu stellen", sagt Bettina Keyers. Dafür zahle die Stadt Kleve an den Internationalen Bund, bekomme das Geld aber vom Land wieder. Die Stadt stellt sich nach Gesprächen mit der Bezirksregierung darauf ein, dass die Notunterkunft am Konrad-Adenauer-Gymnasium noch bis Februar 2016 bestehen bleibt. "Wir müssen jederzeit damit rechnen, auch noch einen weiteren Standort finden zu müssen. Aber wir werden uns wie alle Kommunen nicht wegducken", sagt Keysers.

Das gilt auch für den Kreis Kleve, der am Donnerstag die Anweisung erhalten hat, 300 weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Jeweils 150 werden in den Sporthallen der Berufskollegs in Kleve und Geldern unterkommen, am Montag werden die Flüchtlinge erwartet.

Quelle: RP
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