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Kleve
Windpark mitten im Reichswald

Kleve: Windpark mitten im Reichswald
Die B 504 von Grunewald in Richtung Kranenburg: Der Blick auf den Kartenspielerweg zeigt, wie hoch die Anlagen über die Bäume hinausragen. Die Proportionen sind in etwa eingehalten. FOTO: Evers/Montage: dpa
Kleve. Mit ersten Planungen für einen Windpark an der Gemeindegrenze zwischen Kranenburg und der Stadt Goch ist begonnen worden. Zwischen 15 und 23 Windkrafträder sollen auf dem Kartenspielerweg aufgebaut werden. Von Peter Janssen

Kranenburg/Goch Die Windkraft boomt. Geht es nach Kranenburgs Bürgermeister Günter Steins, dann könnte bald auch die Gemeinde von der alternativen Energiequelle profitieren. An der Grenze zur Stadt Goch ist nach ersten Planungen entlang des Kartenspielerwegs ein Windpark mit 15 bis 23 Anlagen vorstellbar.

Mitten im Reichswald würden sich dann Windkrafträder, die eine Höhe von über 200 Metern erreichen, über den Baumwipfeln drehen und Naturstrom erzeugen. Von den dort geplanten 3,5-Megawatt-Anlagen wären schon drei ausreichend, um alle Haushalte der Gemeinde Kranenburg mit Strom zu versorgen.

Das Projekt "Windpark im Reichswald" soll nach Vorstellung von Bürgermeister Steins von der Energieversorgung Kranenburg GmbH (EVK) umgesetzt werden. Erste Gespräche sind mit dem Regionalforstamt Niederrhein in Wesel geführt worden. Hanns-Karl Ganser leitet dort den Bereich Bewirtschaftung des Staatswalds, Liegenschaften und Jagd. Er kennt das Projekt. Im Gespräch mit der RP nimmt Ganser klar Stellung: "Im Reichswald ist es aus unserer Sicht nur in einem Bereich möglich, einen Windpark zu errichten.

Und der liegt entlang des Kartenspielerwegs." Alle anderen Flächen sind für den Förster tabu. Was aus Sicht Gansers ebenfalls für diesen Standort spricht, ist der Baumbestand, der hauptsächlich aus Kiefern besteht. "Da es für solche Vorhaben immer auch Ausgleichsmaßnahmen gibt, würde dafür an anderer Stelle höherwertiger Wald entstehen", erklärt Hanns-Karl Ganser. Ein weiterer Vorteil für das Gebiet am Kartenspielerweg sei, so der Mitarbeiter des Forstamts, dass Menschen von dem Windpark kaum betroffen seien.

Die Bezirksregierung und das Ministerium sind über das Vorhaben informiert. Bürgermeister Günter Steins betont, dass man erst am Anfang des Projekts stehe. So seien noch planungs- und artenschutzrechtliche Untersuchungen erforderlich, bevor man das Gebiet als Vorrangzone ausweisen könne. Auch die Niederlande müssten in ein Planungsverfahren einbezogen werden, können es aber nicht verhindern. Für den Bürgermeister ist es wichtig, dass sich die Bürger an dem Windpark beteiligen und damit auch von den Erträgen profitieren können.

Das Thema "Ausweisung von Vorrangzonen für Windkraftanlagen" hatte bei Gemeindeverwaltung und Politik über Monate hinweg dafür gesorgt, dass keine Langeweile aufkam. Vor der Kommunalwahl im Jahr 2009 war bekannt geworden, dass die Energiekontor AG im Ortsteil Frasselt drei Anlagen aufstellen wollte. Ein Gutachten, das von der Gemeinde in Auftrag gegeben wurde, kam zu dem Ergebnis, dass im gesamten Gemeindegebiet keine Vorrangzonen ausgewiesen werden können. Für die Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen ist im vergangenen Jahr von der Landesregierung ein Erlass herausgegeben wurde.

Der sieht vor, dass auch in Waldgebieten vereinfacht Windenergieanlagen errichtet werden können. Die Fortschreibung des Gutachtens mit den neuen Bedingungen aus dem Erlass brachte ebenfalls das Ergebnis: keine Vorrangzonen im Gemeindegebiet. Dennoch wird jetzt genau das versucht. Erst dann wird sich zeigen, ob das Vorhaben realisierbar ist oder sich als Luftnummer entpuppt.

(RP/rl)
 
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