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Ausschuss zur Kölner Silvesternacht
Polizist berichtet von Einflussnahme

Die Ereignisse rund um die Silvesternacht in Köln
Die Ereignisse rund um die Silvesternacht in Köln FOTO: dpa, obe kno
Düsseldorf. Sollten die schlimmen Ereignisse der Kölner Silvesternacht vertuscht werden? Vor dem Untersuchungsausschuss berichtet ein Polizist über einen wichtigen Anruf - bedrängt worden sei er aber nicht.

Ein Kölner Kriminalhauptkommissar hat im "Untersuchungsausschuss Silvesternacht" des Düsseldorfer Landtags von Einflussnahme auf eine Mitteilung des Polizeipräsidiums berichtet. Am Neujahrstag habe ein Beamter der Landesleitstelle bei ihm angerufen und eine sogenannte WE-Meldung über "wichtige Ereignisse" moniert. Dabei sei es um eine angezeigte Vergewaltigung gegangen, berichtete der Zeuge.

Eine junge Frau habe in der Silvesternacht angezeigt, ihr seien inmitten eines aus rund 50 Männer bestehenden Pulks Finger in den Körper eingeführt worden. Der Beamte der Leitstelle habe in schroffem Ton verlangt, die Meldung zu stornieren, weil dies keine Vergewaltigung sei. Dieser Beamte sagte laut Zeugenaussage des Polizisten, eine Stornierung sei Wunsch des Innenministeriums.

Er sei dem aber nicht nachgekommen, betonte der Zeuge. Er habe auch nicht den Eindruck gehabt, dass die Dimension der Ereignisse in der Silvesternacht vertuscht werden sollte. Er gehe davon aus, dass der Beamte der Leitstelle den Vorgang tatsächlich nicht für eine Vergewaltigung gehalten habe. Danach sei er auch nicht weiter bedrängt worden, sagte der Zeuge. Eine offizielle Anweisung zur Korrektur der WE-Meldung habe er nicht bekommen.

Beamte der Kölner Polizei sagen im Untersuchungsausschuss aus FOTO: dpa, mjh

Politischer Einfluss?

Der Ausschuss will ergründen, wann Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und ihr Innenminister Ralf Jäger (beide SPD) nach der Silvesternacht über massenhafte Übergriffe auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof unterrichtet worden sind. Außerdem geht es um die Frage, ob politischer Einfluss auf eine "WE-Meldung" der Kölner Polizei genommen wurde, um den Begriff "Vergewaltigung" streichen zu lassen.

Jäger hat solche von der Opposition erhobenen Vertuschungsvorwürfe bereits vehement zurückgewiesen. Insgesamt fünf Zeugen vom Kölner Polizeipräsidium und aus den Lagezentren von Landesregierung und Landeskriminalamt sollen darüber heute Aufklärung geben.

In der Silvesternacht waren Hunderte Frauen von ausländischen Männergruppen drangsaliert, beraubt und belästigt worden - auch Vergewaltigungen wurden angezeigt. Für den 9. Mai ist Jäger als Zeuge vor den Ausschuss geladen.

(crwo/dpa)
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