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Korschenbroich
Die Kaffeekapsel-Künstlerin

Korschenbroich: Die Kaffeekapsel-Künstlerin
Nadine Kugler aus Korschenbroich bastelt aus gebrauchten Kaffeekapseln kleine Kunstwerke - Lampen, Kränze, Broschen und Armreifen. FOTO: anne orthen
Korschenbroich. Seit drei Jahren sammelt Nadine Kugler (35) gebrauchte Kaffeekapseln und fertigt daraus kleine Kunstwerke. Sie macht Kränze, Schmuck, Lichterketten und Lampenschirme. Von Kollegen bekommt sie viele Anfragen für Aufträge. Von Nicole Kampe

Manchmal hängen die Tüten mit den leeren Kapseln schon an der Tür, wenn sie ins Büro kommt. Manchmal bringen ihr die Kollegen den Müll persönlich, oft mit einem Auftrag. Nadine Kugler macht Kunst aus gebrauchten Kaffeekapseln von Nespresso. Ohrringe, Armbänder, Lichterketten, Broschen, Kränze und Lampen. Vor allem Lampen. Viele wollen eine Lampe, weil man sich die Farben aussuchen kann. Deswegen ist Kuglers Kunst so beliebt bei ihren Kollegen. Viel Geld nimmt die Grafikerin nicht dafür. "Für mich ist das Therapiebasteln", sagt die Korschenbroicherin und lacht.

Halbtags arbeitet die 35-Jährige im Verlagsmarketing, die übrige Zeit spielt sie am Theater an der Luegallee. Wenn sie hinter der Bühne warten muss auf ihren Auftritt, dann hat sie immer einen Beutel mit Kapseln dabei, die sie in Form bringt. Oder wenn sie beim Arzt sitzt oder bei ihren Eltern zum Fußballgucken ist. Ihre Freunde schütteln dann schon immer mit dem Kopf, "andere spielen mit dem Handy", sagt Kugler.

Angefangen hat alles mit alten Hirschgeweihen. Die sollten auf den Müll, "was ich schade fand", sagt Kugler. Sie lackierte ein paar, beklebte andere mit Strasssteinen, behielt einige selbst und verkaufte andere für ein paar Euro. "So haben sie ein zweites oder drittes Leben", sagt Kugler. Irgendwann suchte sie sich neue gebrauchte Objekte, Kronkorken und alte Schallplatten. Bis sie vor drei Jahren auf die Kapseln stieß. "Ich bin nicht die einzige, aber jeder hat seinen eigenen Stil", findet die 35-Jährige.

Ihr erstes Stück war eine Blumenbrosche. Eine Weile braucht sie, um die Kapseln zu reinigen, "manche sind schon verschimmelt", erzählt sie und schüttelt den Kopf. Das ist der Part an ihrer Kunst, auf den sie verzichten könnte. Gummihandschuhe an, Augen zu und durch, denkt sich Kugler dann. Um die farbigen Behälter der Kapseln formen zu können, trennt Nadine Kugler sie vom silbernen Deckel. Plattgewalzt werden sie alle, manche anschließend eingedreht, andere gebogen. Ihr Meisterwerk besteht aus 264 Kapseln, ein Lampenschirm, den sie auf einen Retro-Fuß montiert hat. Mit Nieten werden die Platten dann miteinander verbunden - acht Stunden hat Kugler sicher an der Lampe gesessen.

Für die Standard-Nachttischlampe hat Nadine Kugler vorsorglich ein großes Paket Leuchten gekauft, als ein Möbelhaus sie im Angebot hatte. Dann geben die Kunden - darunter eben auch Freunde und Kollegen - ihre Aufträge ab. "Manchmal gibt es ausgefallenere Ideen", sagt sie. Manchmal muss sie tüfteln. "Schwund ist immer", sagt Kugler, obwohl sie nur ungern etwas wegschmeißt. Aus den Resten werden dann Ohrringe und Armbänder.

Die Farbwahl der Kunden ist ganz verschieden, manche wollen es ganz bunt, andere passend zur Einrichtung. "Der Champagner-Ton ist sehr beliebt", sagt Kugler. "Brazil heißt die Kaffeesorte." Es gibt auch seltene Farben, Nora zum Beispiel, eine Sonderedition, die 2002 auf den Markt kam. Wer so eine Kapsel haben will, der bezahlt im Internet gerne zehn Euro für zwei Stück, "leer, wohlgemerkt", sagt Kugler. Einmal hat sie grüne Exemplare dazugekauft, eine Lampe in verschiedenen Grüntönen wollte Kugler basteln, für ihr eigenes Schlafzimmer. "Das ist aber nicht Sinn der Sache." Und nur eine Ausnahme gewesen. Sie hat inzwischen so viele Kapseln zu Hause, dass sie mit dem Basteln gar nicht nachkommt. Dafür muss sie nicht mal selbst eine Kapsel-Maschine haben. Kollegen und Freunde eben. "Ich benutze eine Pad-Maschine."

Schonender für die Umwelt ist das, auch wenn einige Kapselhersteller inzwischen ein eigenes Recyclingsystem haben. Nadine Kugler recycelt nicht nur: "Ich finde es schön, wenn ich jemandem eine Freude machen kann." 30 Euro nimmt sie etwa für eine kleine Lampe, 160 würde sie für die große verlangen. "Handarbeit wird nicht gut bezahlt", sagt Kugler.

Ein blauer Umweltengel ist Nadine Kugler nicht, auch wenn sie im Supermarkt keine Gurken in Plastikfolien kauft. Auf ihre Reisen würde sie nie verzichten können, und die sind auch nicht wirklich gut fürs Klima. Keine Pauschalreisen sondern Rucksacktripps, nach Uganda und Ruanda zu den Berggorillas zum Beispiel. "Ein Freund sagte mal zu mir, dass ich ein richtiger Tausendsassa bin", sagt sie.

Quelle: NGZ
 
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