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Korschenbroich
Die Musik als intensives Gebet

Korschenbroich. Zeitgespräche der evangelischen Gemeinde zur Liebeslyrik in Bach-Kantaten.

Beim letzten "Zeitgespräch" in diesem Jahr ging es vor allem um Martin Luther, um Johann Sebastian Bach und um das Ende des Kirchenjahres am Totensonntag mit dem Hoffnung spendenden Choral "Wachet auf, ruft uns die Stimme" von Philipp Nicolai und die darauf folgende gleichnamige Bach-Kantate. Udo Witt, Kantor der Evangelischen Hauptkirche in Rheydt, erklärte, wie sich die Kirche durch das Wirken Martin Luthers verändert hatte und was den enormen Reiz der Bach-Kantate ausmacht. Er befasste sich mit der christlichen Liebeslyrik in Bachs Kantaten.

Witt erinnerte an düstere Zeiten, an die Angst der Christen vor dem Fegefeuer - eine Angst, die Luther hinwegfegen sollte. "Luther", so der 60-Jährige, "kam zu der Erkenntnis, dass Gott gnädig ist - so fiel die Angst vor dem, was wohl kommen mag, von den Menschen ab". Diese neue Angstfreiheit markierte mit das Ende des mittelalterlichen Denkens. Die Kehrseite der Medaille: "Die Kirche hatte plötzlich keine Druckmittel mehr", erklärte Witt. Die Reformation habe den mündigen, eigenständigen Christen hervorgebracht, der zuweilen letztendlich die Institution Kirche gar nicht mehr brauchte. Der Referent ging auf das Gleichnis der törichten und der klugen Jungfrau im Neuen Testament ein. Die Botschaft: Jesus kommt, auch wenn es uns nicht so erscheinen mag.

Luther sei ein Fan der Kirchenmusik gewesen. Sein Credo: Wer singt, der betet doppelt. Der Lutheraner Johann Sebastian Bach, hatte zwei Jahrhunderte nach Luther für jeden Sonntag eines Kirchenjahres eine Kantate zu komponieren. Bei der Choralkantate "Wachet auf, ruft uns die Stimme", die auch ein schönes Liebesduett sein könnte, sind die Gläubigen, die Braut, die auf Jesus, den Bräutigam wartet. Die Erwartung lässt die "Braut" hektisch und ungeduldig werden - das spiegelt die Musik von Bach wider. Die Arie sei "voller Überschwang".

Das Typische für die Bach-Kantate: Die Handlung, das Erzählende, steht im Vordergrund beim Rezitativ. Der Sopran war zu Zeiten Bachs ein Knabensopran: "Damals hatten Frauen in der Empore der Kirche nichts zu suchen. Bach hatte eine Abmahnung vom Pfarrer bekommen, nachdem er seine Freundin in der Kirche hatte singen lassen", erklärte Witt. Der Schlusschoral der Kantate zum Toten- beziehungsweise Ewigkeitssonntag "Gloria sei Dir gesungen" stammt von Philipp Nicolai, der lutherischer Pfarrer war und Liederdichter. Wie sagte Luther: "Musik ist eine wunderschöne Gabe Gottes."

(barni)
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