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Zum Tage
"Denn Ihr seid auch Fremde gewesen"

Krefeld. Fremde sind eine Zumutung. Die Sprache verstehe ich nicht, ich kann sie oft auch nicht einmal einordnen. Der Lebensrhythmus ist so völlig anders als bei uns: Während wir früh aufstehen und dann unseren Aufgaben nachgehen, dann am Abend schlafen gehen, "verschlafen die den halben Tag" und sind dann die halbe Nacht lang auf den Beinen. Die Kleidung und das Essen der Fremden sind manchmal auch "gewöhnungsbedürftig". So äußern viele ihr "Befremden" über die Menschen, die zu uns kommen.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass auch wir eine Zumutung sein können, wenn wir zum Beispiel im Urlaub in ein anderes Land reisen? Können wir erwarten, dass die Menschen dort unsere Sprache verstehen? Ist es selbstverständlich, dass unsere Sitten, unsere Art, zu essen und uns zu kleiden, akzeptiert oder respektiert werden? Ich bin im Ausland genauso eine Zumutung für die dort lebenden Menschen, wie das hier in Deutschland "Fremde" für mich sind. Aber wenn mir etwas zugemutet wird, wenn jemand zu mir kommt, dann traut er mir etwas zu. Will ich die anderen kennenlernen, ihnen begegnen, oder will ich lieber allein bleiben mit "meinen Leuten"?

"Fremde sollst du nicht bedrängen oder bedrücken, denn ihr seid auch Fremde in Ägypten gewesen." So lautet ein Wort Gottes an sein Volk Israel. (2. Mose 22, 20) Für Christen gilt dieser Auftrag genauso. In Gottes Namen Menschen in Not anzunehmen und ihnen zu helfen, darum geht es. Dabei wird auch sichtbar, welches Bild vom Menschen mich leitet: Jeder hat eine Würde, die ihm mit der Geburt gegeben ist wie seine Gaben und die Kultur, in die er hineinwächst.

Fremde Menschen sind eine Bereicherung für mich, hier in Deutschland und im Ausland. Ihre Art zu leben kann für mich ein Anlass sein, über mich nachzudenken. Ich kann Ideen oder Anregungen aufnehmen, ich kann aber auch beim Nachdenken sicher werden, dass ich so leben will, wie ich im Moment lebe, und ganz bewusst meinen Weg beschreiten. Ich möchte mich der Begegnung mit "dem Fremden" stellen, denn darin zeigt sich der Reichtum dieser Welt.

Ich wünsche Ihnen den Mut zur Begegnung und zum Reich-Werden in solchen Kontakten mit "Fremden". DIETER HUDASCH

Quelle: RP
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