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Krefeld
Die Stimme der Grotenburg ist verstummt

Krefeld: Die Stimme der Grotenburg ist verstummt
Otto Pütz zu Hause in seinem Büro. An der Wand hängen die zahlreichen Orden des Karnevalisten. FOTO: Königs, Bastian (bkö)
Krefeld. Der langjährige Stadtsportbund-Vorsitzende und CDU-Ratsherr Otto Pütz ist am 14. Januar im Alter von 81 Jahren gestorben. Von H.-G. Schoofs und Heinrich Löhr

Mit seinem Humor und seiner Spontanität galt er als echtes Krefelder Original: Am 14. Januar verstarb im Alter von 81 Jahren Otto Pütz. Auf Wunsch seiner Angehörigen sollte die Öffentlichkeit erst nach der gestrigen Beerdigung, die im engsten Familienkreis stattfand, informiert werden.

In vielen gesellschaftlichen Bereichen seiner Heimatstadt Uerdingen und in Krefeld war Otto Pütz zu Hause. Viele Jahre saß er für die CDU im Rat der Stadt Krefeld. Aber auch der Sport und der Karneval lagen dem gläubigen Katholiken, der sein Umfeld durch seine lebensbejahende, positive Art direkt für sich zu gewinnen wusste, am Herzen. 1959 war er in Uerdingen mit 24 Jahren einer der jüngsten Karnevalsprinzen aller Zeiten. "Ich weiß, dass er ob seiner Jugend sogar seine Eltern um Erlaubnis fragen musste", erinnert sich sein Sohn Rainer. Sein Vater sorgte dafür, dass die KG "Eulenturm" nach 15 Jahren "Eulenschlaf" 1993 wieder zum Leben erweckt wurde, er übernahm das Amt des Präsidenten und stieg selber in die Bütt. Später engagierte sich der gelernte Dachdeckermeister, der lange Jahre den elterlichen Betrieb weiter geführt hatte, bei den Doctores humoris causa.

Der Sport lag Otto Pütz besonders am Herzen. Er selbst war begeisterter Schwimmer - er nahm in den fünfziger und sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts an Langstreckenwettbewerben auf dem Rhein teil - und war beim SV Bayer 08 Wasserballer. Beim FC Bayer 05 Uerdingen bekleidete er, der zwischenzeitlich seine Selbstständigkeit aufgegeben und als Angestellter in die Liegenschaftsverwaltung der Bayer AG gewechselt war, über Jahre das Amt des 2. Vorsitzenden. In diese Zeit fallen auch die großen Uerdinger Fußballtriumphe wie der DFB-Pokalsieg 1985 oder die Teilnahmen am Europapokal. "Ich habe in meinem ganzen Leben keinen so positiv denkenden Menschen kennengelernt", erinnert sich Frank Kirchhoff, in jener Zeit Profi in Uerdingen, an den Verstorbenen, den man auf Fotos stets nur lachend sieht. In der Stadionzeitung tippte Otto Pütz fast immer auf einen Sieg seiner Blau-Roten. "Ich bin halt Optimist", pflegte er zu sagen, um schmunzelnd anzufügen, "und meistens habe ich recht behalten." In jener Zeit war Pütz bei den Heimspielen des FC Bayer als Stadionsprecher die Stimme der Grotenburg.

1985 wurde Otto Pütz zum Vorsitzenden des Stadtsportbundes gewählt. Ein Amt, das er ein Vierteljahrhundert - das ist Rekord - bekleidete. Für sein vielfältiges ehrenamtliches Engagement wurde ihm 1999 von OB Dieter Pützhofen das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Als verbindlicher, sachlicher, fairer und kollegialer Funktionär war er in allen Bereichen des Krefelder Sports sehr beliebt und nicht wegzudenken. "Warum ich nicht aufhören kann, weiß ich nicht. Aber alles, was ich für den Sport tue, das gibt er mir auch zurück", sagte er 2009, als ihn unsere Zeitung anlässlich seines 75. Geburtstags besuchte. Auf sein Wirken blickte er nie mit stolzgeschwellter Brust zurück. Sein Lieblingsspruch "Oeding blivt Oeding" passte zu ihm. Otto Pütz blieb immer Otto Pütz. Dem Sport war er auch in seiner 24-jährigen Ratstätigkeit verbunden, so gehörte der CDU-Ratsherr dem Sportausschuss der Stadt rekordverdächtige 40 Jahre an, davon lange Zeit als Vorsitzender.

Nach Differenzen mit der Stadtverwaltung, die ihm eine Vollzeitkraft für die SSB-Geschäftsstelle verweigerte, trat er 2010 nicht nur von diesem Amt zurück, sondern auch aus der CDU aus. Einige Monate zuvor war er vom Landessportbund mit der Goldenen Ehrennadel ausgezeichnet worden. 2011 wurde er zum Ehrenvorsitzenden des SSB ernannt. Ein Jahr darauf erhielt er die NRW-Sportplakette, die höchste Auszeichnung des Landes.

Quelle: RP
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