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Krefeld
Folklorefest-Jubiläum ein toller Erfolg

Das 40. Folklorefest
Das 40. Folklorefest FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Das Best-of-Programm von Bands aus den vergangenen Festivals begeisterte das Publikum bei der 40. Auflage von Freitag- bis Samstagabend auf dem Platz an der Alten Kirche. Dazu gab es Wein, Bier und internationale Speisen. Von Mojo Mendiola

Besinnlich begann am Freitag das 40. Folklorefest auf dem Platz an der Alten Kirche, denn Moderator Helmut Wenderoth erinnerte zunächst an den Künstler Caco, der mit zu den Rettern des vor Jahren in seiner Existenz bedrohten Festivals zählte. Im Juni erlag er seinem Krebsleiden, und zu seinem Andenken wurde die Aufzeichnung einer herrlich dicht und mitreißend gespielten Trommel-Performance von "Caco & Friends" abgespielt.

Dann aber sorgte eine Best-Of-Auswahl von Bands der vergangenen Festivals - ohne Themenabend und Tanz-Workshop - für ungebremste Jubiläums-Feierlaune. Die Gruppe Sedaa aus der Mongolei machte den Anfang mit ihrer faszinierenden Melange aus traditioneller mongolischer und mittelöstlicher Musik. Auf seinen internationalen Konzertreisen hat das Ensemble auch viele neue Anregungen aufgenommen und flocht diesmal manche musikalische Überraschung ein. Dabei standen nach wie vor das virtuose Hackbrettspiel von Ganzorig Davaakhuu Yochin, die kehligen Gesänge von Nasaa Nasanjargal und Naraa Naranbaatar und die Percussion des Iraners Omid Bahadori im Vordergrund.

Sänger Karel Herman aus Tschechien und seine sechs Instrumentalisten bilden die Ethno-Rock-Band Cankisou. Doch sie boten eine ziemlich unverbindliche Hau-drauf-Musik, auf die man gut hätte verzichten können. Bedenklich ist vor allem, dass solche Bands eine auf Festivals ohnehin schleichend steigende Tendenz begünstigen, nämlich immer weniger zuzuhören und die Musik nur noch als Geräuschkulisse im Hintergrund zu konsumieren. Nachdem diesem qualitativen Ausrutscher verwöhnten Six Nation ihr Publikum mit Reggae vom Feinsten und taten kund, dass sie tatsächlich aus sechs Nationen und drei Erdteilen stammen, dem Begriff Nation aber keinerlei Bedeutung beimessen, sondern sich gemeinsam als Kinder der kosmischen Mutter Pachamama empfinden. Ganz irdisch und erdig jedoch ihr von Bob Marley und Peter Tosh inspirierter Sound, detailverliebt ausgefeilt und mit viel Herzblut auf die Bühne gebracht.

Das Duo Zaches & Zinnober aus Bremen wusste am Samstag wieder die Kinder zu fesseln mit lustigen Liedern aus der Küche, zum Beispiel von dem Hai, der plötzlich im Kochtopf schwimmt und nicht nur die Suppe auffrisst, sondern sogar ungewaschene Socken verschlingt.

Einen Platz für Straßenmusikanten gab es übrigens an beiden Tagen auf der Seitentreppe der Alten Kirche. Hier ragte vor allem das Duo Lauscher heraus, zwei echte Volksmusik-Vagabunden, die unter anderem das Warschauer Ghetto-Lied "Das Kelbl" vortrugen. Und überhaupt die Alte Kirche: Würde sie nicht ihre Räumlichkeiten als Backstage-Areal für die Macher und Musiker zur Verfügung stellen, dann ginge gar nichts auf dem Platz davor. Und was wäre die Künstlerbetreuung ohne die köstlich gefüllten Eier von Sofia Dubrova, für die sich sogar schon ein Veganer einen "Seitensprung" genehmigte.

Die niederrheinische Bäck-Tuse-Wurzel-Kapelle "Schäng Blasius Flönz Rakete" mit dem 86-jährigen Alfred Kappes am Akkordeon, seinen fünf Söhnen und Christoph Buysch als siebtem Mann lieferten ein knackiges 30-Minuten-Set und polkten den Platz nach Strich und Faden, bevor Oberbürgermeister Frank Meyer, der als Teenager zu den freiwilligen Helfern beim Folklore-Festival gehört hatte, die offizielle Begrüßung sprach und der Vorstand des Vereins "Initiative Folklorefest" besonders verdiente Mitglieder ehrte.

Der langjährige Moderator Helmut Wenderoth übergab sodann den Staffelstab an seinen Nachfolger Johannes Floehr - sicher eine gute Wahl - und der kündigte die Band Apparatschik an. Balalaika, Bass-Balalaika und Akkordeon bestimmten den Sound, und in ihren russischen Folk-Rock, diesmal sehr differenziert und kaum noch punkig, mischten sich karibische und griechische Elemente. Ein herrlich mitreißendes Set.

Wie ein Wirbelsturm, gespeist aus den unterschiedlichsten musikalischen Genres und Stilen, fegte dann das Mondo Mash Up Sound System über die Bühne. Mehrere Sänger, eine Sängerin und ein Ensemble aus neun hoch talentierten Krefelder Instrumentalisten kochten an diesem Melting Pot und ließen die Spielfreude überschäumen. Von Cab Calloway über die komplette schwarz-amerikanische Musikgeschichte bis zu Flo Mega war alles mal rauszuhören und fügte sich so prächtig, dass das Publikum die Mondos erst nach einer Verlängerung von der Bühne ließ.

Die gehörte als Nächstes den Franzosen von "Red Cardell". Das Chanson, der Mittelalter-Rock, eine Prise Reggae und eine Referenz an Alan Stivell, den Alt-Meister des Celtic Rock und sein berühmtes "Pop Linn", verschmolzen zu einer überzeugenden Begleitung für den französisch-sprachigen Gesang.

Viel Tex-Mex im Stile des Akkordeon-Virtuosen Flaco Jiminez, der in den 80er Jahren der viel verachteten "Quetschkommode" weltweit zu neuer Popularität verhalf, war schließlich von Joan Garriga & the galatic mariachi zu hören. Gemischt mit Mestizo nach katalanischer Art, wurde daraus ein prima gelungener Abschluss für ein tolles Jubiläumsfest.

Quelle: RP
 
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