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Krefeld
Geldautomat trotz verschlossener Filiale gesprengt

Krefeld: Geldautomaten der Sparkasse gesprengt
Krefeld: Geldautomaten der Sparkasse gesprengt FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Am Dienstagmorgen haben Unbekannte zwei Geldautomaten der Sparkasse in Gartenstadt gesprengt. Sämtliche bisher von der Krefelder Sparkasse umgesetzten Sicherungsmaßnahmen hielten nicht stand. Ein Zusammenhang mit einer Serie von Sprengungen in NRW gilt als wahrscheinlich.  Von Sebastian Peters

Nach der Sprengung zweier Geldautomaten der Sparkasse an der Traarer Straße in Gartenstadt ermittelt die Polizei mit Hochdruck, ob die Tat in Zusammenhang mit einer Serie weiterer Sprengungen in Nordrhein-Westfalen steht, bei denen die Täter offenbar aus den Niederlanden kommen. Am Dienstagmorgen um 3.50 Uhr waren die Täter angerückt, sprengten zwei Automaten und fuhren schon wenige Minuten später mit hoher Geschwindigkeit wieder weg. Die Krefelder Polizei und Ermittler des Landeskriminalamtes waren danach tstundenlang in der Bank an der Traarer Straße, sichteten den Tatort.

Die Explosion hat in der kleinen Bankfiliale im Nordosten Krefelds, die über einen Parkplatz zugänglich ist, laut Polizei "erheblichen Sachschaden" verursacht. Durch das Foyer-Fenster war am Morgen sichtbar, dass einer der zwei Geldautomaten komplett herausgerissen war, ein zweiter hing noch in der Verankerung. Einzelteile waren noch auf dem Boden verstreut. Angaben zur Anzahl der Täter und zum Tathergang machte die Polizei noch nicht. Eine direkt eingeleitete Fahndung, auch unter Mithilfe eines Polizeihubschraubers, benachbarter Polizeibehörden und der niederländischen Polizei, verlief bisher ohne Erfolg.

Fotos: Geldautomaten-Sprengungen in der Region – Chronik FOTO: Markus Gerres

Interessant ist der von den Tätern offenbar gewählte Fluchtweg: Zeugen berichteten der Polizei, dass ein Pkw kurze Zeit danach in Richtung Uerdingen gefahren ist. Dieser Fahrtweg überrascht – die nächstgelegene Autobahnauffahrt in Richtung Niederlande wäre die A57-Auffahrt Gartenstadt gewesen – die wäre bei einer Fahrt in Richtung Europaring erreichbar gewesen. Die Frage des Fluchtwegs ist insofern für die Ermittler aufschlussreich, als dass es in den vergangenen Wochen eine Serie von Sprengungen in Nordrhein-Westfalen gegeben hat, zuletzt auch in Wachtendonk im Geschäftsgebiet der Sparkasse Krefeld.

Die neue Tat in Gartenstadt zeigt: Sämtliche bisher von der Krefelder Sparkasse in Angriff genommenen Sicherungsmaßnahmen halten die Täter nicht von ihrem kriminellen Handeln ab. Im Jahr 2010 hatte es zuletzt eine Serie von Automaten-Sprengungen in NRW gegeben; betroffen war in Krefeld die Filiale Vluyner Platz. In Absprache mit Sicherheitsexperten setzte die Krefelder Sparkasse danach einige Maßnahmen um, investierte in Krefeld eine Million Euro. Die Folge: Bis auf die Filiale am Ostwall sind inzwischen alle Krefelder Sparkassen-Selbstbedienungsterminals nachts zwischen 0 und 6 Uhr geschlossen. Bewegungsmelder erhellen das Foyer, wenn eine Person den Raum betritt, die Videoüberwachung wurde erneuert, auch die Geldautomaten sind erneuert worden. Zwar seien sämtliche Maßnahmen auch in Gartenstadt umgesetzt, erklärte gestern auf Anfrage der Krefelder Sparkassen-Sprecher Peter Bauland. Die Täter konnten sich dennoch Zugang zum verschlossenen SB-Bereich verschaffen. Bauland hat dafür keine Erklärung: "Das muss die Polizei herausfinden." Auch macht die Sparkasse keine Angaben zur Höhe der Beute.

Audi-Bande setzt offenbar Fluchtauto in Brand FOTO: Jungmann

31 Geldautomatenangriffe verzeichnen die Ermittler seit Beginn des Jahres, in acht Fällen blieb es bei Versuchen. Bei den Sprengungen wurden teilweise massive Gebäudeschäden verursacht. Das Landeskriminalamt NRW hat daraufhin am vergangenen Donnerstag mitgeteilt, eine eigene Ermittlungsgruppe zur Jagd auf die Geldautomatenbanden eingerichtet zu haben. Alle Delikte dieser Art werden nun zentral erfasst und ausgewertet. Erste Erkenntnisse aus einer Besprechung mit niederländischen Polizeibeamten vor einigen Tagen im LKA NRW ließen den Schluss zu, dass diese Täter mehreren Gruppen angehören, die sich in den Niederlanden aufhalten. Die Taten seien demnach in wechselnder personeller Zusammensetzung begangen worden. Die Täter flüchteten jeweils mit hochmotorisierten entwendeten Fahrzeugen der Marken Audi oder BMW in Richtung Niederlanden.

Fluchtfahrten mit drastisch überhöhten Geschwindigkeiten waren keine Seltenheit. So waren unbekannte Täter im September 2015 mit stark überhöhter Geschwindigkeit mit einem dunklen Audi von Düsseldorf aus durch das westliche Ruhrgebiet in die Niederlanden geflüchtet, verfolgt von zahlreichen Streifenwagen der NRW-Polizei und einem Hubschrauber der Polizeifliegerstaffel NRW. Die Täter konnten nicht gefasst werden.

Geldautomat in Mönchengladbach gesprengt FOTO: dpa, ve htf

Ein Teil der Geldausgabeautomaten-Sprengungen in NRW 2015 und drei Blitzeinbrüche in Leverkusen, Bielefeld und Hagen, die alle im August 2015 begangen wurden, dürften diesen Tätergruppierungen zuzurechnen sein.
Die Polizei will auch weitere Präventionsmöglichkeiten zur Verhinderung von Geldautomaten-Sprengungen entwickeln. Diese Konzepte sollen mit den Geldausgabeautomatenherstellern und -betreibern gemeinsam geprüft werden. "Ziel soll es sein, technische Sicherungsmaßnahmen zum Schutz von Geldautomaten weiter zu optimieren und einzusetzen", so LKA-Chef Uwe Jacob.

Am Dienstag wies eine Infotafel vor der Tür darauf hin, dass die Filiale in Uerdingen genutzt werden soll. Die Aufregung im Stadtteil war groß – viele Bürger aus Gartenstadt suchten den Tatort im Laufe des Tages auf. "Das ist eine große Sauerei und wird nicht hart genig bestraft", sagte der Rentner Helmut Nowak (88), der wenige hundert Meter entfernt vom Tatort wohnt. Theo Engels (69) aus Gartenstadt spricht sich gar dafür aus, die Geldautomaten abzuschaffen. "Das Geld ist darin nicht sicher."

Sparkassen-Sprecher Peter Bauland betont, dass trotz aller Risiken an dem Angebot der Geldautomaten festgehalten werden. "Davon abrücken können wir nicht." Die Filiale Gartenstadt soll ab Mittwoch wieder normal öffnen. Die Krefelder Sparkasse ist zwar gegen die Überfälle versichert, die Gelder der Kunden sind sicher. Allerdings droht die Versicherungssumme zu steigen, erklärte Sprecher Peter Bauland.

Eine Chronik der Geldautomaten-Sprengungen der vergangenen Wochen in der Region finden Sie hier. 

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