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Krefeld
Regie-Debüt des Schauspielers Winzen

Krefeld: Regie-Debüt des Schauspielers Winzen
Ronny Tomiska (l.) und Paul Steinbach in einer Szene aus "Zeit der Kannibalen". Das Bühnenbild entwarf Udo Hesse. FOTO: Matthias Stutte
Krefeld. In Charakterrollen und Komödien hat Bruno Winzen auf der Bühne seit Jahren überzeugt. Nun wechselt er erstmals die Seiten und führt Regie: "Zeit der Kannibalen" hat Samstag Abend in der Fabrik Heeder Premiere. Von Petra Diederichs

Das Bühnenbild hat Symbolcharakter: Wie durch ein Fenster in einer massiven Fassade wird das Publikum in der Fabrik Heeder Blicke in die Welt von Unternehmensberatern werfen, wird sie in deren Biotop - den Konferenzräumen und Hotelzimmern dieser Welt - beobachten, wie sie Erfolg, der sich immer in Macht und Geld manifestiert, nachjagen. Einen etwas anderen Blick will Bruno Winzen den Zuschauern ermöglichen. Und gleichzeitig ist es auch für den 49-Jährigen ein reizvoller Perspektivwechsel. Der in Porz (heute zu Köln zählend) geborene Schauspieler, der seit 2010 zum Ensemble des Gemeinschaftstheaters gehört, gibt mit "Zeit der Kannibalen" sein Regie-Debüt.

Auf die Gelegenheit, sagt Winzen, habe er schon lange gewartet. Zehn Jahre Lehrtätigkeit an Schauspielschulen und die Entwicklung der "Herr Winzen Show" seien beste Vorbereitung gewesen. Als Bruno Winzen den Film "Zeit der Kannibalen" sah, der bei der Berlinale 2014 uraufgeführt wurde, war er fasziniert von der kammerspielartigen Umsetzung eines Stoffs, der ihn nicht minder ansprach. "Diese elitäre Welt, in der jeder versucht, an den anderen vorbei die Leiter hochzuklettern, ist aktuell. Auf der anderen Seite spiegelt das Stück die Gesellschaft, in der Menschen mit viel Geld, noch mehr anhäufen, indem sie denen, die wenig haben, etwas wegnehmen und sie ausbeuten - etwa weil sie Billigware kaufen, die durch Kinderarbeit in der Dritten Welt entsteht." Schnell war ihm klar: "Das muss man fürs Theater machen." Der Entschluss stand, bevor man den Theatertext des Filmregisseurs Johannes Naber entdeckt hatte. In Rücksprache mit Drehbuchautor Stefan Weigel hat Winzen diesen Theatertext mit Szenen aus dem Drehbuch ergänzt.

Morgen hat die Geschichte der Top-Performer der Gewinnmaximierung Öllers (Paul Steinbach) und Niederländer (Ronny Tomiska) Krefeld-Premiere. Beide ringen um die Partnerschaft in der "Company", als sie ganz unvorbereitet der Ersatz für den ausgeschiedenen Kollegen Hellinger trifft: Der Neuzugang im Team ist ehrgeizig, jung - und weiblich. "Es ist ein Stück mit viel Humor", sagt Winzen. Und das verlangt von ihm einen strengen Blick fürs Timing. Das Stück nimmt das Tempo einer Boulevardkomödie auf. "Aber oft muss man auch vor Schreck lachen", sagt er. Den Blick von außen habe er genossen. "Wenn man als Schauspieler auf der Bühne steht, ist man sehr auf die eigene Figur konzentriert. Jetzt habe ich gesehen, was die anderen alles machen. Das war ganz neu für mich". Der Reiz der Regie liege für ihn darin, "dass man sich in alle Figuren hineinversetzen darf". Seinen zweiten Regieauftrag hat er schon: für die Komödie "Darüber reden", die am 2. Dezember im Schlosstheater Celle Premiere hat.

Quelle: RP
 
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