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Krefeld
Theater gestattet Blick unter die Oberfläche

Krefeld: Theater gestattet Blick unter die Oberfläche
Die aktiv Mitwirkenden traten als Animateure in den "Rauminstallationen" auf, die durch das ganze Lokal verteilt waren. Sie trugen weiße Kleidung, FOTO: Lammertz
Krefeld. Das Projekt "Spielraum - Raumspiel" des Kresch-Kreativlabors und der Design-Studenten der Hochschule Niederrhein feierte am Wochenende im leerstehenden Ladenlokal an der Königstraße 81 Premiere - dafür gab's kräftigen Applaus. Von Mojo Mendiola

Das Kresch-Kreativlabor trifft während des Kresch-Sommertheaters auf Studenten des Fachbereichs Design der Hochschule Niederrhein, und gemeinsam realisieren sie in einem leerstehenden Ladenlokal an der Königstraße 81 das Projekt "Spielraum - Raumspiel". Am Freitag war Premiere.

Die aktiv Mitwirkenden traten als Animateure in den "Rauminstallationen" auf, die durch das ganze Lokal verteilt waren. Sie trugen weiße Kleidung, darüber durchsichtige Plastikfolie, auf die mit schwarzem Filzstift ganz anders geschnittene Kleidungsstücke gemalt waren - eine Warnung vor oberflächlicher Betrachtung vielschichtiger Phänomene? Aufgabe der Animateure war es, das Publikum durch die Aufbauten zu führen und jeweils Freiwillige zu rekrutieren, die sich - von den Blicken der anderen meist durch schwarze Textilwände abgeschirmt - den Erfahrungen aussetzten, die da für sie vorbereitet waren und Titel trugen wie "Illusion", "Camouflage", "Traumwelt" oder "Verlust". Da ging es unter anderem um die Veränderungen, die in der Wahrnehmung auftreten, wenn man sie zum Beispiel ganz auf den Tastsinn reduziert und die anderen Sinne vorübergehend ausschaltet. Oder um ein Erlebnis, dass den Begriff "Nachhaltigkeit" sinnlich fassbar machen sollte.

Für alle Gäste gleichzeitig und in gleicher Weise wahrnehmbar, nämlich ungefiltert, waren zwei Spielszenen. Drei zusätzliche Darsteller waren ebenfalls weiß gewandet, aber so, dass sie zunächst wie entrückte Engel wirkten. Doch dann fielen sie in übelster Manier mit obszönen Schimpfworten übereinander her und bestätigten dabei in provokanter Schärfe gängige Vorurteile gegen Türken, gegen Moslems, gegen Deutsche im Allgemeinen und deutsche Frauen im Besonderen. Am Ende erklang jedoch in vielen Sprachen der Satz: "Unter der Haut sind wir alle gleich."

Im "Wohnzimmer" dagegen war wieder die Mitwirkung eines Gastes gefragt. Er wurde auf das Sofa eingeladen, hinter dem zwei Darsteller Musik machten, und sollte Fragen beantworten. Ernste Fragen nach seiner Meinung zu politischen Konflikten wie in Griechenland, der Ukraine und Syrien wechselten mit banalen Fragen zu seinem Konsum-Verhalten. Und dieses Frage- und Antwortspiel ging gänzlich unbeeindruckt weiter, obwohl die Zwei hinter dem Sofa sich urplötzlich eine Schlägerei von solcher Brutalität lieferten, dass dem Publikum ein Aufschrei entfuhr.

Schließlich sollten die Zuschauer wie eine Herde hinter einer Führerin herlaufen - und taten dies auch - nämlich zum Hinterausgang des Lokals auf die Lohstraße hinaus und um das Südende des Häuserblocks herum wieder zum Eingang auf der Königstraße, wo das Spiel sein Ende fand und Spielleiter Franz Mestre die Videokamera einpackte, mit der er das ganze Geschehen gefilmt hatte. Schon durch die Anlage der Erfahrungskette bedingt, nahm jeder Zeuge und Freiwillige ganz individuelle Eindrücke und Interpretationen mit. Applaus spendeten am Ende alle.

Quelle: RP
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