| 16.32 Uhr

Prozess gegen Tierquälerin in Siegburg
Natascha H. muss mehr als zwei Jahre ins Gefängnis

Zirkuspony Mario aus Troisdorf getötet: Natascha H. muss ins Gefängnis
Die Angeklagte im Gerichtssaal mit ihrer Verteidigerin FOTO: Sandgathe
Bonn/Krefeld . Die Frau, die im vergangenen Jahr das Zirkuspony Mario getötet und zerstückelt hatte, gestand die Taten. Am Nachmittag fiel das Urteil: Natascha H. muss für zwei Jahre und vier Monate in Haft. Die Krefelderin leidet unter einer Persönlichkeitsstörung. Von Laura Sandgathe

Zum Beginn des Prozesses hat die Verteidigerin von Natascha H. deren Geständnis vorgetragen. Die Krefelderin gibt zu, das Zirkuspony Mario getötet und ihm anschließend Beine und Kopf abgetrennt zu haben. Außerdem gestand sie die Brandstiftung in zwei Fällen: Am 31. Mai 2015 zündete sie Strohballen in einem Unterstand auf einer Koppel in Troisdorf an und tötete anschließend das Pony. Wenige Tage später hat sie erneut an dem Unterstand Feuer gelegt. Die Anklage lautet auf  "Tötung eines Wirbeltiers ohne vernünftigen Grund" sowie Brandstiftung und Sachbeschädigung in vier Fällen. Das Jugendschöffengericht Siegburg verurteilt Natascha H. zu zwei Jahren und vier Monaten Gefängnis.  

Natascha H. hortete tote Tiere in der Wohnung 

Im Prozess macht die Krefelderin einen sehr schüchternen, fast schon kindlichen Eindruck. Sie schaut die ganze Zeit starr auf den Tisch. Die 20-Jährige selbst will gar nicht sprechen, äußert sich nur über ihre Anwältin. Die Fragen des Gerichts will sie erst nach Vier-Augen-Gespräch mit der Verteidigerin beantworten. Die wichtigste Frage für den Richter und der Staatsanwaltin ist die nach dem Motiv.

Krefeld: Geköpftes Pony: Grausame Spuren nahe der Weide FOTO: Lammertz, Thomas

Noch am Tag des Prozessbeginns ist der Kopf des Ponys Mario verschwunden. Natascha H. hatte ihn nach der Tat versteckt und schweigt seitdem. Der Richter appelliert an die die 20-Jährige: "Es wäre ein gutes Zeichen, wenn Sie sagen würden, wo der Kopf ist. Das ist wichtig, damit bestimmte Personen mit der Sache abschließen können". Er meint damit die Nebenklagerin, die Besitzerin des getöteten Ponys. Sie leidet seitdem unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und träume immer wieder vom Kopf des Ponys, heißt es in den Attesten des Arztes.

Die Angeklagte gibt schließlich zu, dass sie den Kopf im Wald vergraben habe. Der Richter fragt nach, ob das auch die Wahrheit sei, schließlich habe sie schon häufiger falsche Angaben gemacht. Die Polizei soll nun nach dem Kopf suchen. 

Bei einer Durchsuchung in der Wohnung von Natascha H. waren zahlreiche ganze Kadaver oder nur Köpfe von Kleintieren gefunden worden. Teilweise waren sie bereits präpariert, einige hingen an der Wand. In einem Album hatte die Angeklagte Fotos von den abgetrennten und auf einer Holzbank angeordneten Beinen von Pony Mario angelegt. Außerdem hingen an der Wand zahlreiche Tierbilder. 

Ausschluss der Öffentlichkeit beim Gutachten

Ein neues psychiatrisches Gutachten bescheinige der jungen Frau eine "schwere kombinierte Persönlichkeitsstörung", teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft im Vorfeld des Prozesses mit. Die Frau gilt damit als vermindert schuldfähig. Während der Aussage des psychatrischen Gutachters wurde die Öffentlichkeit vom Prozess ausgeschlossen. 

Natascha H. hatte 2013 in Krefeld für Entsetzen gesorgt, weil sie mehrere Schafe und ein Pony getötet und zerstückelt hatte. Dafür wurde sie 2014 zu einer einjährigen Freiheitsstrafe mit Bewährung verurteilt. Während ihrer Bewährungszeit legte sie im Mai 2015 nachts auf einer Koppel in Troisdorf zwei Brände und tötete das Zwergpony "Mario", das dem Zirkus Roncalli gehörte, mit mehreren Messerstichen in Hals und Bauch. Danach schnitt sie Beine und Kopf des Tieres ab.

Die Ermittler kamen Natascha H. einige Tage später auf die Spur, als sie auf derselben Koppel wieder Stroh und Pferdedecken anzündete und dem Halter von "Mario" eine SMS schickte. Die Bewährung ihrer ersten Freiheitsstrafe wurde daraufhin aufgehoben, die 20-Jährige sitzt sie derzeit in Krefeld ab. 

 

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