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Hückelhoven/Wegberg
Flüchtlingsstrom überfordert Behörden

Hückelhoven/Wegberg: Flüchtlingsstrom überfordert Behörden
In der früheren Britenwohnsiedlung Wegberg-Petersholz betreiben das Land NRW eine Erstaufnahmeeinrichtung im Notbetrieb und der Kreis Heinsberg eine Notunterkunft. Insgesamt 543 Plätze für Flüchtlinge stehen dort zur Verfügung. FOTO: JL
Hückelhoven/Wegberg. Der Flüchtlingszustrom bringt die Verantwortlichen im Kreis Heinsberg an ihre Grenzen. Die Stadt Wegberg hat sich wegen der weiteren Zuweisung von Flüchtlingen beschwert. In Hückelhoven plant die Verwaltung neuen Wohnraum. Von Anke Backhaus und Michael Heckers

Seit dem 1. September 2015 betreibt das Land NRW in der ehemaligen Britenwohnsiedlung Petersholz eine Notunterkunft für Flüchtlinge. Der stellvertretende Regierungspräsident Wilhelm Steitz hatte der Stadt Wegberg, die finanziell mit dem Rücken zur Wand steht, versprochen, dass ab diesem Zeitpunkt keine Zuweisungen von Flüchtlingen in die städtischen Unterkünfte erfolgen soll. Doch das ist offensichtlich nicht der Fall: Mit Datum vom 20. Oktober wurden der Stadt Wegberg erneut sieben Flüchtlinge und mit Datum vom 21. Oktober weitere sechs Flüchtlinge zugeteilt. Dabei platzen die städtischen Flüchtlingsheime schon jetzt aus allen Nähten. 263 Menschen sind dort zurzeit untergebracht.

"Gegen die Zuweisung der letzten 13 Flüchtlinge hat sich die Stadt Wegberg bei den Bezirksregierungen in Köln und Arnsberg beschwert", erklärt Wegbergs Erste Beigeordnete Christine Karneth. Der Stadt gehe es nicht nur um die Unterbringung, sondern auch um die Finanzierung der zusätzlich zugewiesenen Flüchtlinge. Von den Bezirksregierungen sei zu hören gewesen, dass die freigegebenen Plätze der Zentralen Unterbringungseinrichtung des Landes NRW im Notbetrieb und des Kreises Heinsberg in Wegberg-Petersholz intern den zuweisenden Stellen noch nicht vorgelegen haben. Im Klartext: die Zuweisung in die städtischen Unterkünfte erfolgte, weil die interne Kommunikation bei den Bezirksregierungen nicht funktioniert hat. "Es kann doch nicht sein, dass es auf unsere Stadt zurückfällt, wenn die Bezirksregierung nicht in der Lage ist, rechtzeitig ihren Posteingang zu prüfen. Wer trägt denn jetzt die Kosten für die 13 zusätzlich zugewiesenen Flüchtlinge?", sagt CDU-Fraktionschef Georg Gellissen.

Karneth weist auch darauf hin, dass nicht nur die Kapazitätsgrenze in den städtischen Unterkünften mittlerweile "mehr als erreicht" worden sei, sondern auch die der handelnden Mitarbeiter der Verwaltung im Fachbereich Bildung und Soziales.

Auch in Hückelhoven ändert sich die Lage täglich. Wie Thorsten de Haas, der künftige Leiter des Sozialamtes der Stadt Hückelhoven in der Sitzung des Ausschusses für Soziales, Senioren und Integration sagte, komme jeder 416. Flüchtling in NRW nach Hückelhoven. "Wir sind massiv darauf angewiesen, leerstehenden Wohnraum angeboten zu bekommen", erklärte er. Aktuell habe die Stadt bereits 35 Wohnungen aus privater Hand zur Unterbringung der Flüchtlinge angemietet - Tendenz natürlich steigend. Erster Beigeordneter Helmut Holländer fügte hinzu: "Auf Dauer sieht es so aus, dass neuer Wohnraum errichtet werden muss." Konkret hat Hückelhoven das Problem, vor allem Einzelpersonen unterzubringen. Darum denkt die Stadt nach wie vor darüber nach, das Haus der Begegnung in Ratheim für maximal 24 Personen vorzubereiten.

Zurück zum neuen Wohnraum: Für den Haushalt des Jahres 2016 plant Helmut Holländer, zugleich auch der Kämmerer der Stadt, Mittel in Höhe von 2,1 Millionen Euro ein. Geprüft werden derzeit geeignete Standorte in den Ortsteilen Baal, Brachelen, Doveren, Hilfarth und Ratheim. Konkret fündig geworden ist die Stadt noch nicht. Dennoch beschlossen die Mitglieder des Sozialausschusses schon jetzt, dem Rat der Stadt Hückelhoven zu empfehlen, an noch festzulegenden Standorten Mehrfamilienhäuser mit sechs bis acht Wohnungen zu errichten. Gespräche mit einem Architekturbüro haben bereits stattgefunden.

Die Hückelhovener Stadtverwaltung hat unterdessen den Plan verworfen, auf dem städtischen Grundstück an der Rheinstraße 105 (in unmittelbarer Nähe zum DRK-Haus) ein Wohnheim in Holzbauweise für bis zu 50 Personen zu bauen. Stattdessen, und das unterstrich Beigeordneter Helmut Holländer in der Ausschusssitzung, wird die Stadt Hückelhoven in Baal eine Gewerbehalle kaufen und diese dann für neu ankommende Flüchtlinge herrichten.

Quelle: RP
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