| 00.00 Uhr

Radsport
24-Stunden-Schinderei endet auf Podest

Radsport: 24-Stunden-Schinderei endet auf Podest
Völlig erschöpft: Nach 24 Stunden Schinderei stieg Daniel Lambertz als Dritter der Mountainbike-Weltmeisterschaft vom Rad. FOTO: MAREN SCHINK
Erkelenz. Radsport: Erkelenzer auf dem Podium bei der 24-Stunden-Mountainbike-Weltmeisterschaft. Daniel Lambertz erkämpft sich auf dem extrem schweren Rundkurs im italienischen Finale Ligure den dritten Platz in seiner Altersklasse. Von Hendrike Gierth

Auch Tage später kann Daniel Lambertz es immer noch nicht fassen: "Es ist eine Mischung aus völliger Leere und Müdigkeit gepaart mit immer wieder über mich hereinbrechenden Momenten des absoluten Wahnsinns - Gänsehaut pur." Und dieser Gefühlszustand dürfte wohl nicht überraschen: Für den Tenholter hat sich die ganze Schinderei der letzten Wochen und Monate gelohnt. Der 34-Jährige wurde bei der 24-Stunden-Mountainbike Weltmeisterschaft im italienischen Finale Ligure nach über 250 Kilometern und 7000 Höhenmetern Dritter seiner Altersklasse hinter dem neuen Weltmeister Elias van Hoeydonck (Belgien) und Peter Piazza (Italien). "Ich kann mein Glück noch immer nicht in Worte fassen", sagt Lambertz.

Vor der Freude stand allerdings eine unglaubliche Leistung des Willens und des Körpers: 325 Höhenmeter auf 9,7 Kilometer Streckenlänge und ein Schwierigkeitsgrad, der seines gleichen sucht - das waren die Zutaten für die Mountainbike-WM. "Der Mountainbike-Kurs war einer Weltmeisterschaft würdig", sagte Lambertz, "die schweren Trails und toughen Downhills verlangten stetige Aufmerksamkeit." Hinzu kam eine einmalige - bisher im MTB-Sport noch nie erlebte Atmosphäre der Tifosi, mit dem Höhepunkt Runde für Runde bei der Durchfahrt durch das Toboga Stadion.

Viele Fahrer mussten ihr Fahrrad die steilen Rampen des Rundkurses hinaufschieben - Daniel Lambertz blieb im Sattel. FOTO: ANSGAR GIRSIG

Der 34 Jahre alte Erkelenzer kam gut ins Rennen und setzte die mit Trainer Lukas Naegle besprochene Strategie prima um. Am Streckenrand sorgten Schwester Christina und Freund Johannes für die Kontrolle der Ernährungsstrategie, das zweite wichtige Zünglein an der Waage. Teammanager Ansgar Girsig aus Niederkrüchten sorgte für die schnelle Behebung technischer Defekte, wie das Austauschen der Sattelstütze in Runde sieben, was gerade einmal 45 Sekunden in Anspruch nahm, Ehefrau Jennifer und Tochter Lilia unterstützen Lambertz mental.

In den ersten zehn Stunden des Rennens fuhr Daniel Lambertz konstante Rundenzeiten um 40 bis 42 Minuten, je nachdem wie der Verkehr auf den vielen Engstellen es erlaubte. Nach dem ersten Drittel lag Lambertz auf Platz fünf und damit absolut im Soll seines Top-Ten-Ziels. Die ersten sieben Fahrer waren zu diesem Zeitpunkt noch in der gleichen Runden und lieferten sich auf dem schweren Kurs zum Teil atemberaubende Duelle.

Bei der Siegerehrung (v.l.): Peter Piazza, Elias van Hoeydonck und Daniel Lambertz aus Erkelenz. FOTO: Maren Schink

Auf den schweren Abfahrten fuhr Daniel Lambertz dank guter Fahrtechnik immer wieder wertvolle Zeit heraus - Zeit, die er in den schweren mit bis zu 23 Prozent steilen Rampen anfangs sparen konnte. Mit Beginn der Dunkelheit begann dann das große Leiden im Fahrerfeld: Der extrem schwere Kurs forderte viel Kraft von den Fahrern. Auch Lambertz litt Runde um Runde, konnte aber in der ersten Hälfte der Nacht mit Rundenzeiten um 50 bis 55 Minuten auf den Franzosen und Italiener vor ihm aufschließen.

Während Lambertz bergauf weiter Energie sparte und an den steilen Rampen meistens geschoben wurde, attackierte Lambertz in den Abfahrten. "Wenn ich schneller runter fahre, tut es weniger lang weh", erklärte Lambertz seine Strategie - und die Taktik ging auf: Lambertz arbeitete sich in der Nacht von Platz fünf auf vier vor. Während er alles daran setzte die Top-5-Platzierung abzusichern, hatte das Team andere Pläne und berechnete die Abstände zum Podium. In den Morgenstunden hatte sich der Erkelenzer auf Platz drei vorgearbeitet, die Botschaft führte aber nicht zum Push. "Setzt mich doch nicht noch mehr unter Druck", gab Lambertz als Antwort auf die Info, dass er auf Platz drei lag, "körperlich und mental war ich zu dieser Zeit völlig neben der Spur." Der Erkelenzer benötigte gleich zwei extrem langsame Runden, um wieder halbwegs in den Rhythmus zu kommen. Trotzdem vergrößerte sich der Abstand zu Rang vier und fünf, denn die anderen Fahrer hatten ebenfalls keine Reserven für eine Attacke am frühen Morgen. Die letzten Stunden quälte sich Lambertz dann nur noch um den Kurs und verteidigte Rang drei und den Podestplatz auf dem WM-Treppchen letztlich souverän. Nach 27 Runden, 270 Kilometer und 7000 Höhenmetern erreichte der 34-Jährige überraschend das Podium bei der 24-Stunden-Mountainbike-Weltmeisterschaft.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Radsport: 24-Stunden-Schinderei endet auf Podest


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.