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Wassersport
Barfuß übers Wasser

Wassersport: Barfuß übers Wasser
Hückelhoven. Pablo Adolph hat bei der Barfuß-Wasserski-EM den vierten Platz erreicht. Kraft, Ausdauer und Leidensfähigkeit trainiert der talentierte Hückelhovener regelmäßig im Trainingslager in Florida. Von Jessica Balleer

Wie zehntausend kleine Nadelstiche muss sich das anfühlen: Pablo Adolph fährt nicht bloß Wasserski. Wenn der Hückelhovener mit 72 Kilometern pro Stunde über das Wasser gezogen wird, geschieht das auf nackten Sohlen. Barefoot heißt die Disziplin, die aus Amerika stammt und in der der 14-jährige Pablo eines der größten Nachwuchstalente in ganz Europa ist. Sein vierter Platz bei der Barfuß-Wasserski-EM in England ist der jüngste Beweis dafür.

Das Finale im südenglischen Lydd wurde zur Geduldsprobe. Die ersten Tränen waren bei Pablo schon geflossen, weil bereits zwei schmerzhafte, vor allem aber enttäuschende Fehlversuche beim Sprung über die Wasserrampe standen. Die letzte von drei Disziplinen hing am seidenen Faden - und mit ihr die EM-Träume von Vater und Sohn: "Der Moment vor dem letzten Versuch hat mich Jahre meines Lebens gekostet", sagt Reiner Adolph. Im dritten Versuch aber behält Pablo nicht nur die Nerven, mit einer Weite von 7,20 Metern gelingt dem 14-Jährigen sogar eine persönliche Bestleistung. Auch dank der ersten beiden Disziplinen, die nahezu perfekt gelaufen waren: In der Trick- und der Slalomwertung hatte er die jeweils 15 Sekunden genutzt, um die Jury von seinem Können zu überzeugen. Einbeinig und freihändig fahren, einen Fuß in die Schlaufe der Seilbahn hängen oder Wellen kreuzen, all das, was er in den vergangenen Monaten so intensiv trainiert hatte, konnte er abrufen.

Die besten Wasserskiläufer aus acht europäischen Ländern hatten sich in Lydd getroffen, um ihre Meister zu ermitteln. Trotz der Internationalität kennt man sich in der Szene, vor allem durch Treffen im Mekka des Barefoot: Das World-Barefoot-Center in Winter Haven in Florida ist der beste Trainingsort für ambitionierte Barfußfahrer. Pablo Adolph war bereits sechs Mal in Amerika, um von den Besten zu lernen. Seit zwei Jahren fährt er leistungsorientiert Barfuß-Wasserski. Das zeigt sich auch in seinem Trainingspensum: Jedes Wochenende fährt Vater Reiner Adolph mit ihm zum Training bis nach Treis-Karden an der Mosel. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) unterstützt den 14-Jährigen ebenfalls. Die Barfuß-Wasserski-Saison geht zwar von März bis Herbst, doch durch die Förderung trainiert Pablo Adolph auch im Winter gezielt mit einem eigenen Krafttrainer.

Wo jede Unkonzentriertheit zum Gleichgewichtsverlust führt, ist körperliche und mentale Fitness gefragt. Denn jeder Sturz tut weh. Aber das nimmt der Hückelhovener in Kauf, weil sein Ehrgeiz stärker ist, als der Schmerz: Im kommenden Jahr will er über die Europameisterschaft direkt zur Weltmeisterschaft nach Wisconsin fahren. Dafür härtet er sich ab und trainiert die Feinheiten, bis die Sohlen anfangen zu glühen.

Quelle: RP
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