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Vermisste Frau aus Süsterseel
Schicksal von Dorota noch ungeklärt

Vermisste Dorota aus Süsterseel: Schicksal von junger Mutter noch ungeklärt
FOTO: POLIZEI (ARCHIV)
Kreis Heinsberg. Ein Jahr ist es am Mittwoch her, dass in Süsterseel eine junge Mutter spurlos verschwand. Anfang September wurde noch einmal nach der 29 Jahre alten Dorota Galuszka-Granieczny gesucht - wieder ohne Erfolg. Von Gabi Laue

Am 18. Oktober 2016 verließ die damals 29-jährige Dorota Galuszka-Granieczny laut Ehemann gegen 23 Uhr das gemeinsame Haus in Selfkant-Süsterseel - und verschwand spurlos. "Fall ungelöst" ist der aktuelle Stand bei der Staatsanwaltschaft Aachen. Die Polizei hatte wenige Tage nach Vermisstenanzeige ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts eingeleitet und eine Mordkommission gebildet. Doch alle Suchaktionen mit Hunderten deutschen und niederländischen Polizisten beidseits der Grenze, mit Tauchern und Leichenspürhunden führten ins Leere, alle Hinweise sind abgearbeitet. Bis heute ist für Mutter und Schwestern der Verschwundenen und vor allem für ihren jetzt achtjährigen Sohn die quälende Frage offen: Wo ist Dorota?

Ersten Ermittlungen zufolge hatte die junge Frau einen Freund in der Nähe von Amsterdam, der wie sie aus dem polnischen Radlin stammte. Ihren Mann wollte sie mit Kind verlassen. In einer SMS an eine Schwester soll Dorota einen Streit darüber beschrieben haben. Dann war sie für niemand mehr erreichbar. Nach Angaben des Mannes ging sie aus dem Haus an der Annastraße, trug dunkelblaue Jeans, schwarze Lederjacke und schwarze Schuhe mit hohem Absatz. Ohne Tasche, Brille und Handy.

Polizei suchte bereits im November nach Dorota FOTO: Christoph Reichwein

Verfahren gegen Ehemann eingestellt

Dass die junge hübsche Mutter, die Freunde als herzlich, freundlich, hilfsbereit und optimistisch beschreiben, freiwillig gegangen sein soll, schließt ihre Familie aus. Sollte sie ihren kleinen Sohn, der nach Aussage einer Schwester ihr "Augenstern" war, im Stich gelassen haben? Niemals, sind Angehörige überzeugt. Bald glaubten auch die Ermittler nicht mehr daran, Dorota lebend zu finden. Anfang November wurde das Wohnhaus akribisch durchsucht, der Ehemann der Vermissten als Beschuldigter wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts festgenommen und verhört, am gleichen Tag aber wieder entlassen. Das Verfahren gegen ihn ist im April eingestellt worden, so Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts.

Süsterseel - der Ort, aus dem Dorota verschwand FOTO: Christoph Reichwein

Verwandte reisten aus Bayern an, verteilten Suchplakate mit dem Foto der langhaarigen Blonden - sie hängen bis heute in Süsterseel. Ein Hellseher gab einen Hinweis zu einem möglichen Fundort im Meinweggebiet, hier suchten Freiwillige aus Wegberg. Privatleute und Polizei durchkämmten leer stehende Gebäude und Wälder, Mitte Dezember gab es eine Suchaktion im niederländischen Koningsbosch, in einem Gelände mit Kalksteinwerk, Seen und Wald - alles vergeblich.

Dorotas Familie gibt die Hoffnung noch nicht auf

Weil es keine Spuren und Hinweise mehr gab, stellte die Staatsanwaltschaft im März die Ermittlungen ein. Im Mai organisierten Freunde und Familie von Dorota ein Benefizkonzert in Heinsberg, um mit dem Erlös weitere Suchmaßnahmen, einen Detektiv und eine selbst engagierte Hundestaffel zu finanzieren. Ein neuer Hinweis ließ die Ermittlungen Anfang September aufleben. "Die Familie ist sehr rührig. Sie hatte einen privaten Spürhund, der auch für die niederländische Polizei als Leichenspürhund tätig ist, ein Grundstück absuchen lassen, und der Hund hat angeschlagen", so die Oberstaatsanwältin. Mit Durchsuchungsbeschluss nahm die deutsche Polizei mit eigenem Spürhund die Suche auf der Brachfläche auf, untersuchte das Erdreich. Diesmal schlug der Hund nicht an. Ergebnis: "Die Vermutungen konnten sich nicht bestätigen lassen." Erneut wurde das Verfahren am 18. September eingestellt, wird aber aufleben, sollten sich neue sachdienliche Hinweise auf Dorotas Verbleib ergeben.

Polizei-Hundertschaft sucht nach der vermissten Dorota

Bis jetzt gibt es weder ein Lebenszeichen noch eine Leiche. Bleibt der Fall ungelöst? Katja Schlenkermann-Pitts beteuert, man habe "alles ausgeschöpft, was man tun kann", aber: "Der Sachbearbeiter hat den Fall nicht völlig ad acta gelegt. Nichts ist unmöglich."

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Quelle: RP