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Langenfeld/Monheim
Schulleiter lehnen G9-Abitur ab

Langenfeld/Monheim: Schulleiter lehnen G9-Abitur ab
Dr. Hagen Bastian leitet das Monheimer Otto-Hahn-Gymnasium. Wie andere Schulleiter findet er, dass sich das Abitur nach acht Jahren Gymnasiumszeit (G 8) bewährt habe. FOTO: Ralph Matzerath
Langenfeld/Monheim. Stephan Wippermann-Janda (KAG Langenfeld) und Hagen Bastian (OHG Monheim) sind gegen Vorstoß der Landes-SPD. Von Stephan Meisel

Der Vorstoß der SPD, an Gymnasien in NRW das Abitur nach neun Jahren (G9) wieder zu ermöglichen, kommt bei den heimischen Rektoren nicht gut an. Eine Rückkehr zu G9 durch die anvisierte Wahlfreiheit für Gymnasiasten zwischen der Reifeprüfung nach neun oder acht (G8) Jahren hätte nach Ansicht von Dr. Stephan Wippermann-Janda "ein katastrophales organisatorisches Durcheinander zur Folge".

Der Leiter des Langenfelder Konrad-Adenauer-Gymnasiums (KAG) geht davon aus, dass sich die schwierige Personalsituation, "die ohnehin immer am Limit ist, dann weiter verschärfen würde".

"G8 an Gymnasien und G9 in Gesamtschulen: Das funktioniert gut", sagt Stephan Wippermann-Janda. FOTO: Stephan Meisel

Auch am Monheimer Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) hält Rektor Dr. Hagen Bastian wenig von dem SPD-Vorstoß. "G 8 hat sich bewährt und bei den Abiturienten zu noch besseren Ergebnissen geführt." Das zeige sich nicht nur an der hohen Zahl von zuletzt 73 OHG-Absolventen mit einer Eins vor dem Komma (darunter achtmal die 1,0), sondern bei einer Abi-Durchschnittsnote von zuletzt 2,2 am OHG auch in der Breite. Bastian hält die von der Landes-SPD vorgeschlagene Verlängerung der Sekundarstufe I für alle Gymnasiasten bis einschließlich Klasse zehn für fragwürdig. Im Falle des G8-Abis würde sich die nach Bastians Worten bewährte dreijährige Oberstufe auf zwei Jahre verkürzen. "In den letzten beiden Jahren zählt für die angehenden Abiturienten jede Leistung." Den abrupten Übergang hält der OHG-Leiter für ungut. Zudem sei Ärger vorgezeichnet, wenn die Schulkonferenz einem Zehntklässler mit Dreier- oder Viererschnitt das geplante Orientierungsjahr nahelegt, dieser aber in seinem Klassenverband bleiben möchte. "Wer entscheidet dann: Lehrer, der Schüler, seine Eltern...?"

Nach Wippermann-Jandas Worten gibt es zwar gute Gründe sowohl für ein Abitur nach acht wie auch nach neun Jahren, doch sei die von der Landes-SPD beabsichtigte Wahlfreiheit aktuell ja gegeben. "Unser System von G8 und G9 nebeneinander in Gesamtschulen und Gymnasien funktioniert überaus gut. Wer acht Jahre braucht, meldet sein Kind am Gymnasium an, wer neun Jahre braucht, an der Gesamtschule oder am Berufskolleg. Auch die Durchlässigkeit ist gegeben durch die gymnasiale Oberstufe für Realschulabsolventen."

Der KAG-Rektor bestreitet die von der Landeselternschaft an G8 kritisierte Verdichtung des Unterrichtsstoffs und den damit verbundenen Druck auf die Gymnasiasten. Wippermann-Janda bestätigte in diesem Zusammenhang aus eigener Erfahrung einen Bericht in unserer Zeitung zum Thema Anmeldungen der Klasse 5 auf Gymnasien und Elternwille. "Immer mehr Eltern melden ihre Kinder ohne reine Gymnasialempfehlung an, bei uns sogar zweistellig mit Realschulempfehlung. Dies führt bei G8 natürlich zu einem hohen Prozentsatz zum Scheitern der armen Kinder - auch bei bester individueller Förderung."

Ähnliche Kritik gegen den Vorstoß der SPD-Landespolitiker äußerten bei einer Umfrage unserer Zeitung auch andere Gymnasiumsleiter im Kreis Mettmann. "Eine Rückkehr zu G9 wäre eine systemische Katatstrophe", meint etwa Hans Gruttmann vom Erkrather Gymnasiums am Neandertal. Seine Schule sei eine der ersten gewesen, die in den gebundenen Ganztag eingestiegen ist. Darüber hinaus habe man mit den Schülern und Eltern tragbare Modelle entwickelt, um die Hausaufgaben auf einem erträglichen Niveau zu halten. Auch Joachim Busch vom Wülfrather Gymnasium ("Wir würden lieber beim G8 bleiben und die bestehenden Strukturen optimieren") und Rudolf Kirschner (Konrad-Heresbach-Gymnasium Mettmann) sind dagegen, an ihren Schulen wieder die Tür zum G 9-Abi zu öffnen.

Quelle: RP
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