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Leichlingen
Politiker-Besuch in Flüchtlingsunterkunft

Leichlingen: Politiker-Besuch in Flüchtlingsunterkunft
Mitglieder des Ausschusses für Strategie, Soziales und Kultur besichtigten vor ihrer Sitzung die Flüchtlings-Unterkunft in Bennert und nahmen gemischte Eindrücke von den Zuständen mit. FOTO: U. Miserius
Leichlingen. Der Sozialausschuss will eine Steuerungsgruppe für Maßnahmen zur Betreuung noch nicht anerkannter Asylbewerber. Von Ina Bodenröder und Peter Korn

35 Flüchtlinge, meist männliche Einzelpersonen, leben zurzeit in der Unterkunft in Bennert. Der Ausschuss für Strategie, Kultur und Soziales (SKS) machte sich jetzt kurz vor seiner Sondersitzung vergangene Woche bei einem Ortstermin ein Bild von den Umständen in dem Gebäude.

Die Politiker wurden dabei in eine Wohnung geführt, die zurzeit unbewohnt ist und renoviert wird. Sie steht sinnbildlich dafür, wie unterschiedlich sich die Wohnverhältnisse in dem Haus darstellen. Je nach Belegung, so heißt es, seitens der Stadt, könne man in den Wohnungen "vom Fußboden essen" oder habe unappetitlichere Verhältnisse. Auch die Situation im Keller, der gerne mal als Müllabladeplatz missbraucht wird, kam zur Sprache. Insgesamt zeigte sich jedoch, dass die Unterkunft allen Gästen einen vernünftigen Standard bietet.

In einer Sondersitzung beschloss der Ausschuss anschließend einstimmig, eine übergeordnete Steuerungsgruppe für sämtliche Maßnahmen zur Betreuung und Integration noch nicht anerkannter Asylbewerber in Leichlingen zu bilden.

In diesem Gremium sind der Ökumenische Arbeitskreis Migration ebenso vertreten wie der Integrationsrat, der Jugendmigrationsdienst, die Stadtverwaltung und der SKS. Die SPD hatte in einem Antrag zur Sondersitzung die Organisation zentraler Anlaufstellen, eine gelebte Willkommenskultur, die Intensivierung von Sprachkursen, die Schaffung legaler und freiwilliger Beschäftigungsmöglichkeiten und Hilfestellung für die Flüchtlinge im Alltag gefordert. Deutlich wurde in der Diskussion einmal mehr, dass in Leichlingen zahlreiche Bürger leben, die sich der Menschen bereits annehmen, beispielsweise im Ökumenischen Arbeitskreis Integration.

"Wir haben viele Sprachpaten, die mit den Asylbewerbern in regelmäßigen Treffen Deutsch sprechen und üben", berichtete dessen Vorsitzender Heinrich Witprächtiger. Mittlerweile stünden für diese Angebote Räume im Bürgerhaus sowie in den Kirchengemeinden zur Verfügung. Auch das gemeinsame Singen im Migrantenchor werde gut angenommen. Die Ehrenamtler begleiten die Flüchtlinge zu Ärzten und Ämtern und stellten Kontakt zu örtlichen Vereinen her. Als Nächstes stehen unter anderem Kunstprojekte auf dem Programm, im Jugendzentrum wollen sich Pfadfinder und Jugendliche um den Aufbau einer Spielgruppe bemühen.

Problematisch sind nach wie vor die sinnvolle Beschäftigung und die Finanzierung von Sprachkursen der noch nicht anerkannten Asylbewerber. "Die Menschen haben mir gesagt, dass die Langeweile das größte Problem für sie ist", sagte Michael Altmeyer-Lange (SPD). Dass die Möglichkeit zur legalen Arbeit während des Asylverfahrens seit 1. März besser seien, unterstrich Sozialamtsleiter Ulrich Conrads.

Der Ausschuss erteilte der Stadtverwaltung deshalb den Auftrag, die Voraussetzungen zu prüfen, unter denen für die Asylbewerber Beschäftigungsmöglichkeiten auf ehrenamtlicher oder Ein-Euro-Basis geschaffen werden können. Hinterfragen wird die Steuerungsgruppe zukünftig auch, ob sich die Stadt an der Finanzierung von Sprachkursen für die Asylbewerber beteiligen kann. Bislang fallen beispielsweise für zertifizierte Volkshochschulkurse 1,20 Euro pro Stunde an, die die Teilnehmer aber nicht bezahlen können.

Bereits in dieser Woche erwartet Ulrich Conrads sechs neue Flüchtlinge aus Nigeria, Guinea, Syrien und Albanien in Leichlingen. Damit stiege ihre Gesamtzahl auf 156. Eine erste Gruppe hat mittlerweile das von der Stadt angemietete Haus in der Montanusstraße bezogen. Dadurch können Räume in der Flüchtlingsunterkunft in Bennert saniert werden.

Die Renovierung des Hauses in der Friedensstraße beginnt am 7. April.

Quelle: RP
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