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Leverkusen/Dormagen
Flüchtlinge im Bullenkloster? In Dormagen geht's

Leverkusen/Dormagen: Flüchtlinge im Bullenkloster? In Dormagen geht's
Von Covestro zur Verfügung gestellt: Das alte Wohnheim in Dormagen steht den Flüchtlingen zur Verfügung. FOTO: Anja Tinter (Archiv)
Leverkusen/Dormagen. Sanierungsstau, Seveso-Richtlinie - das alles hat die neue Bayer-Tochter Covestro in Dormagen nicht davon abgehalten, ein ehemaliges Mitarbeiter-Wohnheim für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. In Leverkusen winkt Bayer dagegen weiter ab. Von Peter Korn

Am vergangenen Freitag um 18.06 Uhr meldete die Stadt "betriebsbereit". Soll heißen: Für bis zu 200 Flüchtlinge stehen nun Wohnungen im so genannten "Bullenkloster" bereit - einem Hochhaus, in dem bis vor acht Jahren noch Mitarbeiter der Bayer AG wohnten. Seitdem stand es leer.

Laut Bayer nicht mehr bewohnbar: Das ehemalige Wiesdorfer Bayer-Wohnheim ("Bullenkloster") bleibt für Flüchtlinge keine Option. FOTO: uwe miserius

Dabei standen eigentlich zwei große Stolpersteine im Weg, die eine Umsetzung schwierig bis unmöglich erscheinen ließen: zum einen die so genannte Seveso Richtlinie, die einen Mindestabstand bestimmter publikumsintensiver Gebäude zu Störfall-anfälligen Betrieben vorschreibt, zum anderen der sanierungsbedürftige Zustand des Gebäudes. Die Hindernisse wurden jedoch im Zusammenwirken zwischen der neuen Bayer-Tochter Covestro, die nun für das Haus zuständig ist, der Stadtverwaltung und der Politik aus dem Weg geräumt.

Also alles eitel Freude: nur leider nicht in Leverkusen. Der geschilderte Fall bezieht sich nämlich auf Dormagen - ebenfalls ein Bayer-Standort, ebenfalls mit einem "Bullenkloster"-Wohnheim versehen, ebenfalls mit öffentlichem Wunsch, dort Flüchtlinge unterzubringen, aber eben mit einer Lösung.

Die bleibt in Leverkusen weiterhin ein Wunschtraum: Denn während in Dormagen Dusch-Container und Dixi-Toiletten aufgestellt wurden, weil die Wasserversorgung des Gebäudes noch nicht vernünftig wiederhergestellt werden konnte, gilt das marode Leitungsnetz in Leverkusen als Argument, überhaupt erst gar keine Flüchtlinge ins "Bullenkloster" einziehen zu lassen.

Während in Dormagen das "Bullenkloster" als Bestandsschutz-würdig erklärt wurde, um es vor der Seveso-Richtlinie zu schützen, wird gerade diese in Leverkusen stets als Hauptargument herangezogen, wenn es darum geht, zu erklären, dass ein Einzug von Flüchtlingen unmöglich ist. Dabei muss man wissen, dass das "Bullenkloster" in Dormagen inzwischen zu Covestro gehört, das Ex-Wohnheim mit dem gleichen Namen in Leverkusen aber immer noch von der Bayer Holding betreut wird. Warum, das ist ebenso unklar wie die Antwort auf die Frage, warum weder der Leverkusener Stadtrat noch unsere Redaktion mit der Bitte bisher Erfolg hatten, sich das Leverkusener "Bullenkloster" einmal von innen ansehen zu dürfen.

Ein NRW-Sprecher von Covestro ließ sich gestern immerhin zu der Aussage bewegen, die Fälle in Dormagen und Leverkusen seien nicht vergleichbar. In Dormagen habe unmittelbar gehandelt werden müssen: Der Rhein-Kreis Neuss war von der Bezirksregierung aufgefordert worden, binnen weniger Tage eine Unterkunft für 200 weitere Flüchtlinge zur Verfügung stellen. Die, so der Covestro-Sprecher, sei aber ebenfalls nur für kurze Zeit notwendig, bevor die Asylsuchenden auf andere Städte verteilt würden. Diese Gegebenheiten hätten schnelles und entschlossenes Handeln für einen kurzen Zeitraum notwendig macht. Doch auch in Leverkusen sucht das Land nach vorübergehenden Unterkünften. Die Stadt plant gar eine Zeltstadt im Bereich Auermühle. Liegt es also nur an der Weigerung von Bayer? Oder war für die Stadt vielleicht auch die Kostenfrage entscheidend? Baudezernentin Andrea Deppe war gestern unterwegs und für eine Stellungnahme noch nicht zu erreichen.

Quelle: RP
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