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Leverkusen
Heimat heißt Sicherheit und Wohlgefühl

Leverkusen: Heimat heißt Sicherheit und Wohlgefühl
Gabriele Pelzer (69) mag den Rhein und die Wupper und deshalb auch die Schiffsbrücke. FOTO: Miserius, Uwe (umi)
Leverkusen. Eine Frau und zwei Männer erzählen, welche Rolle Leverkusen bei ihrem Heimatgefühl spielt. Von Susanne Genath

Für Tim Feister steht ganz klar fest, wo seine Heimat ist: "Das ist mein Zuhause, wo meine Familie wohnt und wo ich mich sicher und geborgen fühle", sagt der 37-Jährige. Und meint damit: Schlebusch. "In Schlebusch bin ich geboren, zur Schule gegangen, und hier wohne ich. Mit dem Dorf verbindet mich sehr viel." Nicht nur zahlreiche Erinnerungen. "Wenn ich durch die Fußgängerzone gehe, spüre ich sofort das besondere Flair, das Dörflich-Familiäre", schwärmt der Familienvater. "Man kennt die schönen Ecken - und man ist froh, so etwas haben zu können."

Denn Feister leitet den Malteser Hilfsdienst in Leverkusen und kümmert sich um die Unterbringung von Flüchtlingen. "Wenn man die Geschichten dieser Menschen hört, die vor Krieg geflüchtet sind und alles verloren haben, macht man sich viele Gedanken", sagt der 37-Jährige.

Er erzählt von einer zehnköpfigen Familie, die in Syrien eine Farm besaß und wohlhabend war, bis die IS-Terroristen kamen und die Angestellten köpften. "Die Familie konnte gerade noch rechtzeitig fliehen", sagt Feister. "Da kann man über manches vermeintliche Problem hier bei uns nur lachen. Wir haben immerhin Frieden und leben in Sicherheit. Ich danke dem lieben Gott, dass ich so ein gutes Leben habe."

Gabriele Pelzer wurde in Bergisch-Gladbach geboren und lebt mittlerweile in Dormagen. Die Heimat ist für sie aber ebenfalls Leverkusen, und zwar Bürrig. "Dort bin ich verwurzelt und habe meine Kindheit und Jugend verbracht", erklärt die Geschäftsführerin des Fördervereins "Schiffsbrücke Wuppermündung".

Ganz besonders seien ihr die Streifzüge Mitte der 1950er Jahre rund um die Mülldeponie in Erinnerung geblieben. "Das war ein riesiger Berg mit vielen bunten Farben, ein richtiger Abenteuerspielplatz." Allerdings ein gefährlicher. "Dort lagerten nicht nur Chemieabfälle, sondern auch Hinterlassenschaften aus dem Krieg." Ein Kind sei dort von einer Handgranate getötet worden. "Unsere Eltern haben uns danach zur Raison gebracht, und uns verboten, dort hinzugehen. Aber in der Kämpe haben wir viel getobt."

An Leverkusen schätze sie die Nähe zum Wasser. "Meine Mutter kam von der Ostsee in Pommern. Und ich liebe den Rhein, die Wupper, die Dhünn und ihre Schiffe", sagt die 69-Jährige. Die Wandertage mit der Schule entlang der Flüsse, das sei immer ein ganz besonderes Erlebnis gewesen. "Vermutlich liegt mir deshalb die Schiffsbrücke so sehr am Herzen."

In Leverkusen wandele sich durch die zahlreichen Zugereisten sehr viel. "Die Gefahr, dass der frühere Charakter der Stadt verloren geht, ist größer als in anderen Städten", sagt Pelzer.

Toni Blankerts' Heimat liegt in Opladen. "Da bin ich geboren und aufgewachsen", sagt der 79-Jährige. "Heimat ist für mich der Ort, wo ich mich Zuhause fühle, Familie, Freunde und Bekannte treffe und mich engagiere." Und ein Gut, das zu schützen sei, zum Beispiel durch die Pflege der Muttersprache und des Brauchtums. "Karneval vermittelt für mich auch ein Heimatgefühl und ist höchst integrativ", erklärt der Ex-Senatspräsident des Komitees Opladener Karneval und Vorsitzende des Verkehrs- und Verschönerungsvereins.

Darüber hinaus sei das Deutsche Rote Kreuz für ihn eine Heimat geworden, dem er seit 55 Jahren angehöre. "Unter meiner Aktivität sind das Altenzentrum an der Düsseldorfer Straße und Kindergärten entstanden", sagt Blankerts.

Er selbst fühlt sich insbesondere im Ludwig-Rehbock-Park wohl. "Ich bin zwar in Opladen-Neustadt geboren. Aber schon als Kinder haben wir in dieser grünen Oase getobt und sind in der Wupper geschwommen, die damals noch einen kleinen Wasserfall hatte", erzählt er.

Quelle: RP
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