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Leverkusen
Kurzfilm zeigt Hilfe für Sexualopfer

Leverkusen: Kurzfilm zeigt Hilfe für Sexualopfer
Duschen nach der Tat beseitigt Spuren, die zunächst anonym gesichert werden könnten. Ein Kurzfilm, der das Thema aufgreift, läuft jetzt in den Kinos. FOTO: Lauris
Leverkusen. Viele vergewaltigte Frauen behalten das Erlebte für sich. Ein Film soll die anonyme Spurensicherung bekannt machen. Von Susanne Genath

Schätzungen zufolge werden rund 1600 Frauen in Leverkusen jedes Jahr Opfer von sexueller Gewalt. "Im vergangenen Jahr wurden aber nur 25 Fälle von Vergewaltigung angezeigt", berichtet Andrea Frewer vom Frauennotruf. Häufiges Problem: die Tat vor Gericht zu beweisen. "In der Regel gibt es ja keine Zeugen." 2015 wurde in Leverkusen deshalb die "Anonyme Spurensicherung nach Sexualstraftat" (ASS) für Frauen eingeführt. Vergewaltigungsopfer können sich jetzt nach der Tat direkt ans Klinikum oder St.-Remigius-Krankenhaus wenden, Spuren gerichtssicher dokumentieren lassen und sich dann in Ruhe überlegen, ob sie den Täter anzeigen wollen. Bislang haben aber nur zehn Frauen diese Spurensicherung in Anspruch genommen. Vermutlich, weil das Angebot noch nicht bekannt genug ist, sagt Frewer.

Das soll ein Kurzfilm, der jetzt in den drei Leverkusener Kinos vor dem Hauptfilm gezeigt wird, ändern. In zwei Fassungen - eine 38 Sekunden, eine 2:20 Minuten lang - ist eine schockierte Frau zu sehen, die erst einmal das Falsche macht: Sie duscht sich und wechselt die Anziehsachen - und beseitigt damit die Spuren der Tat. Anschließend sieht der Zuschauer in einer Rückwärtsbewegung die Hauptdarstellerin auf dem Weg zu ihrem Bad. Irgendwann geht es jedoch von der Rückwärts- in eine Vorwärtsbewegung über; die Frau orientiert sich neu: Sie wählt den Weg zum Krankenhaus. "Der Film soll die Botschaft im Hirn einpflanzen: ,Geh' nicht duschen, geh' in die nächste Klinik", erklärt der Bielefelder Filmdesigner Martin Larius, der den Film bereits für die Städte Bielefeld und Herford gedreht hat. "Wir hoffen natürlich, dass diese Botschaft nie abgerufen werden muss."

Im Leverkusener Klinikum wurden dieses Jahr acht Vergewaltigungsopfer untersucht, zwei von ihnen kamen zur anonymen Spurensicherung. "Dazu gehört, dass der Zustand der Kleidung mit Fotos festgehalten wird, ebenso mögliche andere Spuren auf der Haut", berichtet Ärztin Sylvia Dorn-Kunert. Über Blutuntersuchungen werde geprüft, ob die Frau durch die Vergewaltigung mit ansteckenden Krankheiten wie HIV oder Hepatitis infiziert wurde. Damit Sperma des Täters nachgewiesen werden könne, sei es wichtig, dass die Opfer schnell zur Untersuchung in die Klinik kommen.

"Der Nachweis ist nur innerhalb von 72 Stunden nach der Tat möglich", sagt Dorn-Kunert. Um die Anonymität zu wahren, würden die gesicherten Spuren chiffriert aufgewahrt. Das Opfer erhalte die Chiffre-Nummer. "Meistens handelt es sich bei den Tätern um Bekannte des Opfers", berichtet Frewer. Dies zeige sich immer wieder in den jährlich rund 80 Beratungsgesprächen, die der Frauennotruf mit Opfern sexualisierter Gewalt führe. Von den zehn Frauen, die bislang die anonyme Spurensicherung genutzt haben, hätten zwei Anzeige gegen den Täter erstattet.

Quelle: RP
 
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