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Köln/Leverkusen
Polizeichef: Leverkusen ist kein gallisches Dorf

Angriffe auf Ausländer in Köln
Angriffe auf Ausländer in Köln FOTO: dpa, mjh hpl
Köln/Leverkusen. Der neue Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies hat gleich an seinem ersten Arbeitstag Führungsfunktionen neu besetzt - und versprochen, Köln und Leverkusen gleichwertig zu betrachten. Von Peter Korn

Der Mann hat keine Zeit zu verlieren: Einen Tag nach seiner Vorstellung durch NRW-Innenminister Ralf Jäger hat der neue Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies sowohl personell neue Weichen gestellt, als auch ein eindeutiges Bekenntnis zu seiner Verantwortung für Leverkusen abgegeben.

Er betrachte Leverkusen ganz gewiss nicht als gallisches Dorf, ließ Mathies über seine Pressestelle auf Anfrage unserer Redaktion gestern mitteilen. Zustände wie in den Asterix-Comics, in denen sich die unbeugsamen Dörfler gegenüber der römischen Großstadt-Obrigkeit auflehnen müssen - so etwas soll es unter seiner Führung nicht einmal ansatzweise geben. Vielmehr ließ Mathies wissen, er werde Leverkusen gegenüber Köln absolut gleichrangig behandeln.

Erstes Beispiel: die Karnevalstage. Es soll keineswegs so sein, dass Polizei-Personal in Köln erhöht werde, um die jecken Züge zu sichern und dafür in Leverkusen Kräfte abgezogen werden, versicherte der neue Polizeichef. Wenn er sage, die Präsenz auf der Straße müsse gerade auch bei solchen Veranstaltungen erhöht werden, dann meine er dies sowohl auf Köln als auch auf Leverkusen bezogen, führte Mathies aus. Wenn sich der Polizeipräsident bereits am kommenden Montag mit Leverkusens Oberbürgermeister Uwe Richrath erstmals zusammensetzt, dürfte diese Frage ausführlich besprochen werden.

Richrath hatte schon tags zuvor gegenüber unserer Redaktion die Hoffnung geäußert, dass sich unter der neuen Führung Leverkusener besser aufgehoben fühlen können als bisher.

"Er ist ein Mann der Praxis, das gefällt mir", hatte Richrath gesagt. In der Tat hat Jürgen Mathies in seinem Berufsleben schon einiges an Einsätzen in verantwortlicher Position erlebt. Von 2001 bis 2006 leitete er beispielsweise eine bundesweite Projektgruppe für das Sicherheitskonzept der Fußball-Weltmeisterschaft.

Die Polizeigewerkschaft BDK (Bund Deutscher Kriminalbeamter) sprach angesichts Mathies' Berufung von einem Paradigmenwechsel: Seit Jahrzehnten seien ausschließlich Juristen, Parteimitglieder und/oder die Landesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei (GdP) auserkoren worden, die größten NRW-Polizeibehörden zu leiten. Mathis' Berufung sei ein Paradigmenwechsel, betonte BDK-Bezirksvorsitzender Rüdiger Thust im Gespräch mit unserer Redaktion.

Entscheidungsfreudig scheint Mathies auf jeden Fall zu sein: Gleich an seinem ersten Arbeitstag besetzte er gestern einige Führungsfunktionen neu. So wird die Pressestelle der Kölner Polizei künftig vom Ersten Polizeihauptkommissar Ralf Remmert geleitet.

Die Öffentlichkeits-Arbeiter waren in die Kritik geraten, weil sie in ihrer ersten Mitteilung zur Silvesternacht zunächst keine besonderen Vorkommnisse gemeldet hatten. Tatsächlich waren am Kölner Hauptbahnhof aber massenweise Frauen sexuell bedrängt und bestohlen worden, wie inzwischen bekannt ist. Nach bisherigen Ermittlungen waren die Täter überwiegend Männer nordafrikanischer oder arabischer Herkunft. Bei der Polizei sind inzwischen mindestens drei Anzeigen wegen Vergewaltigung erstattet worden. Nachdem der bisherige Polizeipräsident Wolfgang Albers eine Woche später in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden war, hatte die nordrhein-westfälische Landesregierung am Dienstag Mathies auf den Posten berufen.

Der bisherige Direktor des Landesamtes für Zentrale Polizeiliche Dienste in Duisburg hatte gleich in seinem ersten Statement erklärt, er sehe sich selbst vor einer "riesigen Herausforderung". Sein Hauptanliegen sei es zunächst, das beschädigte Vertrauen der Kölner in die Polizei wiederherzustellen: "Denn das ist für mich als Mensch und als Polizist ein schreckliches Gefühl, wenn Menschen denken, der Polizei nicht mehr vertrauen zu können."

Mathies sagte in diesem Zusammenhang, die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht hätten ihn "entsetzt". Es sei wichtig, die Geschehnisse mit "Mut zur Selbstkritik" aufzuarbeiten.

Dieses Prinzip gilt auch in anderen Stadtteilen: So besetzte Mathies gestern die Leitung der Polizeiinspektion 6 mit der Polizeiwache Köln-Kalk überraschend neu. In dem Stadtteil war die Polizei am Dienstagabend gegen Diebesbanden vorgegangen. Dort gibt es bereits seit einiger Zeit vielfältige Probleme.

Mit Leverkusen hatte der neue Polizeichef in seinem Berufsleben noch keine Berührungspunkte, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit: Doch das soll und wird sich jetzt ändern - und das wohl eher heute als Morgen.

Quelle: RP
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