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Joachim Naase
"Viele Motorradunfälle wären vermeidbar"

Joachim Naase: "Viele Motorradunfälle wären vermeidbar"
Joachim Naase (mit Warnweste) ist zweiter Vorsitzender der Kreisverkehrswacht. Er bietet Fahrschulungen an und ist selbst passionierter Fahrer. FOTO: A. Blazy
Leverkusen. Kleidung, Umsichtigkeit, Schulungen: Der Fahrlehrer gibt Ratschläge, deren Einhaltung Leben retten kann.

Ein Leverkusener Motorradfahrer (40) ist am Sonntagabend nach einem Überholmanöver schwer gestürzt. Der Mann war von Odenthal in Richtung Bechen unterwegs, überholte vor einer Rechtskurve zwei Autos, bekam aber wegen zu hohen Tempos die Kurve nicht und stürzte in einen Graben, meldet die Polizei. Der Mann musste verletzt ins Krankenhaus. Im Kreis Mettmann überlebte ein 26-jähriger Motorradfahrer aus Wülfrath einen Sturz nicht, ein 55jähriger Hildener starb nach der Kollision mit einem Pkw. Joachim Naase ist Fahrlehrer in Mettmann, Motorradfahrer und zweiter Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Mettmann. Er führt Sicherheitstrainings für Motorradfahrer durch.

Was sind Ihrer Meinung nach die häufigsten Ursachen für Motorradunfälle?

Joachim Naase Die Fahrer überschätzen sich. Das gilt für junge wie alte Biker. Sie fahren schneller als erlaubt und schätzen Situationen falsch ein. Da wird mal eben die Lücke gesucht und überholt und schon ist es passiert. Ich sage den Fahrschülern immer: lieber ankommen als umkommen. Wer noch keine Fahrpraxis hat, sollte an einem Sicherheitstraining teilnehmen. Und wer seit langem nicht mehr gefahren ist, sollte ein paar Fahrstunden zum Auffrischen der Kenntnisse buchen oder ebenfalls an einem Sicherheitstraining teilnehmen.

Worauf muss ich bei der Wahl des Fahrlehrers achten?

Naase Ganz oft sehe ich, dass Fahrerlehrer ihren Schülern im Auto hinterherfahren und sie per Funk schulen. Das sind dann nicht selten auch Lehrer, die selbst keine Motorrad-Fahrpraxis haben. Ich fahre selbst regelmäßig und begleite Motorradfahrschüler immer mit meinem Motorrad. Dann gibt es noch einen Sonderfall: Besitzer von Führerscheinen, die vor dem 1. April 1980 erworben worden sind, erhalten seit Anfang 2013 nach einer verkürzten praktischen Prüfung die Fahrerlaubnis zum Führerschein A 2, mit dem sie ein vollwertiges 48-PS-Motorrad fahren dürfen. Auch das sind dann wieder Menschen, die erst einmal mit wenig Fahrpraxis unterwegs sind.

Was fällt Ihnen noch auf?

Naase Falsche Kleidung. Zu den Fahrstunden treten alle in Sicherheitskleidung an. Kaum haben sie den Führerschein und sind ohne Fahrlehrer unterwegs, tragen einige kurze Hosen und T-Shirts zum Helm. Wenn ich die dann treffe und anspreche, sagen sie: Es ist so heiß heute und ich fahre ja nicht weit.

Gibt es auch Unfallursachen, die durch die Technik bedingt sind?

Naase Ja, natürlich. Erst ab 2016 wird ABS Pflicht. Allerdings nur bei allen neu entwickelten Motorrad Baureihen. Ab 2017 darf dann kein Motorrad über 125 Kubikzentimeter mehr ohne das Anti-Blockiersystem neu zugelassen werden. Es muss allerdings keine Maschine nachgerüstet werden. Es sind also viele ältere Maschinen ohne das Antiblockiersystem unterwegs. Da kann eine Vollbremsung schnell zum Sturz führen. Dann gibt es Fahrer mittleren Alters, die seit 20 Jahren oder länger nicht mehr Motorrad gefahren sind und sich eine schwere Maschine mit viel PS kaufen, die sie nicht beherrschen. Oder sie schaffen sich eine alte Maschine an, super gepflegt, aber mit uralten Reifen. Die investieren 1000 Euro in sichere Kleidung und fünfstellige Beträge in ihre Maschinen, aber solche Mängel erkennen sie nicht.

Motorradfahrer werden von Autofahrern übersehen. Woran liegt das?

Naase Zum Teil sind die Motorradfahrer selbst schuld: Deren Lieblingsfarbe ist schwarz. Helle oder reflektierende Anzüge gelten als uncool und werden von den wenigsten getragen. Autofahrer unterschätzen oft die Geschwindigkeit der Biker. Das muss man als Motorradfahrer wissen und entsprechend fahren.

ILKA PLATZEK STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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