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Meerbusch
Einzelhandel - auch ein sozialer Faktor

Meerbusch: Einzelhandel - auch ein sozialer Faktor
Alexander Mous will auf Plastiktüten verzichten und fordert seine Kunden auf, ihre bei ihm gekaufte Ware in der eigenen Tasche zu transportieren. Im Gegenzug spendet er pro Tüte zehn Cent. FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Mehr als 70 Prozent der Geschäftsleute engagieren sich ehrenamtlich und sozial für die Stadt, in der sie arbeiten. Das ist Ergebnis einer aktuellen IHK-Studie in 16 Städten aus NRW. Alexander Mous ist ein Beispiel aus Meerbusch. Von Anke Kronemeyer

Pro Jahr kämen 30.000 bis 40.000 Plastiktüten für die Kunden seines Spielwarengeschäfts in Büderich zusammen, hat Alexander Mous ausgerechnet. Und von dieser hohen Zahl will er ganz schnell runter. Darum bittet er seine Kunden seit einigen Tagen: "Schenken Sie uns Ihre Tüte, dann spenden wir zehn Cent." So hat er es im Geschäft plakatiert. Heißt: Für jeden Kunden, der beim Einkauf auf seine Plastiktüte verzichtet und die gekaufte Ware mit der eigenen Tasche nach Hause bringt, werfen Mous und sein Team zehn Cent in eine Spardose. Dieses Geld soll für einen guten Zweck gespendet werden. "Das soll mit Kindern und Umwelt zu tun haben - wir nehmen noch Anregungen entgegen", bittet Mous seine Kundschaft um Vorschläge. Bislang hat er für rund 8000 Euro pro Jahr Plastiktüten in drei Größen eingekauft - und hofft, dass diese Summe zumindest zum Teil durch die Spenden zusammenkommt.

Mous ist damit einer von vielen Einzelhändlern, die sich für ihren Standort engagieren. "Sie sehen sich als Teil der Gemeinschaft vor Ort", heißt es in einer Mitteilung der IHK NRW, die die Pilotstudie "Handel3 - Die dritte Dimension des Einzelhandels" vorgelegt hat. In 16 Modellstädten wurden Geschäftsleute befragt: in Bochum, Krefeld, Wuppertal, Dinslaken, Gevelsberg, Herford, Unna, Warendorf, Brüggen, Halver, Lippetal, Much, Oerlinghausen, Overath, Salzkotten und Wettringen. Meerbusch war zwar nicht dabei, aber mit Dinslaken und Warendorf gehören zwei vergleichbare Städte dazu.

Aber auch in Meerbusch engagieren sich Einzelhändler. Das ergab eine Umfrage von Wirtschaftsförderin Heike Reiß, die sie im vergangenen Jahr anlässlich der Aktion Heimat-Shoppen gestartet hatte. So haben 22 Einzelhändler ganz konkret geantwortet und beschrieben, was sie über ihre normale Arbeit hinaus noch tun: Die einen spenden fürs Kinderhospiz Regenbogenland, die anderen für die Arche Noah und einen Zirkus, wieder andere unterstützen örtliche Tennis- und Schützenvereine, Kindergärten, das Tonnenrennen, Kirchengemeinden, den Muckis-Cup oder den Kinderschutzbund.

"Darüber hinaus gibt es noch ein großes Engagement vieler Händler, die Bandenwerbung im Sport machen, Anzeigen schalten in Festschriften oder ganz gezielt einen Kindergarten in ihrem Stadtteil unterstützen", so Heike Reiß. All das sei ein gutes Beispiel für gut funktionierendes soziales Leben.

So steht es auch in der IHK-Studie: "Für karitative Einrichtungen sind Leistungen der Einzelhändler eine wichtige Finanzierungsquelle." Laut dieser Studie stammen gut 15 Prozent des Gesamtbudgets der befragten Einrichtungen vom örtlichen Handel. "Viele Einrichtungen können auf diese Zuwendung nicht verzichten", heißt es. Dazu gehöre aber auch einmal mal ein "Small Talk" an der Ladentheke - auch das spiegele die soziale Rolle der Händler wider. Durchschnittlich würden Einzelhändler ein bis zwei Arbeitstage im Monat für die ehrenamtliche Tätigkeit aufwenden - und das in einigen Fällen sogar bis zu 20 Jahre lang. Jeder Einzelhändler investiert 1400 bis 1900 Euro pro Jahr für soziale Zwecke.

Quelle: RP
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