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Mönchengladbach
20 Jahre Erste Hilfe für die Seele

Mönchengladbach: 20 Jahre Erste Hilfe für die Seele
Dass die Aufgabe als Notfallseelsorger trotz all des erlebten Leids auch eine erfüllende sein kann, zeigen die Ehrenamtler, die seit 20 Jahren dabei sind. FOTO: G. peters
Mönchengladbach. Notfallseelsorger unterstützen im schwersten Augenblick - und das ehrenamtlich. Von Gabi Peters

Plötzlicher Kindstod, Selbstmord des Vaters, Unfalltod eines Angehörigen, Mord eines Mitschülers ... Es gibt Dinge im Leben, die werfen Angehörige aus den Bahn, versetzen Menschen in Schockstarre und bedeuten unendliches Leid. In solchen Fällen helfen in Mönchengladbach 30 aktive Notfallseelsorger. Sie werden von der Leitstelle der Feuerwehr angefordert für Augenzeugen schwerer Verkehrsunfälle oder für Eltern, deren Kind morgens nicht mehr aufgewacht ist. Und auch die Polizei holt sich die Notfallseelsorger zur Unterstützung, wenn sie schlimme Nachrichten überbringen muss.

Seit 20 Jahren gibt es die ökumenische Notfallseelsorge in der Stadt. Wie wichtig die Männer und Frauen sind, die ehrenamtlich rund um die Uhr rufbereit sind, zeigt sich auch bei der "Geburtstagsfeier" im Rathaus Abtei. Bürgermeister Ulrich Elsen, Feuerwehrchef Jörg Lampe und Polizeidirektor Reinhard Lenzen-Fehrenbacher sowie Vertreter beider Kirchen sprechen den Helfern ihren Dank aus und ihre Hochachtung für die Bewältigung dieser unglaublich schwierigen Aufgabe, bei schweren Schicksalsschlägen "Erste Hilfe für die Seele" zu leisten.

Pfarrer Ulrich Meihsner ist einer der beiden Koordinatoren der Notfallhilfe Mönchengladbach und von Anfang an dabei. Auch der hauptamtliche Krankenhausseelsorger arbeitet in der ehrenamtlich Notfallhilfe neben seinem eigentlichen Beruf. Die Geschichte, die er an diesem Abend erzählt, ist in Kurzform gehalten, beinhaltet nur die Fakten und zeigt doch, dass es im größten Leid auch Geschenke geben kann: Fünf Freunde aus Paderborn besuchen das Bundesligaspiel Mönchengladbach gegen Paderborn. Plötzlich bricht einer zusammen, muss reanimiert werden. Ein Einsatz für Sanitäter, Notarzt, Feuerwehr und Notfallseelsorger. In einer Kolonne geht es in die Notfallambulanz. Es folgen Not-OP und Intensivstation. Im Krankenhaus warten die vier Freunde. Die Ehefrauen, die den Nachmittag in der Skihalle verbringen, werden benachrichtigt. Das Seelsorger-Team fordert Verstärkung an. Das bringt Zeit mit, hört zu, tröstet und muss schließlich die Todesnachricht überbringen. Die Ehefrau und ihre Freundinnen erreichen das Krankenhaus. Die Seelsorger überbringen noch einmal die Todesnachricht. Der Verstorbene ist 46 Jahre und hinterlässt zwei kleine Kinder. Die Trauer ist groß. Irgendwann taucht die Frage auf, wie die Gruppe zurück nach Paderborn kommt.

Ulrich Meihsner weiter: "Da saßen zwei Menschen vor der Intensivstation, die selber einen Angehörigen dort liegen hatten. Sie sagten: ,Wir bringen euch zurück.'" Und das taten sie auch, sie fuhren mit der Gruppe in der Nacht ins 210 Kilometer entfernte Paderborn und kehrten anschließend wieder zurück.

Die engagierten Notfallseelsorger, die im Auftrag der beiden Kirchen unterwegs sind, haben sich aus verschiedenen Gründen für dieses schwierige und höchst sensible Ehrenamt gemeldet. Pfarrer Ulrich Meihsner: "Manche haben selbst in der Zeit der größten Trauer wertvolle Hilfe und Zuspruch erhalten und wollen nun etwas zurückgeben." In einigen Fällen sei es genau andersherum gewesen. Sie hatten niemanden, der Halt bot und sagten sich: "So wie mir soll's keinem anderen gehen."

Quelle: RP
 
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