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Mönchengladbach
Arbeitslosenzentrum wird Denkschmiede

Mönchengladbach: Arbeitslosenzentrum wird Denkschmiede
FOTO: Dieter Weber
Mönchengladbach. Nummer 104 - so lautet die nüchterne Bezeichnung für Sozialplaner, wenn sie ein großes Gebiet rund um das Arbeitslosenzentrum meinen. Jetzt soll es zum Quartier und zum Treffpunkt für Anwohner werden. Von Dieter Weber

Für Sozialplaner, die vornehmlich möglichst viele Fakten sammeln, ist es das Viertel mit der Nummer 104. Wer es räumlich abgrenzen will, kann sagen, dass es zwischen Flieth- und Hittastraße, Hohenzollern- und Humboldtstraße, Bahnhofsviertel und Schillerplatz liegt. Es ist auch möglich, markante Gebäude und Orte zu benennen: zum Beispiel Citykirche, Alter Markt, Altstadt, Hindenburgstraße, Rathaus Abtei, Museum Abteiberg, Münster, VHS und Arbeitslosenzentrum.

Wer Claudia Lamsfuß und Monika Hintsches zum Viertel 104 befragt, wird vermutlich noch eine andere Antwort bekommen: Sie sind auf der Suche nach den Menschen, die hier leben, sie wollen deren Bedürfnisse, Sorgen, Interessen, deren Bereitschaft zu Engagement und zu Kontakten kennenlernen. Lamsfuß und Hintsches sind Quartiersentwicklerinnen und haben vom Verein Arbeitslosenzentrum den Auftrag erhalten, bis Sommer kommenden Jahres ein Quartierskonzept zu entwerfen. Das ist mehr als nur eine Ansammlung von Sozialdaten. Mit dem Konzept sollen das bürgerschaftliche Engagement und das Ehrenamt gefördert und die Bürger in ihrem Stadtteil aktiviert werden. Das werden Lamsfuß und Hintsches nicht verordnen, sondern gemeinsam mit den hier lebenden Menschen erarbeiten: Im Januar gibt es den ersten Workshop.

Das Arbeitslosenzentrum als strategischer Ort soll die Ideen- und Denkschmiede im Quartier werden. Für die Entwicklung des Konzepts, wie auch immer es am Ende aussehen wird, hat der Verein einen Vertrag mit der Stadt geschlossen. Dass die Sozialeinrichtung den Zuschlag erhielt, hat viel mit ihrer Bedeutung für die soziale Struktur des Umfeldes und der Bereitschaft zu tun, die Verantwortung für das Quartier zu übernehmen. Dass die Bevölkerungsstruktur sehr vielfältig ist, das weiß vor allem Monika Hintsches. Die ausgebildete Sozialarbeiterin hat sich einen Namen als Chorleiterin, Sängerin und Kabarettistin gemacht und steht inzwischen auch der Initiative Gründerzeitviertel vor. Sie wird in dem Duo Lamsfuß/Hintsches diejenige sein, die auf die Menschen im Viertel zugeht, sie interviewt und ihre Interessen auslotet. "Statistische Daten mit Leben füllen" - so nennt sie ihre Kernaufgabe in den kommenden Monaten. "Es ist ein buntes Gebiet mit mehreren unterschiedlichen Milieus", beschreibt sie das Areal.

Das Arbeitslosenzentrum initiiert im Auftrag der Stadt ein Quartiersentwicklungsprojekt. Das übernehmen (v.l.) Claudia Lamsfuß und Monika Hintsches. Laut Zentrumsleiter Karl Sasserath und Vereinschef Karl Boland, das soll im Sommer 2018 vorliegen. FOTO: Weber

Und zu welchen Ergebnissen können die Befragungen führen? Diese Frage kann man stellen - doch die Antwort fällt schwer. Denn jedes Quartier hat seine Eigenarten, seine besondere Struktur, die durch die Menschen und deren Bedürfnisse bestimmt ist. "In Bonn habe ich eine Quartiersentwicklung in einem Gebiet initiiert, zu dem ein sozialer Brennpunkt gehörte. Am Ende gab's da zum Beispiel ein Projekt, das sich mit der Geschichte des Quartiers beschäftigte. Die Bewohner aus unterschiedlichen Milieus trafen sich dann, um sich historische Fotos anzuschauen", sagt Claudia Lamsfuß. Im Quartier rund um das Arbeitslosenzentrum kann das so ähnlich werden - aber es kann auch ganz anders laufen.

Auch für das Arbeitslosenzentrum wird dieser Prozess erfahrungsreich. Denn bislang ist es so, dass Menschen ohne Arbeit die Einrichtung gezielt ansteuern, weil sie beraten werden wollen oder den Mittagstisch besuchen. Künftig öffnet sich das Arbeitslosenzentrum noch einer ganz anderen Zielgruppe und kann damit zum Treffpunkt im Viertel werden. "Mit unserem originären Aufgabenspektrum hat diese Quartiersprojekt nichts zu tun", sagt Zentrumsleiter Karl Sasserath. Aber er und der Vereinsvorsitzende Karl Boland wissen auch: Das Arbeitslosenzentrum, dessen Standort an der Lüpertzender Straße von CDU und SPD mehrfach in Frage gestellt worden ist, kann sich als Quartierseinrichtung etablieren. Es dann an einen anderen Ort zu verlagern, würde in diesem Fall wenig Sinn machen. Mehr wissen alle Beteiligten im Sommer 2018: Dann wollen Lamsfuß und Hintsches ihr Konzept präsentieren, dann können die Projekte starten.

Quelle: RP
 
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