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Mönchengladbach
Chancen der Gladbacher Landtagskandidaten

Mönchengladbach: Chancen der Gladbacher Landtagskandidaten
FOTO: Joerg Knappe
Mönchengladbach. CDU, SPD, FDP und Grüne haben ihre Bewerber um ein Mandat gewählt. Ein enges Rennen wird zwischen Körfges und Boss erwartet. Von Dieter Weber

Wer bereits eine detaillierte Jahresplanung für 2017 macht, sollte sich an dem Abend des 14. Mai nichts vornehmen. Denn an diesem Sonntag wird's spannend, was nicht unbedingt daran liegen wird, dass ein "Tatort" über die Mattscheibe flimmert. An diesem Abend gibt's nach derzeitigem Stand einen speziellen Mönchengladbacher Krimi mit einer klaren politischen Ausrichtung: Wer zieht in den beiden Mönchengladbacher Wahlkreisen in den Landtag ein?

Dass die Ausgangslage eine so ganz andere ist als bei Landtagswahlen zuvor, liegt vor allem daran, dass die CDU als größte Gladbacher Partei zwei neue Bewerber in den Landtagswahlkampf schickt: Jürgen Klenner löst im Norden der Stadt Norbert Post ab, Frank Boss tritt im Süden die Nachfolge von Michael Schroeren an. Die SPD setzt in Hans-Willi Körfges und Angela Tillmann zwei politische Urgesteine dagegen.

FOTO: Knappe Joerg

Und auch wenn bereits heute sicher ist, dass die Kandidaten von Grünen und FDP es nicht auf direktem Wege schaffen werden, so sind ihre Kandidaten interessant: zwei noch sehr junge Politiker, die grüne Lena Zingsheim (22) und der liberale Daniel Winkens (26). Dazu in dem promovierten Juristen Boris Wolkowski (Grüne) und dem früheren Unternehmer Andreas Terhaag (FDP) zwei Bewerber mit möglicherweise erfolgversprechenden Plätzen auf der Landesliste ihrer jeweiligen Partei. Am Ende könnten mehr als zwei Politiker die Stadt im Landtag vertreten. So wie im Übrigen auch derzeit: In Post, Körfges und den beiden während dieser Wahlperiode nachgerückten Tillmann und Terhaag hat Mönchengladbach vier Eisen im Feuer.

Der richtige Wahlkampf hat zwar noch nicht begonnen und wird erst nach den Sommerferien im Herbst richtig einsetzen. Aber die Meinungsumfragen lassen schon erste Rückschlüsse zu. Und sie machen deutlich, dass es ein enges Rennen geben wird: im Land zwischen CDU und SPD, in der Stadt zwischen den Kandidaten von CDU und SPD. So sehen ihre Chancen aus:

FOTO: Ilgner Detlef

HANS-WILLI KÖRFGES Der 62-Jährige ist seit 16 Jahren Landtagsabgeordneter der SPD. Er ist als kommunalpolitischer Sprecher der sozialdemokratischen Landtagsfraktion ein enger Ansprechpartner von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Der Jurist war bei der parteiinternen Kandidatenaufstellung unangefochten: Es gab keinen Kontrahenten, das Wahlergebnis von mehr als 95 Prozent imponierte. Körfges ist ein guter Redner: Er kann argumentieren, überzeugen - und knallhart attackieren. Dass er als stellvertretender Vorsitzender der Landtagsfraktion eine herausgehobene Stellung im SPD-Landesgefüge hat, ist zunächst ein Segen: Auf der Landesliste (2012 war es die Position 4) wird er weit vorne abgesichert. Der Fluch: Da es in der Regel vor allem im Ruhrgebiet viele SPD-Kandidaten auf direktem Weg in den Landtag schaffen, zieht die Landesliste der Sozialdemokraten oft nur auf den ersten Plätzen. Je nach Wahlausgang könnte - wenn Körfges erneut auf Platz 4 käme - sogar diese Position kritisch werden. Und Körfges hat auch bereits eine Landtagswahl gegen einen CDU-Bewerber (Schroeren) verloren.

FRANK BOSS Vor einigen Jahren sah es schlecht um die politische Karriere des Giesenkircheners aus. Da hatte der 55-Jährige ein auf dem Reißbrett konzipiertes Baukonzept am Willen der Bevölkerung vorbei durchsetzen wollen. Die Wähler bestraften ihn, er verlor sogar sein Ratsmandat. Boss zog sich nicht in den Schmollwinkel zurück, sondern erfand sich neu: Er hörte wieder mehr und häufiger zu, was seine Wähler von ihm erwarten. Er knüpfte viele Kontakte, wirkte nachdenklicher, sorgte für neues Vertrauen. Und selbst bei seiner Kandidatur für das Landtagsmandat zeigte er sich öffentlich sehr zurückhaltend. Dass ihm am Ende beim Nominierungsparteitag kein Erdrutschsieg gegen seine Mitbewerberin Petra Heinen-Dauber gelang, lag nicht an einem möglicherweise noch vorhandenen Misstrauen der CDU-Mitglieder gegenüber Boss. Sondern an der guten Präsentation von Heinen-Dauber. Frank Boss ist als Geschäftsführer der CDU-Fraktion in der Landschaftsversammlung Rheinland bestens vernetzt. Das bringt ihm aber nicht unbedingt eine vordere Platzierung auf der Landesliste der NRW-CDU ein.

FOTO: Grüne

PROGNOSE Es wird ein ganz enges Rennen zwischen Körfges und Boss: derzeit wegen des Bundestrends der Parteien mit leichten Vorteilen für Boss. Aber Körfges würde es auch über die Landesliste schaffen.

ANGELA TILLMANN Sie war bereits von der politischen Bildfläche verschwunden. Die ehemalige Landtagsabgeordnete hatte sich 2014 von allen Ämtern zurückgezogen. Und selbst als die 59-jährige Sozialpädagogin als Nachrückerin vor einigen Monaten wieder in den NRW-Landtag einzog, schien dies nur eine Stippvisite zu sein. Zumal sich bereits andere Bewerber warmliefen und am Ende in Andrea Koczelnik eine jüngere Kandidatin in den Startlöchern stand. Beim Nord-Parteitag überraschte Tillmann viele: Sie, die eigentlich mehr die politische Arbeit im Hintergrund liebt, lief zur Hochform auf. In ihrer kämpferischen, mitunter leidenschaftlichen Rede stellte sie den Markenkern der SPD, das Soziale und den Einsatz für soziale Gerechtigkeit, in den Vordergrund - und triumphierte. Ihr Nachteil: Mönchengladbach-Nord ist klassisches CDU-Land, da haben sozialdemokratische Bewerber es immer schwer, das Landtagsmandat direkt zu holen. Ihr Vorteil: Sie ist die einzige Frau unter den aussichtsreichen Kandidaten. Und sie hat Erfahrung als Landespolitikerin.

JOCHEN KLENNER Der 38-jährige Geschäftsführer der Mönchengladbacher CDU ist bestens vernetzt, hat die Rückendeckung des einflussreichen CDU-Bundestagsabgeordneten Günter Krings und sich viel Ansehen in der Partei erworben. Klenner, ein ehemaliger Radiomoderator, ist rhetorisch geschickt und hat das Gespür, wann er argumentativ dagegenhalten und wann er zurückhaltend auftreten muss. Diese Haltung hat er bei seiner Kandidatur als Landtagsbewerber gezeigt, und dies war durchaus wohltuend. Wegen seines Alters ist er für die Mönchengladbacher CDU eine Langfristlösung. Noch ist nicht ganz klar, auf welche Themenfelder er im Wahlkampf seinen Schwerpunkt setzt. Das Thema Innere Sicherheit wird vermutlich dazugehören.

PROGNOSE Klenner schafft es auf direktem Wege. MG-Nord ist und bleibt CDU-Land. Dazu sind die Christdemokraten zum Beispiel in Neuwerk, Bettrath und Windberg viel zu stark. Genosse Trend ist derzeit nicht aufseiten von Tillmann. Sie könnte es über die Landesliste schaffen - wenn sie denn aussichtsreich platziert wird.

FDP Andreas Terhaag setzt inzwischen voll auf die Karte Politik. Der 48-jährige Versorgungsingenieur und ehemalige Büroleiter eines Landtagsabgeordneten der FDP ist Ende vergangenen Jahres in den NRW-Landtag nachgerückt. Inzwischen hat er das Unternehmen verkauft, das er mit seiner Frau aufgebaut hatte. Er rechnet selbst damit, dass er auf der Landesliste der NRW-Liberalen auf den Plätzen 10 bis 15 einkommen wird: Das müsste für einen Sitz im Landtag reichen, wenn die FDP es ins NRW-Parlament schafft. Der junge FDP-Bewerber Daniel Winkens wird es schwer haben, auf der Landesliste einen aussichtsreichen Platz zu bekommen.

GRÜNE Eines ist klar: Als Direktkandidaten schaffen es weder Wolkowski noch Zingsheim. Und dann hängt alles Weitere davon ab, was sie selbst wollen und wie sie dann auf der Landesliste platziert werden. Wolkowski ist ein erfolgreicher Jurist, Zingsheim ist Sprecherin der Grünen Jugend und noch Lehramtsstudentin. Es könnte durchaus sein, dass sie das Landtagsmandat aufgrund ihrer persönlichen Situationen gar nicht anstreben. Wenn doch, sind sie nicht ohne Chance: Zingsheim, weil sie noch jung ist und die Grünen gerne zeigen, dass sie auf die Karte Jugend setzen. Und Wolkowski, weil er sich gut präsentieren kann und für das bürgerliche Lager steht, aus dem die Grünen auf Stimmen hoffen.

LINKE Sie wählen ihre Landtagskandidaten erst im Spätsommer. "Uns geht es um Inhalte. Der erste Entwurf des Landtagswahlprogramms wird gerade zusammengestellt", teilt Torben Schultz, Vorsitzender der Ratsfraktion, auf Anfrage mit.

Quelle: RP
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